In Sachsen werden Züge nur zögerlich mit W-Lan ausgestattet

Die Vogtlandbahn will bis Anfang 2020 alle Züge mit öffentlichem Internet ausrüsten. In Ostsachsen dauert die Umrüstung acht Jahre. In Mittelsachsen gibt es gar keine Pläne.

Chemnitz.

Im ICE sind kostenlose Internetzugänge per W-Lan inzwischen Standard, in vielen Regionalzügen aber ist die Technik noch nicht installiert. Doch das dürfte sich in den nächsten Jahren ändern: Immer mehr Verkehrsverbünde und -gesellschaften setzen auf ein solches Angebot, auch in Sachsen. Im Freistaat gibt es mittlerweile in fast allen der Verkehrsverbünde, die den Nahverkehr organisieren, konkrete Planungen. Allerdings zieht es sich bis Ende 2027, bis auf einem Großteil der Bahnlinien W-Lan verfügbar sein wird. Dies ergab eine aktuelle Umfrage der "Freien Presse".

Im Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) gibt es bisher allerdings keine genauen Vorstellungen, ob und wann welche Linien mit öffentlichen Internetzugängen ausgestattet werden sollen. Es gebe keine Überlegungen dazu, teilte der Verbund mit. Begründet wurde dies mit einer "weitgehend unzureichenden" Mobilfunkversorgung an den Bahnlinien. "Wir wollen kein W-Lan versprechen, das dann praktisch nicht funktioniert", hieß es. "Falls die Netzabdeckung entlang der Strecken spürbar besser wird, werden wir W-Lan installieren", stellte VMS-Chef Harald Neuhaus jedoch in Aussicht. Der VMS ist unter anderem für die Bahnlinien Chemnitz-Leipzig und Dresden-Hof verantwortlich, die zu den meistgenutzten im Freistaat gehören.

Auf der Verbindung, in der mit Abstand die meisten Fahrgäste sitzen - der Saxonia-Express 50 von Leipzig nach Dresden - liegt seit Mai dieses Jahres W-Lan in den Triebfahrzeugen an. "Mit dem kostenlosen W-Lan im Nahverkehr erhöhen wir dessen Attraktivität", sagte Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) unlängst. Ausgestattet damit sind auch die Züge im gesamten Netz der Mitteldeutschen S-Bahn.

Der Verkehrsverbund Vogtland hat beschlossen, alle Züge der Vogtlandbahn auszurüsten. Bis Anfang 2020 soll das geschehen. Der VVO wird ebenfalls alle Züge im Verbundgebiet W-Lan-fähig machen und hat dafür konkrete Zeitpläne. Da die Kosten je nach Strecke, Umbauaufwand und laufendem Verkehrsvertrag unterschiedlich hoch sind, zieht sich die Umrüstung den Angaben zufolge acht Jahre hin. Bei allen Verbindungen, die neu ausgeschrieben werden, müssen beim VVO die Züge von vornherein mit der Technik ausgestattet sein.

Bei Neuvergaben von Verkehrsverträgen - die Linien im Schienenpersonennahverkehr werden meist mit Laufzeiten von zehn Jahren und mehr ausgeschrieben - gehöre W-Lan inzwischen vielerorts zur Standardanforderung, heißt es beim VVO. Lukas Iffländer, Sprecher beim Fahrgastverband Pro Bahn, geht davon aus, dass der Druck, Züge damit auszustatten, steigen wird. Schließlich hätten die Mobilfunkanbieter bei der Versteigerung der Frequenzen für den nächsten Mobilstandard 5G eine 100-Prozent-Abdeckung an den Bahnstrecken zusichern müssen. Derzeit existiere bundesweit allerdings noch ein Flickenteppich. Die Ausstattung von Regionalzügen mit W-Lan sei sehr unterschiedlich.

Daten dazu, auf wie vielen Strecken und Zügen bundesweit das öffentliche drahtlose Internet verfügbar ist, gibt es nicht. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenverkehr war vor zwei Jahren noch davon ausgegangen, dass bis 2020 nur zehn Prozent der Regionalzüge W-Lan haben. Diese Zahl gilt aber in der Branche als überholt.

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