Jahr der Industriekultur soll die Sachsen wieder zusammenführen

Ein solches Themenjahr hat es in Sachsen noch nicht gegeben. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird seit Donnerstag das industrielle Erbe des Freistaats gefeiert. Die Botschaft richtet sich aber in die Zukunft.

Dresden/Zwickau.

Die Zukunft lässt sich gestalten. Das ist die Botschaft, die sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vom am Donnerstagabend in Dresden offiziell gestarteten Jahr der Industriekultur 2020 erhofft. Es ist ein Novum in Sachsen. Ein solches Themenjahr hat es im Freistaat noch nicht gegeben.

Höhepunkt und Kern des landesweiten Projektes ist die 4. Sächsische Landesausstellung, die am 25. April in Zwickau ihre Tore öffnen soll und die von sechs Satellitenausstellungen an Schauplätzen in Zwickau, Chemnitz, Freiberg, Oelsnitz/Erzgebirge und Crimmitschau begleitet wird. Der Freistaat fördert die Schau mit mehreren Millionen Euro. Darüber hinaus können sich Kulturinstitutionen im ganzen Freistaat dem Themenjahr anschließen und eigene Veranstaltungen melden. Bislang sind bei der Kulturstiftung des Freistaats, die die Aktion koordiniert, mehr als 100 Meldungen eingetroffen. Die Palette reicht von Ausstellungen über Tagungen, Workshops, Theaterprojekte, Industriekultur-Rallyes bis hin zu Gesprächsrunden und Vorträgen.

Als Höhepunkte gelten die Kreativ- und Tüftlermesse Maker Faire Ende März in Chemnitz, die Wiedereröffnung des Museums Energiefa-brik Knappenrode bei Hoyerswerda im Juli und die Eröffnung des Museums Zeitwerkstadt in Frankenberg im Mai. Auch bereits bestehende Festivals wie die Tage der Industriekultur Chemnitz/Zwickau und das Kunstfestival "ibug" sind in das Themenjahr eingebunden. Der Ort der diesjährigen "ibug" ist freilich noch nicht bekannt, da laut ibug-Verein die Verhandlungen noch laufen. Ein besonders umfangreiches Programm hat die Stadt Leipzig auf die Beine gestellt. Dort gibt es unter anderem zahlreiche Fotoausstellungen zu sehen.

Sophia Littkopf, Projektleiterin bei der Kulturstiftung, rechnet damit, dass in den kommenden Wochen noch deutlich mehr Veranstaltungen gemeldet werden. Ihr zufolge kommt das Themenjahr bereits jetzt gut in Sachsen an. "Wir bekommen das jedenfalls so von den Veranstaltern gemeldet", sagte sie. Die Stiftung kann Veranstaltern finanziell unter die Arme greifen. Sie fördert im ersten Halbjahr 14 Projekte mit insgesamt knapp 200.000 Euro. Zur Unterstützung des Jahres der Industriekultur hat der Freistaat der Stiftung wiederum 845.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Das Jahr der Industriekultur soll den Fokus vor allem auf Sachsens reichhaltiges industrielles Erbe lenken. Beim Blick auf die Vergangenheit stelle sich die Frage, was wir für die Zukunft daraus lernen können, sagte Kretschmer am Rande der Festveranstaltung. Die Antwort sei, dass man keine Angst vor den Herausforderungen der Zukunft wie Digitalisierung oder Klimawandel haben müsse, wenn man sich ihnen aktiv stelle. Industriekultur, so Kretschmer, sei für ihn, was Produktion und Wirtschaft mit uns als Menschen machen.

Kretschmers Stellvertreter Martin Dulig (SPD) ergänzte, dass die Beschäftigung mit der Industriekultur auch den Stolz und die Identität der Menschen im Freistaat wieder stärken könne. Diese hätten durch den industriellen Kahlschlag nach der Wiedervereinigung einen deutlichen Knacks bekommen, der noch immer tief sitze. Nun biete das Jahr der Industriekultur die große Chance auf eine identitätsstiftende Wirkung. "Wir definieren uns ja über Arbeit", sagte Dulig. "Insofern haben viele Menschen einen Bezug zur Industriekultur." Das könne helfen, eine auseinadertriftende Gesellschaft beisammenzuhalten. "Das Jahr der Industriekultur kann so zum Jahr der Versöhnung werden", sagte Dulig der "Freien Presse".

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