Irre: 500-Euro-Gebot für eine Moppi-Tasse

Leipzigs Weihnachtsmarkt wird in diesem Jahr von der Jagd nach Punschtassen dominiert. Die Folgen der Sammelwut sind drastisch.

Leipzig. Die Weihnachtsmarktbesucher in Leipzig sind im Moppi-Rausch. Kinderpunschtassen werden mittlerweile im Netz zu horrenden Preisen gehandelt. Die Angebote liegen bei 40 Euro, vereinzelt werden sogar Summen von 250 Euro verlangt. Und laut MDR sollen einer Marktverkäuferin gar schon 500 Euro für ein Exemplar geboten worden sein. Und immer, wenn neue Moppi-Tassen mit Punsch für 2,50 Euro Pfand über die Theken gehen, bilden sich am Leipziger Weihnachtsmarkt lange Schlangen. Das Leipziger Marktamt empfiehlt, den "Phantasiepreisen" im Netz nicht nachzugeben.

"Der Sammlerinstinkt wurde entfesselt", stellt Leipzigs Marktamtsleiter Walter Ebert fest. Den
Hype bezeichnete er jedoch als grenzwertig. Die Tassen-Aufregung bestimme mittlerweile seinen Arbeitsalltag: Enttäuschte Weihnachtsmarktbesucher kämen auf der Suche nach einer Moppi-Tasse in das Amt. "Nicht jeder ist freundlich", so Ebert. Für Beschwerde-Mails hat der Amtsleiter kein Verständnis. "Es ist ein Sonderangebot, und das ist halt begrenzt", erklärte er.

Der Hype könnte aber bald vorbei sein. "Möglicherweise gibt es Ende der Woche wegen des Ansturms keine weiteren Moppi-Tassen mehr", sagt der Amtsleiter. Etwa zwei Drittel seien bereits weg. Insgesamt hatte die Stadt 14.000 Moppi-Tassen, die in Tranchen von je 4000 Stück an die Stände gegeben werden - meist donnerstags oder freitags, so Ebert. Neben Moppi servieren die Stände den Punsch auf dem Weihnachtsmarkt auch in Tassen mit älteren Kindermotiven: 2000 Tassen-Nachauflagen von Schnatterinchen und 1000 mit Pittiplatsch.

Der Ansturm steigerte sich über die Jahre: Als das Marktamt die Kinderpunschtassen mit Motiven aus den Fernseh-Episoden des Sandmännchens einführte, habe die Tasse mit dem Motiv des Sandmanns "noch keinen interessiert", sagte Ebert. 10.000 Tassen wurden damals ausgegeben. 2017 sorgten Pittiplatsch-Tassen für kindliche Weihnachtsstimmung. Im dritten Jahr sind die Tassen dann durchgestartet. Ebert erklärt sich den Erfolg mit dem besonders schönen Schnatterinchen-Motiv. Dennoch: "Wir haben das nicht mit der drastischen Auswirkung geplant."

Zu Beginn der Aktion hatte die Stadt insgesamt sechs Kindertassen-Auflagen im Blick - demnach müsste es also noch zwei weitere Motive geben. Allerdings werde die Lizenzgebühr jedes Jahr neu verhandelt. Auch werde geprüft, ob die exzessive Nachfrage mit dem Gedanken des "kleinen, freundlichen Gimmicks" noch vereinbar ist, so Ebert. Ob es im kommenden Jahr eine neue Kindertasse gibt, bleibe daher erstmal offen. (dpa)

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