Linke-Politikerin Nagel will nach Drohungen Anzeige stellen

Leipzig (dpa/sn) - Die sächsische Linke-Politikerin Juliane Nagel sieht sich nach den Silvester-Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz mit extremen Anfeindungen konfrontiert. Am Samstag machte sie einen Drohbrief öffentlich, der bei ihr einging und einen Zettel mit der orthografisch mangelhaften Aufschrift «An den Galgen mit dir oder standrechtlich erschiessen» enthielt. Die 41 Jahre alte Landtagsabgeordnete will nun Anzeige erstatten. Seit Silvester hätten die Anfeindungen massiv zugenommen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Dresden: «Ich habe noch nie so viele Hass-Mails und Drohungen bekommen.» Auch wegen einiger dieser Mails werde sie sicher noch Anzeigen stellen.

Nagel will sich jedoch nach eigenen Angaben nicht einschüchtern lassen und weiter Politik machen. «Man gewöhnt sich daran und freut sich immer auf Beiträge, auf die man überhaupt noch antworten kann - wo Leute sachlich bleiben, auch wenn sie anderer Meinung sind.» Schon mit dem Aufkommen von Pegida und Legida sei ihr eine Welle von Hass entgegengeschwappt. Die jetzigen Reaktionen überträfen das aber noch.

Nagel hatte nach der Silvesternacht im Leipziger Stadtteil Connewitz das Verhalten der Polizei kritisch hinterfragt und von einem «rabiaten Vorgehen» der Beamten gesprochen. Im Gegensatz zu vielen, die sich später über die Vorfälle äußerten, war Nagel Augenzeugin des Geschehens. Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Leipzig von Amts wegen den Verdacht möglicher Polizeigewalt. Bei den Ausschreitungen waren auch Polizisten mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik attackiert worden.

10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    Hinterfragt
    20.01.2020

    @Lesemuffel; eine gleiche Betrachtung dieser Vorfälle meinerseits, wurde an entsprechender Stelle dem Digi-Schredder gewidmet ...

  • 2
    3
    Lesemuffel
    20.01.2020

    Mittlerweile muss man sich fragen, warum die Polizei überhaupt gerufen worden war. Einfach die Linksextremen auf ihre Art Silvester feiern lassen. Dann muss sich die Polizei keiner politischen Aufarbeitung unterziehen.

  • 7
    3
    Hankman
    20.01.2020

    Ich finde es völlig in Ordnung, dass nicht nur gegen die gewalttätigen Chaoten ermittelt wird, die Polizisten tätlich angegriffen haben, sondern auch geprüft wird, ob Polizisten falsch gehandelt haben. Da ist erst mal gar nichts dabei. Im Gegensatz zu vielen, die sich in allen möglichen Internetforen das Maul über die Connewitzer Silvesternacht zerrissen haben, war Frau Nagel Zeugin des Geschehens. Sicher kann man über dasselbe Geschehen auch unterschiedlicher Meinung sein. Schauen wir mal, wie die Wertung der Ermittlungsbehörden ausfällt.

    Ich weiß nicht mehr so recht, was ich von der Sache halten soll. Erst wurde das Geschehen höchst dramatisch geschildert, der MP verstieg sich sogar zu der steilen These, hier gehe es um "linken Terror" (was jedenfalls im rechtlichen Sinne Quatsch ist). Erst wurde der Eindruck erweckt, der eine Polizist sei lebensbedrohlich verletzt worden, dann erwies sich das zum Glück als unzutreffend - auch wenn tatsächlich drei Polizisten verletzt wurden, was einfach inakzeptabel ist. Inzwischen gibt es Augenzeugenberichte und ein paar Videoschnipsel. Und damit stellt sich das Geschehen zwar als gravierend, aber doch nicht so dramatisch dar, wie zunächst angenommen.

    Die Polizei wird hoffentlich ihre Einsatztaktik analysieren und - falls sie ungeeignet war - Konsequenzen daraus ziehen. Ich halte es schon für möglich, dass die Polizei - vielleicht mit Blick auf den OB-Wahlkampf in Leipzig - zu Silvester besonders Stärke zeigen wollte und dabei vielleicht unangemessen vorgegangen ist. Wie gesagt: Ich halte es für möglich. Ich war nicht dabei. Ich wünsche mir aber, dass das umfassend aufgeklärt wird.

    Ach ja, und noch ein Wort zu dem Drohbrief an Frau Nagel: So etwas tut man nicht. Das ist eine Straftat und keine Meinungsäußerung. Punkt. Wäre cool, wenn die Polizei den Täter ermitteln könnte.

  • 4
    8
    Lesemuffel
    19.01.2020

    Nagel war Augenzeugein. Auf Seiten der Polizei oder der Extremisten oder dazwischen oder aus sicherer Entfernung, obwohl sie alles aus nächster Nähe gesehen haben will.

  • 6
    9
    Einspruch
    19.01.2020

    Zweifel an ihrer eigenen Äußerungen kommen ihr aber nicht, oder? Vielleicht sollte sie mit der Justizministerin Sachsens zusammen herumflennen, deren Einstellung zur Polizei durften wir ja kürzlich lesen. Die dürften beide diesbezüglich nicht weit auseinander liegen und erwarten jetzt Hilfe. Was für ein Jux.

  • 10
    6
    Malleo
    19.01.2020

    Hübscher Hintergrund!
    Anzeige bei der Polizei, die ganz Connewitz hasst.
    Frau Nagel gehört dazu.

  • 7
    8
    Interessierte
    19.01.2020

    Diese Frau bekommt aber bestimmt Recht … …...
    Ich habe auch schon Polizisten im Fernsehen gesehen , die auf Menschen eingeschlagen haben , wo ich mich gefragt hatte , ob das denn sein muß …..

  • 7
    10
    Hinterfragt
    19.01.2020

    Nun, wie schrieb doch eien Kommentatorin des linken Spektrums hier an anderer Stelle sinngemäß:
    !...Vielleicht war das ... eine Botschaft aus den eigenen Reihen...!

  • 8
    13
    Distelblüte
    19.01.2020

    Den gleichen Brief hat auch Mission Lifeline erhalten. Immerhin: der Absender hat sich sehr viel Mühe gegeben, mehrere handschriftliche Briefe zu versenden (inklusive einer Beleidigung bereits in der Anschrift). Er hat Geld für Briefmarken ausgegeben, die Adressen ausfindig gemacht. Es war ihm anscheinend sehr wichtig. Anonym wollte er dennoch bleiben.
    Nun ja. Viel Feind', viel Ehr'.

  • 14
    11
    peggi
    19.01.2020

    Vielleicht sollte sie sich mal fragen warum sie diese Anfeindungen bekommt?



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