Mehr Kitaplätze, aber höhere Beiträge

In Ostsachsen wurden 2013 schon einmal Familien befragt. Die Neuauflage des Familienkompasses für ganz Sachsen bietet jetzt die Chance zum Vergleich: Was hat sich verbessert?

Dresden/Chemnitz.

Die zweite Auflage des Familienkompasses Sachsen erlaubt einen Vergleich zu den Ergebnissen von 2013. Damals wurden mehr als 10.000 Menschen im ehemaligen Regierungsbezirk Dresden befragt. Besonders groß waren dort damals die Probleme, Arzttermine und Kitaplätze zu bekommen. Wie ist das heute?

Zufriedener 1: Sachsen kann mehr Kitaplätze anbieten.

Für viele ostdeutsche Frauen ist es normal, Mutter zu sein und gleichzeitig zu arbeiten. Sie vertrauen ihre Kinder deutlich häufiger Erziehern oder Tagesmüttern an als westdeutsche Eltern. Mit dem Geburtenboom der vergangenen zehn Jahre hatten es Familien oft schwer, einen geeigneten Kitaplatz zu bekommen. Inzwischen hat sich einiges getan. Bewerteten ostsächsische Eltern die Kitaplatz-Situation vor sieben Jahren noch mit einer Gesamtnote von 3,4, vergeben sie heute im Schnitt eine 3,1. Sachsenweit beurteilen Eltern das Angebot mit 3,2. Große Sprünge nach vorn hat vor allem Dresden gemacht, gefolgt vom Landkreis Mittelsachsen.

Es gibt aber auch Landkreise, in denen Familien unzufriedener sind als früher. Dazu gehören die Kreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen. Seit der letzten Befragung haben Sachsens Kommunen Millionen investiert, um Plätze zu schaffen. Von 2013 zu 2019 sind mehr als 50.000 zusätzlich entstanden. Die Zahl der betreuten Kinder stieg im selben Zeitraum um etwa 42.000. Knapp die Hälfte der Familien lässt ihre Kinder neun Stunden am Tag betreuen. Rund 95 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen besucht derzeit eine Kita.

Zufriedener 2: Schulwege sind gefühlt sicherer geworden.

Etwas besser beurteilen die ostsächsischen Familien heute auch die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg, wenngleich es am Ende nur für die Note 3,5 reicht, was auch dem sächsischen Durchschnitt entspricht (2013: 3,8). Insbesondere mit dem Fahrrad wollen viele Eltern ihre Kinder nur ungern zum Unterricht schicken. Gleichzeitig wird häufig der Wunsch nach mehr Investitionen in Radwege geäußert.

Unzufriedener 1: Sachsen warten zu lange auf einen Arzttermin.

Das Angebot an Hausärzten wird gut bewertet. Stärker als vor sieben Jahren kritisieren die Familien jedoch, dass man viel Geduld braucht, bis man einen Arzttermin erhält. Bei dieser Frage schneiden alle Kreise schlechter ab. Am kritischsten wird das Problem in Görlitz gesehen (2020: 3,7; 2013: 3,1). Insgesamt wurde die Note 3,4 vergeben. "In einigen Landesteilen sind ausreichend Ärzte vorhanden, in manchen leider nicht", sagt Knut Köhler, Sprecher Landesärztekammer Sachsen. Um für die weniger gut versorgten Regionen Mediziner zu gewinnen, wurden Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu gehören Stipendien für Medizinstudenten, die sich verpflichten, später im ländlichen Raum zu praktizieren. "Dennoch gibt es noch Lücken, vor allem in Ostsachsen oder im Chemnitzer Raum", sagt Köhler. Im europaweiten Vergleich bekämen Patienten in Deutschland aber sehr viel schneller einen Arzttermin als anderswo.

Seit 2014 gibt es den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) - eine Servicestelle, bei der sich Patienten einen dringenden Haus- oder Facharzttermin vermitteln lassen können. Dafür müssen sie allerdings Anfahrtswege von 30 bis 60 Minuten in Kauf nehmen. Die Terminvergabe werde gut genutzt, heißt es bei der KVS. Deshalb sei die Vermittlung zuletzt um Kinderärzte und Psychotherapeuten erweitert worden. Darüber hinaus wird aktuell der Bereitschaftsdienst reformiert. Zu den 23 bestehenden Praxen, die außerhalb der üblichen Sprechzeiten geöffnet haben, kommen 15 weitere dazu, darunter ein HNO-Arzt in Chemnitz.

Unzufriedener 2: Eltern kritisieren hohe Elternbeiträge.

Ziemlich unzufrieden sind die Familien auch mit der Höhe der Elternbeiträge, und zwar über alle Kreise hinweg. Hier steht für ganz Sachsen die Note 3,2. Am schlechtesten kommen die Beitragshöhen in den Kreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen weg, am besten in Mittelsachsen und Görlitz. Am teuersten ist es nach einer Auswertung des Kultusministeriums in Tharandt. Für eine ganztägige Betreuung in der Kita wurden dort 2019 fast 166 Euro pro Monat fällig. Dresden ist mit 156 Euro nicht weit entfernt. Leipzig ordnet sich mit 130 Euro im Mittelfeld ein, während der Kitaplatz in Chemnitz mit rund 117 Euro günstiger und in Lauwalde bei Löbau mit 82 Euro am günstigsten ist. Höhere Personalkosten durch verbesserte Betreuungsschlüssel und höhere Gehälter sind zwei Gründe für die Beitragsanhebungen in den vergangenen Jahren. (sz)

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