Motorisierter Protest: Bauern demonstrieren in Dresden

Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus: Die Bauernproteste in Dresden sind am Freitag vergleichsweise entspannt abgelaufen. In der Politik gibt es Verständnis für das Anliegen der Landwirte.

Dresden. In Dresden haben am Freitag zahlreiche Landwirte gegen neue Düngevorschriften und für faire Lebensmittelpreise demonstriert. Etwa 1000 Traktoren seien in der Stadt unterwegs gewesen, sagte Mitorganisator Hagen Stark von der Vereinigung "Land schafft Verbindung". Am frühen Morgen waren Traktoren von vier Sammelpunkten aus in Richtung der Staatskanzlei aufgebrochen, wie die Polizei in der Landeshauptstadt mitteilte.

An dem Protest in Dresden beteiligten sich nach Angaben von Hagen Stark etwa 2000 Landwirte - überwiegend aus Sachsen. Verkehrsbehinderungen habe es weder in der Frühe noch am Mittag gegeben, meldete die Polizei Dresden.

Die CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag äußerte Verständnis für das Anliegen der Bauern. "Ich lehne es ab, dass bei Umweltproblemen immer wieder den Landwirten pauschal der Schwarze Peter zugeschoben wird", erklärte der stellvertretende CDU-Fraktionschef Georg-Ludwig von Breitenbuch, der selbst Landwirt ist. Die Forderung der Bauern nach Anerkennung und stärkerer Beteiligung an politischen Entscheidungen seien mehr als berechtigt: "Unsere Landwirtschaftspolitik muss praxisnah und auf den Höfen verständlich sein." Statt "grüner Ideologie und Bevormundung von fern" müsse wieder fachliche und wissenschaftliche Kompetenz das politische Handeln bestimmen.

Ähnlich äußerte sich der Chef des CDU-Arbeitskreises Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Andreas Heinz: "Ich unterstütze die Bauernproteste uneingeschränkt. Damit werden nicht nur die politischen Verantwortungsträger, die vor allem in Berlin sitzen, auf die tatsächlichen Probleme der Landwirte aufmerksam." Auch viele Sachsen hätten in den vergangenen Jahrzehnten an Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte verloren: "Unsere Aufgabe ist es, Landwirtschaft und Gesellschaft wieder zusammenführen." Den Leuten müsse wieder klar werden, dass Bauern hochwertige Lebensmittel produzierten und auch Umwelt- und Naturschützer seien.

Mitorganisator Hagen Stark sagte auf der Kundgebung, man sei inzwischen sachsenweit in der Bauernschaft vernetzt. Es gebe zwar noch ein paar weiße Flecken, aber das kriege man auch noch hin. Stark zeigte sich enttäuscht, dass Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther nicht zur Kundgebung kamen. Da seien Termine vorgegaukelt worden. "Ich denke, das wäre möglich gewesen, wenn man es gewollt hätte", sagte Stark.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erschien dafür auf der Bühne. Er habe kurzfristig entschieden, zu kommen. Es könne nicht sein, dass niemand von der Staatsregierung da ist. Dulig versprach, die Staatsregierung werde mit der Bewegung im Gespräch bleiben. "Sie werden offene Türen finden." (dpa/jdf)

8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    3
    christophdoerffel
    17.01.2020

    An den Preisen sind die Bauern aber nicht unschuldig. Ihre Verbände und Lobbyorganisationen machen sich für eine Politik stark, die sämtliche Quoten aufhebt und mit Mengen- und Flächensubventionen eine Überproduktion fördert.

    Das bei einem Überangebot sinken halt die Preise.

    Im Endeffekt ist ein weiteres Höfesterben und ein grundlegender Strukturwandel nicht zu verhindern. Die Agrarsubventionen haben den viel zu lange verhindert.

  • 5
    2
    ChWtr
    17.01.2020

    Ich gebe zu, dass ich es mir leiste resp. leisten kann, beim regionalen Erzeuger einzukaufen. Nicht üppig (!), dafür mit bedacht. Im Sommer gibt mein Grundstück, die Terrasse und selbst der Balkon auch noch was bezügl. Anbau her (...)

    Ich sehe ebenfalls, dass für meine Begriffe von der Politik zu zögerlich gehandelt wird. Gänzliche Untätigkeit werfe ich Julia Glöckner jedoch nicht vor. Die Wertschätzung für die Landwirte nehme ich ihr ab. Nur mit der Umsetzung in einigen Bereichen hapert es noch. Auch Dank EU Restriktionen.

    Eigentlich haben wir doch eine komfortable Situation. Können im Forum rummosern und zetern, was das Zeuch hält und bis einem die Decke auf den Kopp fällt. Dann ist hoffentlich Schicht im Schacht.

    Wer Verantwortung trägt oder getragen hat, kann sich in etwa vorstellen, was sich abspielt in solchen "Gremien". Den Stab über jeden und alles lässt sich immer schnell brechen. Dafür hat man ja hier die (digitale) Anonymität.

    Besser machen statt mosern, da sieht es meistens mau aus. Machmal sogar ganz zappenduster, dann so richtig mau mau (...)

    Und, es ist wichtig, was die Bauern heute in DE (wieder) gemacht haben. Meinen Respekt verdient dieser Berufsstand schon je her.

  • 9
    1
    franzudo2013
    17.01.2020

    Die Politik kann noch nicht mal durchsetzen, dass auf den Lebensmitteln der tatsächliche Herstellungsort steht.
    Welchen Druck sollen dann die auf die Handelsketten ausüben?
    Auf der anderen Seite könnte die Politik es den regionalen Landwirten leichter machen. Macht sie aber nicht. Die Politik vertritt die Buerokratie und die Lobbyisten.

  • 10
    3
    CPärchen
    17.01.2020

    @Suzuki:
    Ja... und er ist von den Grünen :D

  • 11
    1
    suzuki
    17.01.2020

    Herr Kretschmer hat wohl eingesehen, dass er mit seinen üblichen Sonntagsreden hier nicht punkten kann. Und Sachsen hat einen Landwirtschaftsminister?

  • 15
    2
    ChWtr
    17.01.2020

    Das hast du völlig recht, @Lexi.

    Aber wie viele Staatsregierungen und wie viele Discounter gibt es in DE?

    Man erhofft sich politischen Druck auf Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

    Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist für alle Produzenten, die ihre Waren in den Discounter- und Supermarktketten verkaufen, der härteste der Welt. Und dieser nutzt seine Macht fast ausschließlich dafür, seinen Kunden die niedrigstmöglichen Preise anzubieten. Die Menschen incl. ihrer Lieferkette und deren Arbeitssituation sind dagegen unwichtig.


    Ich stehe auf der Seite der Bauern und unterstütze sie seit Längerem, indem ich direkt beim Erzeuger einkaufe.

    https://www.freiepresse.de/chemnitz/warum-diese-landwirtin-gegen-die-grosse-politik-protestiert-artikel10703950

  • 16
    0
    CPärchen
    17.01.2020

    Und die Leute kaufen es.

    Es ist nicht so, dass ein höheres Entgelt für Joghurt automatisch an die Bauern geht. Das kassiert auch gerne die Molkerei für sich.

  • 19
    2
    Lexisdark
    17.01.2020

    Faire Lebensmittelpreise sind zu begrüßen. Wann wird dann mal seitens der Bauern bei Aldi, Lidl und Co. protestiert? Die machen die Preise...



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