Berufungsprozess zu Überfall auf Ausländer hat begonnen

Mitglieder von "Revolution Chemnitz" gaben sich 2018 als selbsternannte Bürgerwehr aus

Im Berufungsprozess gegen sechs mutmaßliche Mitläufer der rechtsextremen Terrorvereinigung «Revolution Chemnitz» hat am Montag einer der Angeklagten zu den Vorwürfen ausgesagt. Er räumte ein, an dem Überfall auf der Schlossteichinsel Mitte September 2018 beteiligt gewesen zu sein. Er habe sich daran gestört, dass eine Gruppe von Ausländern Lärm gemacht und Müll herumgeworfen habe, sagte der 26-Jährige vor dem Landgericht Chemnitz. Daraufhin habe er mit seinen Begleitern und weiteren Beteiligten, die er aber nicht kenne, diese Gruppe eingekreist. «Dann war nur noch Gebrülle.» Daran, was genau gerufen wurde, wollte er sich nicht mehr erinnern können.

Das Amtsgericht Chemnitz hatte die sechs Männer wegen Landfriedensbruchs zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr verurteilt. Eine Bewährung sei nicht infrage gekommen, weil das Gericht nicht gewillt sei, dass wieder Angst und Schrecken verbreitet würden, hieß es zur Begründung. Demnach hatten die Männer sich nach einer Demonstration der rechtsextremen Vereinigung «Pro Chemnitz» in dem Park als Bürgerwehr ausgegeben und Besucher kontrolliert. Dabei wurde nicht nur eine Geburtstagsfeier von Jugendlichen gestört, sondern auch eine Gruppe Ausländer bedrängt, die dort grillte. Dabei kam es auch zu Flaschenwürfen, wodurch ein Zeuge eine Platzwunde am Kopf erlitt.

Gegen das Urteil haben sowohl Anklage als auch Verteidigung Berufung eingelegt, so dass sich nun das Landgericht mit dem Fall beschäftigen muss. Dazu sind weitere Verhandlungstage bis Mitte Dezember vorgesehen. (dpa)

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