Neuer Besucherrekord in Sachsens Schlössern und Parks

Im Jahrhundertsommer 2018 haben die historischen Prachtbauten ein unerwartetes Ergebnis erzielt. Allerdings gilt das nicht für alle Häuser.

Dresden.

"2018 war das beste Jahr, das wir je hatten", kommentiert Geschäftsführer Christian Striefler die Bilanz der ihm unterstellten 21 staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens. Mit mehr als 2,12 Millionen Gästen sei ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber 2017 erreicht worden. Nicht in dieser Bilanz enthalten sind die eigenständigen Schlossbetriebe Königstein und Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde, die zusammen auf weitere knapp 800.000 Gäste gekommen sind. Während Königstein auf vier Prozent Zuwachs verweisen kann, gab es in den drei Staatsschlössern an der Zschopau einen deutlichen Rückgang: um 25.000 Besucher.

Tatsächlich liegen die Gesamtzahlen im Freistaat um mehrere Millionen höher, da es für einige Anlagen, wie Zwinger, Park Moritzburg und den Großen Garten in Dresden, durch den kostenfreien Zutritt nur Schätzungen gibt. Die zahlenden Gäste trugen dazu bei, dass die Schlösser 2018 Gesamtumsätze von gut 10,5 Millionen Euro erzielten - fast 8,5 Prozent mehr als 2017. Dem gegenüber standen Personalaufwendungen von 11,7 Millionen und Materialausgaben von 2,9 Millionen Euro. Die Kosten für Sanierung und Bauunterhalt trägt für alle Objekte ausschließlich der Freistaat.

Sorgenkinder sind vor allem die Anlagen im Muldental. Die Burg Mildenstein in Leisnig (Mittelsachsen) steht dabei ganz oben an: mit einem Rückgang von fast 6000 Besuchern. Schloss Nossen und Klosterpark Altzella (Landkreis Meißen) hatten zusammen reichlich 3500 Gäste weniger. Bei Schloss Rochlitz lag das Minus bei verkraftbaren 1000 Gästen. Aber auch so renommierte Objekte wie die Albrechtsburg in Meißen hoch über der Elbe zählte 20.000 Schaulustige weniger. Durch den Barockgarten Großsedlitz wandelten fast 6000 Gäste weniger. Geschäftsführer Striefler sieht als Hauptgrund die dezentralere Lage. 60 Prozent aller Besucher seien 2018 in Dresdner Einrichtungen gekommen. Es sei mit dem bisherigen Marketing nicht gelungen, in bemerkenswerter Zahl Besucher zum Beispiel aus Leipzig auf Mildenstein zu locken. Der seit sechs Jahren unter seiner Regie laufende Staatsbetrieb vermarktet neben den eignen 21 Einrichtungen weitere 30 in anderer Trägerschaft.

Renner 2018 war die Sonderausstellung "Bombensicher" auf Schloss Weesenstein, die die Burg als Kunstversteck der Nazis in den letzten Kriegsjahren und den Umbruch 1945 zum Inhalt hatte. Mehr als 66.000 Interessenten und damit ein Viertel mehr als 2017 ließen sich davon in den Bann ziehen. Den Nerv von fast 50.000 Interessenten traft auch die Ausstellung "Macht euern Dreck alleene!" in Pillnitz über das Schicksal des letzten sächsischen Königs. Das Schloss vor den Toren Dresdens schaffte es mit fast 450.000 Besuchern zugleich auf Platz 1 unter Strieflers Schlössern. Nur die eigenständige Festung Königstein konnte das Resultat mit 497.000 überbieten.

Umfangreiches Baugeschehen dominiert in diesem Jahr etliche Schlossanlagen. Zwölf Millionen Euro werden bis 2020 in den Dresdner Zwinger fließen, wo die Bogengalerie unter dem Marmorsaal so hergerichtet wird, dass Besucher hier künftig "bei einem deutschlandweit einmaligen multimedialen Erlebnis etwas über das vielleicht bekannteste Gebäude Sachsens" erfahren, verspricht der Schlosschef. Bis zu sechs Millionen Gäste flanierten jährlich durch den Zwinger, ohne etwas über seine Bedeutung und Nutzungsgeschichte zu erfahren. Das solle sich ab 2020 ändern. Eine ebenso gewaltige Baustelle ist derzeit die weniger bekannte Festung Dresden unter der Brühlschen Terrasse. Sie gilt als ältester Teil der Landeshauptstadt und soll ab Herbst unter neuem Label "Feste. Dramen. Katastrophen" eine Zeitreise durch die Geschichte bieten. Der Schlossbetrieb verspricht "das innovativste museale Objekt in Sachsen".

Veranstaltungen gibt es 2019 am Fließband. Auf dem leeren Schloss Hubertusburg (Nordsachsen), dem größten Jagdschloss Europas, werden in sechs Räumen zusammen mit den Staatlichen Kunstsammlungen virtuelle Ausstellungen vorbereitet. Anlass ist das 300. Jubiläum der Fürstenhochzeit Friedrich August II. mit Österreichs Kaisertochter Maria Josepha. Auf Schloss Rochlitz erwartet die Besucher eine Sonderschau mit Staatsgeschenken aus den vergangenen 30 Jahren, die aus dem Depot der sächsischen Staatskanzlei kommen. Striefler betont, dass Ausstellungen möglichst einen Bezug zum jeweiligen Schloss haben sollten, auch wenn er wie bei Aschenbrödel in Moritzburg etwas weit her geholt sei. Von anders gerichteten Bestrebungen rät er ab.

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