Rathenow zu Stasi-Archiv: Wahl des Standorts vorschnell

Dresden (dpa/sn) - Der sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, hat die Wahl Leipzigs als Archivstandort für Stasi-Unterlagen kritisiert. «Die vorschnelle Fokussierung auf Leipzig als Archivstandort, ohne Chemnitz und Dresden geprüft zu haben, finde ich falsch», teilte er am Freitag in Dresden mit. In Sachsen werde es die in Berlin vorgesehene Bündelung von Überlieferungen nicht geben. In Chemnitz und Dresden würden die Überlieferungszusammenhänge auseinandergerissen und damit die Recherchemöglichkeiten verschlechtert.

Rathenow plädierte hingegen für Chemnitz als Standort. Dort gäbe es noch Defizite in der Auseinandersetzung mit dem Thema Stasi. Die herausragende Bedeutung von Sachsen spreche aber auch für zwei Standorte.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und der Chef des Bundesarchivs, Michael Hollmann, hatten ein Konzept zum weiteren Umgang mit den Millionen geretteten Stasi-Dokumenten vorgestellt, über das nun der Bundestag entscheiden muss. Für die Stasi-Akten, Filme, Fotos und Tonaufzeichnungen soll demnach künftig das Bundesarchiv verantwortlich sein. Es gilt als Kernstück der Behörde. Das Konzept sieht außerdem vor, dass es in den ostdeutschen Bundesländern je einen Archivstandort geben soll, an dem die Akten fachgerecht aufbewahrt werden können.

In dem Konzept scheine es, als ob die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für jeden Außenstellenstandort eine Machbarkeitsstudie vorlegen würde, so Rathenow. Mit keiner Silbe werde dabei erwähnt, dass sie nur einen Standort pro Bundesland prüfe und dass die Frage, welcher Standort als künftiger Archivstandort geprüft werde, bereits entschieden sei. In Sachsen sei dies Leipzig.

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