Rechte Parolen am Himmelfahrtstag

Mit dem Bollerwagen feiernd durch die Gegend ziehen - das haben am Himmelfahrtstag viel weniger Männer als sonst gemacht. Dafür fielen etliche am Herrentag mit rechten Parolen auf.

Dresden/Leipzig (dpa/sn) - Der Himmelfahrtstag ist in Sachsen nach Einschätzung der Polizei unter Corona-Bedingungen ruhiger verlaufen als in den Vorjahren. Allerdings berichteten die Polizeidirektionen von etlichen Vorfällen mit rechtem Hintergrund. Sie reichten von «Sieg Heil»-Rufen bis zu einem Angriff einer größeren Gruppe mutmaßlicher Rechtsextremer auf die Polizei. Aber auch zu den typischen Herrentagseinsätzen wegen Ruhestörung oder Prügeleien musste die Polizei ausrücken.

In der Sächsischen Schweiz wurden Beamte am Donnerstagabend von mutmaßlichen Rechtsextremen mit Latten und Rohren bedroht und mit Gläsern beworfen. Die Einsatzkräfte waren wegen Ruhestörung gerufen worden, die von einer Party im Königsteiner Ortsteil Pfaffendorf ausging, teilte die Polizeidirektion Dresden am Freitag mit. Als die Beamten eintrafen, seien sie unvermittelt attackiert worden. 30 deutsche Staatsbürger seien vorläufig festgenommen worden. Mehrere von ihnen seien bereits wegen rechtsmotivierter Straftaten bekannt.

Ebenfalls in der Sächsischen Schweiz, an der Bastei, rief eine Gruppe von fünf Männern laut Polizei einem jüdischen Ehepaar «Sieg Heil» entgegen. Das Quintett wurde in Rathen gestellt. Gegen die Männer wird wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. In Dresden wurde eine Gruppe von zehn Männern im Alter von 17 bis 20 Jahren gestellt, nachdem diese ebenfalls mit dem Ruf aufgefallen waren.

Die Leipziger Polizei bilanzierte am Freitag weniger Einsätze am Männertag als in den Vorjahren. «Augenscheinlich waren auch weniger Personen in diesem Kontext unterwegs», teilte die Polizei mit. Auch in Leipzig wurden allerdings «Sieg Heil»-Rufer gestellt. Gegen die sieben sei deswegen Anzeige gestellt worden, hieß es. Zudem seien an Himmelfahrt mindestens 14 Anzeigen wegen Körperverletzungen eingegangen.

Vor einem Café an der Talsperre Pöhl im Vogtlandkreis gerieten zwei Gruppen von Feiernden aneinander. Der Streit gipfelte laut Polizei in einer Schlägerei, bei der mehrere Männer verletzt wurden. Die Gruppe, die den Streit angefangen haben soll, zog anschließend weiter und traf erneut auf mehrere Männer. Wieder kam es zu Handgreiflichkeiten. Eintreffende Polizisten seien ebenfalls sofort von der ersten Gruppe angegriffen worden. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und nahmen drei Männer vorläufig fest. Vier Polizisten erlitten den Angaben zufolge leichte Verletzungen, konnten aber weiterarbeiten.


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20Kommentare
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  • 4
    2
    Freigeist14
    24.05.2020

    So wie sich klapa@ hier ins Zeug legt und der Relativierung Schwung verleiht : Man könnte glatt vergessen ,daß der Beitrag von rechtextremen Parolen zu Himmelfahrt handelt .

  • 2
    1
    MuellerF
    24.05.2020

    @tbaukhage: Könnten Sie bitte noch mal erklären, was genau Sie meinten?

  • 1
    3
    klapa
    24.05.2020

    Danke für die Erklärung, tbaukhage - whataboutism. Es war nicht ganz ernst gemeint.

    Sie als Englishlehrerin vermute ich, wird es interessieren, vielleicht renne ich auch offene Türen ein, dass dieser Ausdruck weder im AOLD noch bei Webster oder einigen anderen einschlägigen refrence books geläufig ist. Im dictionary.com ist es allerdings enthalten. Kleine Abschweifung.

    Ja, Filbinger gehört auch dazu. Und zu den von Ihnen zitierten Konsorten gehört u.a. auch Globke, Mitverfasser und Kommentator der Nürnberger Rassengesetze.

    Dass man das Wissen und die Fähigkeiten der 'Ehemaligen' später nutzte, war übrigens auch in der DDR üblich. Denken Sie an Generalfeldmarschall Paulus, der am Aufbau der Kasernierten Volkspolizei, Vorgänger der DDR-Volksarmee, in Dresden mitwirkte.

  • 2
    3
    Hinterfragt
    24.05.2020

    Nun @tbaukhage; bei Ihnen beginnt also dieser Staat also erst so ab 1990?
    Aber eben nur wenn man dadurch die RAF ausklammern kann ...
    Man kann die typische Indoktrination erkennen, denn am anderen Spektrum werden auch durch Sie ständig demokratische gewählte Parteien mit dem 3. Reich der NSDAP usw. zusammengebracht.

  • 3
    1
    MuellerF
    24.05.2020

    "Können wir uns dahingehend einigen, dass Sie tbaukhage befragen, was sie gemeint hat?"

    Ja sicher.

  • 3
    1
    tbaukhage
    24.05.2020

    @klapa: Gut, dass jetzt geklärt ist, was "dieser Staat" bedeutet. Demnach gehören auch Filbinger und Konsorten dazu...

    Falls jemand des Englischen (oder der Nutzung einer Suchmaschine) nicht mächtig ist: "Whataboutism" ist die Technik oder Praxis, auf eine Anschuldigung oder eine schwierige Frage mit einer Gegenfrage zu antworten oder ein anderes Thema aufzugreifen.

  • 0
    2
    klapa
    24.05.2020

    Das wiederum ist für mich eine Frage der Interpretation, die jeder aus seiner Sicht findet und die man auch ganz schlecht angreifen kann, sofern sie auf Fakten beruht und nicht auf Unterstellungen, Fiktionen und Annahmen. Ich vermeide hier bewusst einen derzeit inflationistischen Begriff. Es ist einfach so, dass Menschen hinsichtlich bestimmter Auffasssungen unterscheidliche Standpunkte formulieren. Und das müssen Demokraten auch aushalten können.

    Können wir uns dahingehend einigen, dass Sie tbaukhage befragen, was sie gemeint hat?

  • 3
    1
    MuellerF
    24.05.2020

    "die neuen Bundesländer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR existierten zum Zeitpunkt des Beitritts überhaupt noch nicht."

    Okay, das ist korrekt. Trotzdem trat ja das Ex-Staatsgebiet der DDR samt Einwohnern dem Geltungsbereich des GG bei - und das war mMn gemeint.

  • 3
    1
    klapa
    24.05.2020

    'Die Begriffe Wiedervereinigung oder Vereinigung sind dabei historisch ungenau, da nur ein Beitritt der auf dem Staatsgebiet der DDR neu gebildeten Bundesländer zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 GG alter Fassung erfolgte, wobei der Beitrittsvertrag jedoch von der Regierung der DDR ausgehandelt wurde und die Länder in der DDR noch keine demokratisch legitimierten (Landes-)Regierungen besaßen, da die Landtage erst nach dem Vollzug des Beitritts gewählt wurden.' - Wikipedia

    Um es deutlicher zu sagen, MuellerF, die neuen Bundesländer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR existierten zum Zeitpunkt des Beitritts überhaupt noch nicht.

  • 3
    1
    MuellerF
    24.05.2020

    @klapa & Malleo: Ich hatte "dieser Staat" so verstanden, dass sich das auf die Wiedervereinigung bezog. Vorher waren die Neubundesländer ja noch ein anderer Staat (DDR), danach wieder 1 gemeinsamer mit Westdeutschland.

  • 4
    2
    Malleo
    24.05.2020

    Klapa
    Richtig!
    Für die Altbundesbürger änderte sich nur die Postleitzahl!

  • 4
    2
    klapa
    24.05.2020

    Darf ich Ihre historische Sicht korrigieren, tbaukhage. 'Dieser Staat' beginnt nicht um 1990.

    Nach der Wende gab es weder einen neuen deutschen Staat, noch ein neues Grundgesetz bzw. eine neue Verfassung, keine neue Staatsflagge, keine neue Hymne und kein neues Staatsvolk. Aus DDR-Bürgern wurden über Nacht ganz einfach BRD-Bürger nach Beitritts-§23 GG (alte Fassung). Erinnern Sie sich?

    Auch der Polizistenmörder Mielke mit seinen gesamten Schandtaten wurde BRD-Bürger und erstmals zur Rechenschaft gezogen und verurteilt. Und dass man ihn als Linken bezeichnen muss, darüber dürfte es kaum Zweifel geben.

    Die BRD bestand nach 1990 fort, wie sie seit dem September 1949 bestanden hat.

  • 4
    4
    Hinterfragt
    23.05.2020

    @tbaukhage, komisch, dass noch immer nach RAF Mitgliedern gesucht wird...

    Und der abgefackelte Baukran in Leipzig ist nur durch einen Zufall nicht in ein Mehrfamilienhaus gestützt.

  • 3
    6
    tbaukhage
    23.05.2020

    @Hinterfragt: Einfach bei klapa nochmal lesen: Er/sie sprach von "diesem Staat". Und "dieser Staat" beginnt bei mir ca. um 1990... (also nix RAF (oder Mielke)).

  • 7
    6
    Hinterfragt
    23.05.2020

    @tbaukhage; na, na!
    Als Lehrerin sollte man schon die Geschichte vollständig beachten und nicht z.B. die RAF weglassen ...

  • 8
    6
    klapa
    23.05.2020

    what.. was - mit mir darf man deutsch reden.

    Mielke und Konsorten waren auch Linke - sind ihre Opfer schon vergessen?

    Hier geht es nicht um Gegenrechnung, sondern um die Tatsache, dass ein Demokrat etwas gegen jede Art von physischer und verbaler Gewalt haben sollte.

    Im übrigen dürfen Höflichkeitsformen auch im Forum eingehalten werden?

  • 6
    11
    tbaukhage
    23.05.2020

    @Klapa: Ja, rechte Gewalt ist in diesem Staat VIEL schlimmer!
    Oder wolltest Du mit Deinem "Whataboutism" sagen, dass die Toten der rechte Gewalt (Solingen, Halle, Lübke, Hanau, ...) mit dem Abfackeln von PKW oder beschmierten Häusewänden gegenzurechnen sind?

  • 5
    13
    Distelblüte
    23.05.2020

    Ach klapa, was wären Sie nur ohne den andauernden Whataboutism. Sprachlos, vermutlich.

  • 10
    9
    klapa
    23.05.2020

    ... genau so wie die Abfackelung der Pkws und die Beschmierung von Häuserwänden von Andersdenkenden durch Linksextremisten. Aber die zählen ja nicht als Gewalttäter, weil rechte Gewalt in diesem Staat viel schlimmer ist.

  • 6
    11
    Distelblüte
    23.05.2020

    Keine Sorge. Das sind nur Einzelfälle.