Rechtsextreme Partei buhlt um Gunst der Kinder

Der "III. Weg" hat in zwei Jahren die Mitgliederzahl in Sachsen verdoppelt. In Plauen geben die Neonazis Hausaufgabenhilfe und Selbstverteidigungskurse.

Dresden/Plauen.

Die rechtsextreme Splitterpartei "III. Weg" zählt in Sachsen inzwischen 125 Mitglieder und hat vier Stützpunkte. Das geht aus Antworten der Staatsregierung auf eine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz hervor. Zahlenmäßig seien das keine Massen, sagt Köditz, doch sei der Gruppe binnen zweier Jahre eine Verdopplung gelungen. Im Jahr 2018 trat der "III. Weg" sachsenweit mit 72 Aktionen in Erscheinung. Offenbar entwickele sich die Partei "zum aktivistischen Vorturner für die rechte Szene", so Köditz.

Die Schwerpunktregionen lagen in Plauen, Zwickau und Chemnitz. In Plauen, wo der "III. Weg" ein Büro betreibt, folgt die Partei inzwischen einer Strategie, die einst von der NPD etabliert wurde: Sie bringt sich als sozialer Kümmerer in Stellung. Im Winter 2017/2018 startete der "III. Weg" eine "Winterhilfe für Deutsche", begrifflich orientiert am "Winterhilfswerk" der Nazi-Zeit. Sachsens Verfassungsschutzpräsident Gordian Meyer-Plath hatte damals vor zu sorglosem Umgang mit dem Phänomen gewarnt: "Spielzeug verteilen ist eben nicht harmlos, wenn man sieht, was so in deren Broschüre steht." Anfang dieses Monats gründete der "III. Weg" in Plauen eine "Arbeitsgruppe Jugend", die darauf abzielt, Nachwuchs zu gewinnen. Zu Angeboten gehören kostenlose Selbstverteidigungskurse für Kinder sowie Hausaufgabenhilfe. Als Erfolg pries die Partei im Januar die Wahl eines von ihr unterstützten Kandidaten in den Zwickauer Jugendbeirat. Dass die Partei bei ihrer Nachwuchsakquise Kinder und Jugendliche ins Visier nehme, halte sie für bedenklich, sagt Köditz.

Örtliche Initiativen, die gegen Aufmärsche der Partei in aller Regel trommeln, sahen sich bislang nicht in der Lage, sozial bemäntelten Aktionen des "III. Weges" Wind aus den Segeln zu nehmen. "Wahrscheinlich hat es mit einem Vakuum zu tun, in das die Partei vorstößt", sagt Kai Bitzer. Zwar könne er die Situation im Vogtland nur bedingt beurteilen, räumt der Ratsherr aus Olpe in Nordrhein-Westfalen ein. Dafür gilt Bitzer aber als Entwickler origineller Ideen im Umgang mit den Rechtsextremisten. Als der "III. Weg" vor Jahren mit einer Postkarten-Aktion Druck auf von ihm als Befürworter der Flüchtlingspolitik ausgemachte politische Gegner ausübte, gehörte Bitzer - wie auch Ratsabgeordnete in Plauen und Zwickau sowie die dortigen Redaktionen der "Freien Presse" -zu den Adressaten der Karten. Unter dem Motto: "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" verschickte die Partei Gutscheine zur Ausreise nach Afrika. Die eigentliche Botschaft lag im Versenden an auch private Adressen, was implizierte: Wir wissen, wo Ihr wohnt! Strafrechtlich war die Aktion nicht zu belangen, Kai Bitzer verklagte die Partei nach Zivilrecht. Er pochte auf Einhaltung des Versprechens, forderte den Urlaubsgutschein ein, was bundesweit Aufsehen erregte. In letzter Instanz habe er die Klage zurückgezogen, da ihm die Gefahr zu groß schien, bei gerichtlichem Scheitern die rechtsextreme Partei "alimentieren" zu müssen, so Bitzer. Was das Problem im Vogtland betrifft, grübelt er: "Bei uns würden die mit der Brot-und-Spiele-Nummer keinen Fuß auf die Erde bekommen, weil so was bei uns alles bürgerschaftlich besetzt ist."

Dass beim "III. Weg" keineswegs allesSpiel und Spaß ist, auch das zeigen die Antworten auf die Köditz-Anfrage. Vier Mitglieder der Partei gehörten zuvor inzwischen verbotenen Organisationen an. Als Fahnenträger der Partei schickte sich auch schon Martin H. an, einer der in Untersuchungshaft befindlichen Terrorverdächtigen der Gruppe "Revolution Chemnitz".

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3Kommentare
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  • 0
    8
    Interessierte
    21.02.2019

    Rechte Kinder , das ist sehr schlecht , aber hat denn die Frau Köditz hier immer Recht ?
    Das ist sicherlich kein schöne Job , wenn man sich Tag für Tag mit solchen Menschengruppen beschäftigen muß und das dann auch noch mit nachhause nehmen muß , da wird man sicherlich auch ´irre`..... das ist wie beim Psychologen ;-)

  • 6
    3
    Distelblüte
    21.02.2019

    Kein Widerspruch von rechts. Zu dünnes Eis?

  • 9
    3
    DTRFC2005
    21.02.2019

    Kinder und Jugendliche sind ja bekanntlich leichter beeinflussbar, vor allem wenn Eltern mental ihre Kindern bei Hausaufgaben usw. im Regen stehen lassen und die Erziehung ihres Nachwuchses auf andere abstellen.



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