Ringen um Bahnstrecken nach Böhmen

Die grenzüberschreitende Verbindung Cranzahl-Vejprty steht nicht mehr im Fahrplan. Derweil kämpfen Enthusiasten weiter für den Lückenschluss Holzhau-Moldava.

Chemnitz.

Zum Wandern oder Radfahren hinüber über den Erzgebirgskamm: Der Wochenendverkehr auf der Bahnstrecke von Chemnitz über Annaberg-Buchholz nach Chomutov/Komotau erfreut sich wachsender Beliebtheit. "Die Fahrgastzahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt", sagt Lutz Mehlhorn, Leiter der Erzgebirgsbahn. Im Durchschnitt waren es zuletzt 108 Fahrgäste am Tag in den vier Triebwagen zwischen dem sächsischen Cranzahl und dem böhmischen Vejprty/Weipert. Ende September endet jedoch der Saisonverkehr auf dem Abschnitt. Und wie es weitergeht, ist unklar.

Bislang funktioniert die Verbindung dank einer Kooperation der Erzgebirgsbahn mit der tschechischen Staatsbahn České dráhy (ČD). Und das freiwillig, ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hatte sich im Jahr 2015 zurückgezogen, seither wird der Abschnitt nicht mehr bestellt.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember kommt es nun auf tschechischer Seite zum Betreiberwechsel: Die bayerische Länderbahn hat die Strecke übernommen. Die hat den Fahrplan bis Ende 2020 bereits veröffentlicht, Saisonverbindungen auf dem Abschnitt Vejprty-Cranzahl wie bisher zwischen April und September sind darin nicht mehr vorgesehen. Länderbahnsprecher Jörg Puchmüller sagt, man schließe eine Fortsetzung der Kooperation mit der Erzgebirgsbahn nicht aus. Der Abschnitt sei jedoch nicht Bestandteil des Verkehrsvertrags.

Erzgebirgsbahnchef Mehlhorn erklärte nach einem Treffen mit dem neuen Partner auf tschechischer Seite: "Wir sind auf einem guten Weg mit der Länderbahn." Es gebe die grundsätzliche Bereitschaft, das Angebot aufrechzuerhalten. Für Mehlhorn wäre ein Aus für die grenzüberschreitende Verbindung ein falsches Signal - gerade nach der Ernennung der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum Weltkuturerbe. "Hier ist auch die Politik gefragt", sagt Mehlhorn. Der VMS indes fühlt sich nicht zuständig und verweist auf die geringe Auslastung von früher nur fünf Fahrgästen pro Zug und eine lange Fahrzeit.

Unterdessen engagieren sich zwei Vereine im Osterzgebirge weiter für die Wiederinbetriebnahme der seit 1945 unterbrochenen Bahnstrecke Freiberg-Most. Mit einem Volksfest in Rechenberg-Bienenmühle wurde am vergangenen Samstag zum zweiten Mal ein symbolischer Lückenschluss für den fehlenden Gleisabschnitt zwischen Holzhau und Moldava gefeiert; Pendelbusse überbrückten die fehlenden acht Kilometer Gleis und brachten die Besucher über die Grenze.

Politiker haben sich inzwischen in Dresden und Prag für das Projekt stark gemacht, das sächsische Wirtschaftsministerium hatte eine Machbarkeitsstudie angekündigt. "Ziel ist es, die Vergabe im Herbst einzuleiten", sagte in dieser Woche eine Ministeriumssprecherin.

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