Sachsen: Grüne überholen AfD und FDP

Den größten Verlust fährt erneut die Linke ein - die aber nach der CDU weiter unangefochten auf Platz 2 steht. Aufschlussreich ist auch ein anderer Vergleich.

Dresden.

Wenn in einem Bundesland mit 4,1 Millionen Menschen die größte Partei knapp 39.000 Mitglieder hat - dann kann das auf gar keinen Fall Sachsen sein. Im Freistaat erreichen nicht einmal alle Parteien zusammen diese Größenordnung. Es handelt sich stattdessen um Rheinland-Pfalz, das sich wegen der identischen Einwohnerzahl und Landesfläche seit jeher für Sachsen als Vergleichsmaßstab anbietet.

Umso deutlicher wird die nach wie vor mangelnde Parteibindung in Ostdeutschland auch im 30. Jahr der deutschen Einheit sichtbar. Der CDU, die in beiden Bundesländern die meisten Mitglieder von allen Parteien hat, gehörten zum Jahresende 2019 nur noch 10.307 Sachsen an. Das ist nur ein Viertel ihrer Stärke in Rheinland-Pfalz, wo sie seit 1991 in der Opposition sitzt - und ein neuer Tiefstwert für Sachsen. Im Freistaat, in dem sie seit 1990 ununterbrochen den Ministerpräsidenten stellt und mit 32,1 Prozent zur Wahl am 1. September trotz deutlicher Verluste auch weiterhin die stärkste Kraft im Landtag ist, hatte sie noch nie weniger Mitglieder. Zwar verzeichnete sie 435 Eintritte - jeder dritte davon erst nach der Landtagswahl. Zugleich kam es aber zu 437 Austritten sowie zu 128 Sterbefällen. 2009 hatten dem sächsischen CDU-Landesverband noch knapp 13.000 Mitglieder angehört, 1999 sogar noch fast 18.000.

Der längerfristige Abwärtstrend hält auch bei der Linken an. Sie konnte 2019 zwar ebenso mehr Eintritte (349) als Austritte (297) verbuchen. Diese fingen jedoch das Minus durch die Sterbefälle (251) nicht auf. Damit verfehlte die Linke das zweite Jahr in Folge die Marke von 8000 Genossen. 1991 hatte die PDS in Sachsen noch 45.000 Mitglieder, die allermeisten davon aus SED-Zeiten. Bis 2006 sank die Zahl auf rund 14.000 Mitglieder, 2007 lag dann erstmals die CDU vorn. Platz 2 für die Linke (Landtagswahlergebnis: 10,4 Prozent) bleibt aber vorerst ungefährdet, folgt die Sozialdemokratie doch erst mit großem Abstand auf Platz 3.

Die SPD, die bereits seit 2014 mit der Union koalierte und Sachsen nun infolge der Landtagswahl (7,7 Prozent) gemeinsam mit CDU und Grünen regiert, verzeichnet 25 Mitglieder weniger als 2018, fährt mit 4906 Genossen aber dennoch den zweithöchsten Wert des vergangenen Jahrzehnts ein. In diesem Zeitraum hatte die SPD freilich zwischenzeitlich auch schon mal 5400 Mitglieder - als das Parteibuch Voraussetzung für die Teilnahme am Mitgliedervotum Anfang 2018 über die Große Koalition im Bund war.

An der jüngsten Befragung des Landesverbandes Ende 2019 über den Vertrag der neuen Kenia-Koalition nahmen 64 Prozent der sächsischen Sozialdemokraten teil, an der parallelen Grünen-Befragung 59 Prozent. Die Öko-Partei (Wahl: 8,6 Prozent), die nun erstmals in Sachsen mitregiert, verzeichnet 740 Mitglieder mehr als Ende 2018. Damit überschritt sie erstmals überhaupt die 2000-Mitglieder-Marke - ein neuer Rekord für Sachsens Grüne, die erst seit 2009 vierstellig sind.

Überflügelt wurde damit sogar die 2013 gegründete AfD, obwohl auch die nunmehr stärkste Oppositionspartei (Wahl: 27,5 Prozent) erheblich hinzugewann. Zu berücksichtigen sind neben den jetzt 2613 AfD-Mitgliedern 166 "Förderer" sowie 75 "Anwärter" auf eine Mitgliedschaft. Mit ihnen würden noch Aufnahmegespräche geführt, weil die AfD ihre Mitglieder "sehr gründlich" auswählt, wie die Partei mitteilte.

In Rheinland-Pfalz verfügen mit AfD (2300) und Linke (1800) zumindest zwei Parteien über weniger Mitglieder als in Sachsen. Im West-Vergleichsland deutlich mehr sind es hingegen nicht nur bei SPD (34.000) und Grünen (4500), sondern auch bei der FDP (4400). Immerhin legten Sachsens Liberale trotz des mit 4,5 Prozent 2019 erneut verfehlten Landtagseinzugs auf 2170 Mitglieder zu - und blieben damit der mitgliederstärkste FDP-Landesverband der ostdeutschen Flächenländer.

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