Schweinepest: Wildschweinbarriere an Grenze zu Polen

Die Zeit drängt. Sachsen will sich so gut wie möglich vor der Schweinepest schützen. Zugleich fühlt sich das Land für den Ernstfall gut gerüstet. Erst im Dezember hatte es eine Großübung gegeben.

Bad Muskau (dpa/sn) - Zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest errichtet Sachsen an der gesamten Grenze zu Polen eine Wildschwein- Barriere. Die vom Kabinett getroffenen Entscheidung soll so schnell wie möglich umgesetzt werden, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag in Bad Muskau mit. Im Nordosten beginnend wird der 128 Kilometer lange Grenzverlauf mit einem Elektrozaun und Abwehrnetzen gesichert. Die Barriere ist zudem mit einem Flatterband versehen. Die Kosten belaufen sich auf rund 250 000 Euro.

«Wir wollen keine Möglichkeit ungenutzt lassen, das Risiko zu verringern», sagte Köpping. Im Zusammenspiel mit weiteren Vorsorgemaßnahmen sollen die Barrieren bewirken, dass sich die gefährliche Tierseuche nicht im Freistaat ausbreitet: «Wir wollen damit auch potenziell bedrohte Landwirtschaftsbetriebe vor einem wirtschaftlichen Schaden bewahren.» Zugleich flankiere man die Vorsorgemaßnahmen in Brandenburg und Polen. Köpping stellte aber auch klar, dass die Barriere keinen hundertprozentige Schutz bietet. Brandenburg hatte schon einen 120 Kilometer langen Zaun errichtet.

Die Ministerin dankte allen betroffenen Grundstücksbesitzern, dass sie den Bau der Barrieren auf ihrem Grund und Boden ermöglichten. «Ich bin dankbar, dass wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in unserem Landkreis zu verhindern», betonte der Görlitzer Landrat Bernd Lange. Aus vielen Gesprächen wisse er, dass die Sorgen und Ängste der Menschen vor Ort groß seien. Es gebe eine reale Gefahr, dass die Seuche nach Sachsen kommt.

Köpping bat die Bevölkerung darum, keine Essensreste beispielsweise an Autobahnraststätten wegzuwerfen. Denn das Virus vermag in nicht gegarten Schweineprodukten teilweise monatelang zu überleben. Schweine können sich über den Verzehr solcher Essensreste infizieren, zum Beispiel wenn sie Reste von Mettbrötchen fressen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Schweinepest immer näher an Deutschland rückt. In Polen fand man die Tierseuche bei einem toten Wildschwein nur zwölf Kilometer von der Grenze entfernt. Für Menschen ist die Seuche ungefährlich. Allerdings dürfte der erste Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein in Deutschland wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Bundesrepublik würde den Status als «seuchenfrei» verlieren, womit Exportstopps für Schweinefleisch etwa nach Asien drohen. Das ist die große Sorge der Bauern, die Schweine halten.

Sollte es dennoch zu einem Ausbruch der Schweinepest kommen, fühlt sich Sachsen gut gerüstet. Denn erst im Dezember 2019 hatte es hier eine seit langem geplante viertägige Großübung zu einem möglichen Ernstfall gegeben. Aus sechs Bundesländern waren Beobachter angereist. «Mehr kann man eigentlich nicht machen», sagte Köpping. Derzeit lasse sich aber beim besten Willen nicht sagen, ob und wann die Schweinepest in Sachsen auftauche.

Landrat Lange verwies darauf, dass in den vergangenen drei Jahren die Abschusszahlen bei Schwarzwild um 30 Prozent erhöht wurden. Das sei richtig so, denn mit jedem getöteten Wildschwein sinke die Gefahr einer Übertragung.


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