Statistik: Jeder dritte junge Sachse armutsgefährdet

Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat, gilt in Deutschland als einkommensarm. Das muss nicht Obdachlosigkeit oder Hunger bedeuten - doch für Betroffene sind viele Dinge nicht so selbstverständlich wie für andere.

Zwickau (dpa/sn) - Über ein Drittel der Sachsen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren gilt laut Statistik als armutsgefährdet. «Während die entsprechende Quote in dieser Altersgruppe 2018 bundesweit bei 25,6 lag, waren es in Sachsen 35,7 Prozent», teilte Linke-Politikerin Sabine Zimmermann am Montag mit. 2005 waren es 30,2 Prozent. Nach dem Mikrozensus lag die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle 2018 im bundesweiten Schnitt bei 1035 Euro für einen Single-Haushalt, in Sachsen waren es 937 Euro. Dabei handelt es sich um das gesamte Nettoeinkommen eines Haushalts inklusive Wohngeld, Kindergeld oder anderer Zuwendungen. Wer weniger als diese Summe im Monat zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet.

Experten verweisen darauf, dass die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen eines sehr heterogene Gruppe ist. In ihr befinden sich auch Studierende und Lehrlinge, die generell ein geringeres Einkommen haben.

«In der erhöhten Armutsgefährdung von Sächsinnen und Sachsen spiegelt sich natürlich das niedrige Lohnniveau des Freistaates wider», erklärte Zimmermann, die als Arbeitsmarkt-Expertin der Linken im Bundestag regelmäßig solche Zahlen abfragt. Es sei völlig kontraproduktiv gewesen, dass der Freistaat jahrelang nicht für gute Arbeit geworben habe, sondern im Gegenteil mit niedrigeren Löhnen. Das müsse die neue Landesregierung korrigieren.

Am höchsten ist das Armutsrisiko bei Menschen, die keinen Job haben. 2018 lag ihr Anteil in Sachsen bei 69,6 Prozent (2005: 57,1 Prozent). Bundesweit waren es 57,4 Prozent.

Insgesamt lebten 16,6 Prozent aller Sachsen mit dem Risiko, von Armut betroffen zu sein. Bundesweit lag Sachsen damit auf dem sechsten Platz. Am stärksten sind die Einwohner von Bremen betroffen - hier ist fast ein Viertel (22,7 Prozent) armutsgefährdet. Vor Sachsen rangieren noch Mecklenburg-Vorpommern (20,9), Sachsen-Anhalt (19,5), Berlin (18,2) und Nordrhein-Westfalen (18,1). Die geringste Risiko, arm zu sein, gibt es in Baden-Württemberg (11,9) und Bayern (11,7). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 15,5 Prozent.

«Damit Arbeit wieder existenzsichernd wird, muss der Mindestlohn auf 12 Euro die Stunde erhöht werden», schlussfolgerte Zimmermann. Eine systematische Beschäftigung zu Niedriglöhnen wie Leiharbeit gelte es abzuschaffen, ebenso die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristungen: «Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht.»

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...