Tag der Pflege: Kritik an Missständen in Branche

Pflegekräfte stehen in der Corona-Krise besonders im Fokus. Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai mehren sich deshalb Forderungen nach einer Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Applaus und ein Dankeschön reichten nicht aus, heißt es.

Dresden (dpa/sn) - Parteien haben zum Internationalen Tag der Pflege am Dienstag ein besseres Arbeitsumfeld und einen höheren Lohn für Pflegekräfte gefordert. Die Linke sieht Betroffene zudem durch die aktuelle Corona-Krise gefährdet: «Was Pflegekräfte derzeit am dringendsten brauchen sind bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Vor allem benötigen sie ausreichend Schutzausrüstung, um sich vor Infektionen zu schützen, statt Einmalartikel notgedrungen wiederzuverwenden», sagte die Zwickauer Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann am Montag in Dresden.

Ende 2017 seien allein in sächsischen Pflegeheimen 41 311 Menschen mit der Betreuung von 43 143 Pflegebedürftigen beschäftigt gewesen. «Weitere 26 774 Menschen sind bei ambulanten Pflegediensten beschäftigt und leisten die ambulante Versorgung für insgesamt 32 810 Pflegebedürftige. Insgesamt sind in Sachsen 127 064 Personen pflegebedürftig.» Zimmermann, Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundestag, berief sich auf Zahlen des Statistischen Landesamtes in Sachsen sowie der Gesundheitsberichterstattung des Bundes.

«Am Tag der Pflege stehen die Pflegekräfte besonders im Blick, zumal in der laufenden Pandemie. Aufmerksamkeit, Applaus und Dank reichen jedoch nicht», sagte sie. Bund und Land müssten deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um die Beschäftigten zu schützen. Die Ausweitung der Höchstarbeitszeiten würden Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftige gefährden, wie Daten aus dem chinesischen Wuhan zeigten. Ohnehin hätten sie wegen Personalmangel schon bisher am Limit gearbeitet. Notwendig sei eine Arbeitszeitverkürzung auf sechs Stunden am Tag.

Laut Statistik lag der Verdienst in der Altenpflege in Deutschland 2018 im Schnitt bei 2645 Euro (brutto) im Monat; in Ostdeutschland waren es 2285 Euro, im Westen 2747 Euro. Viele sind allerdings als Pflegehelfer beschäftigt und kommen nicht auf diese Werte.

Die SPD im Landtag sprach sich dafür aus, die Bürokratie in der Pflege abzubauen. «Um Pflegekräfte im Arbeitsalltag zu entlasten, muss der Abbau von Bürokratie vorangetrieben werden. Pflegerinnen und Pfleger brauchen mehr Zeit für die Menschen und nicht für Formulare. Dokumentation ist für mich kein Kriterium für Qualität», sagte die Abgeordnete Simone Lang. In der Corona-Krise habe sich gezeigt, dass weniger Dokumentation möglich ist und die Pflegekräfte damit verantwortungsvoll umgehen. Die Zeit mit den Menschen sei das Wichtigste, wie die Pandemie jetzt deutlich mache.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.