Tourismus: Erzgebirge und Chemnitz können nicht mithalten

Sachsens Tourismusbranche hat Grund zum Jubeln: Nach Topergebnissen im Vorjahr gab es im ersten Halbjahr erneut enorme Zuwächse bei Gästezahlen und Übernachtungen. Doch nicht alles ist rosig.

Chemnitz.

In den ersten sechs Monaten buchten 3,8 Millionen Gäste rund 9,2 Millionen Übernachtungen in Sachsen. Damit konnte ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2017 verzeichnet werden: bei der Gästeanzahl von 5 und bei den Übernachtungen von 4,2 Prozent. Das Ergebnis übertrifft auch die deutschlandweiten Zahlen: Bundesweit gab es Zuwächse von 4,1 Prozent bei den Gästen und 4 Prozent bei Übernachtungen.

Wie der Direktor des Landestourismusverbandes Sachsen (LTV), Manfred Böhme, gestern sagte, profitierten alle Regionen vom gestiegenen Interesse der Urlauber am Freistaat, allen voran die Großstädte Dresden mit 8,4 Prozent mehr Übernachtungen und Leipzig mit einem Plus von 7,9 Prozent. Einen Rekord erreichte auch die Sächsische Schweiz mit einem Zuwachs von 10,6 Prozent bei den Gästen und 6,9 Prozent bei Übernachtungen. 729.000 Übernachtungen von Januar bis Ende Juni seien zugleich das beste Ergebnis seit Beginn der statistischen Erfassung 1991. "Wir erleben seit fünf Jahren ungebrochenes Wachstum", sagte Verbandsvorsitzender Klaus Brähmig. Dabei profitiere die Nationalparkregion vom Trend zum Wandern, Deutschlandurlaub und sanften Tourismus. Laut Brähmig soll die Sächsische Schweiz "ein Leuchtturm für nachhaltigen Tourismus in Deutschland" werden.

Erfreuliche Steigerungsraten gibt es auch im Sächsischen Elbland und im Vogtland. Hier zahlt sich die verstärkte Zusammenarbeit mit Dresden beziehungsweise dem thüringischen Vogtland offenbar aus. Im Vogtland, das in früheren Jahren vor allem durch Kurkliniken auf Zuwächse kam, ist die Situation 2018 auch ohne die Bilanz der Reha-Einrichtungen erfreulich. Es kamen 5,8 Prozent mehr Gäste, die 4,4 Prozent mehr Übernachtungen buchten.

Die Stadt Chemnitz kam im ersten Halbjahr auf 1,7 Prozent mehr Gäste und 1,3 Prozent mehr Übernachtungen, hinkt aber mit 128.300 Gästen, die im Schnitt nur zwei Nächte blieben, weiter der deutschlandweit rasanten Entwicklung hinterher. Susan Enderle, Marketingchefin der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft, sieht die Stadt dennoch auf dem richtigen Kurs. "Wir können uns nicht mit Leipzig und Dresden messen. Wir setzen auf ein moderates und stetiges Wachstum. Ein Weg sei, mehr Gäste über hochkarätige Sportveranstaltungen in die Stadt zu holen. Auch Tagungstourismus sei ein Standbein, am besten in Verbindung mit Veranstaltungen, wie den Tagen der Industriekultur.

Nicht so rosig verlief das erste Halbjahr auch für das Erzgebirge, das seit Jahren zu den Flächenregionen mit der größten Beliebtheit zählt. Zum ersten Mal gab es mit 1,46 Millionen Übernachtungen ein Minus um 1,1 Prozent, bei den Gästezahlen (512.540) nur ein minimales Plus um 0,4 Prozent.

Das Resultat deckt sich mit den Ergebnissen der letzten Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz, nach der nur ein Fünftel der hiesigen Tourismusunternehmen eine günstigere und mehr als ein Drittel eine gleichbleibende Entwicklung der Geschäftslage erwarten. Letztere Einschätzung kam vor allem von den Beherbergungsbetrieben. Dass trotz guter konjunktureller Lage im Tourismus zunehmend Frust von Unternehmen spürbar wird, ist für Thomas Jahn "kein Wunder". Der Direktor des Ifa-Ferienparks im vogtländischen Schöneck und Vorsitzende des Tourismusausschusses der IHK sagte: "Aktuell sorgen Überregulierungen und zunehmende bürokratische Aufwendungen, wie die Datenschutzgrundverordnung und Pauschalreiserichtlinie, für Unmut." Zudem sei das Gastgewerbe personalintensiv, mit viel Wochenend- und Feiertagsarbeit. Das relativ starre Arbeitszeitgesetz behindere mitunter ein flexibles Reagieren der Betriebe. Wenn dann noch Personal länger ausfalle, komme es zur Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft und immer häufiger auch zu Einschränkungen bei den Angeboten und Öffnungszeiten. Gäste hätten dafür kaum Verständnis.

Die Saisonumfrage der IHK bestätigt auch, dass immer kurzfristiger gebucht wird und dass das Thema Sicherheit eine große Rolle bei der Wahl der Reiseziele spielt.

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1Kommentare
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  • 11
    0
    Deluxe
    22.08.2018

    Chemnitz wird von den Medien, insbesondere dem Fernsehen und den überregionalen Zeitungen, in der Berichterstattung entweder ignoriert oder nur gestreift. Oft hat die Berichterstattung auch noch eine gewisse Schlagseite. Chemnitz wird sein Schattendasein so natürlich nicht los - da helfen auch Träume von der Kulturhauptstadt nichts.

    Selbst im MDR-Fernsehen hat man den Eindruck, Sachsen bestehe nur aus den beiden Großstädten Dresden und Leipzig. Danach folgen die bekannten Tourismusregionen. Und das war's dann auch schon.
    Die Rolle des sächsischen Aschenputtels wird Chemnitz einfach nicht los.

    Nun - und wenn man sieht, wie abgehängt diese Stadt auch noch anderweitig ist, muß man sich über den Mininaltourismus nicht wundern.

    Bestes Beispiel:
    Kein Fernbahnanschluß.
    Obwohl man zusammen mit Zwickau und dem halben Erzgebirge ein Ballungsraum ist. Der einzige Ballungsraum Deutschlands, der nicht ans überregionale Bahnnetz angeschlossen ist!

    Chemnitz leidet unter der Ignoranz durch die Großen und unter der seit 1990 anhaltenden Unfähigkeit seiner Lokalpolitiker, die Stadt besser sichtbar und besser hörbar in Dresden und Berlin zu vertreten.



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