Vom Tierschutz bis zum Taschenrechner

Die besten Nachwuchsforscher der Region sind am Samstag bei "Jugend forscht" ausgezeichnet worden. Für die Sieger geht es eine Runde weiter - weit reisen müssen sie dafür aber nicht.

Chemnitz.

Wenn die Jugend forscht, dann tut sie dies in vielen Bereichen. Gleich elf erste Plätze wurden am Samstag beim Regionalwettbewerb Südwestsachsen in Chemnitz vergeben. Von Biologie über Chemie und Physik bis hin zum Thema Arbeitswelt und sogar Geo- und Raumwissenschaften reichten die Kategorien, in denen die Jury die Preisträger kürte. Insgesamt 33 Projekte von 54 jungen Forscherinnen und Forschern wurden am Wochenende in Chemnitz gezeigt.

Den ersten Platz im Bereich Biologie und damit ein Ticket für den Landesausscheid bekam Falco Eigner (18) vom Gymnasium Einsiedel aus Chemnitz. In seiner Arbeit geht es um die Tiergeräusche auf Wiesen. Eigner nutzte ein Gerät, welches eigentlich zur Ortung von Fledermäusen eingesetzt wird, um verschiedene Arten von Grillen zu erkennen. Dadurch soll künftig auch für Laien eine einfache Bestimmung der Tiere möglich werden. Teilen muss sich Eigner den ersten Platz mit Alessio Meyer (18). Der Schüler vom Lessing-Gymnasium in Hohenstein-Ernstthal beschäftigte sich mit Wasserwanzen und legte zu den Lebewesen eine große Vergleichssammlung an.

Weil sie sich in ihrer Arbeit sowohl mit Biologie als auch Chemie beschäftigen, wurden Maydé Wallborn (16) und Julia Wünsch (17) mit dem ersten Platz im interdisziplinären Bereich ausgezeichnet. Die beiden Schülerinnen des Kepler-Gymnasiums in Chemnitz beschäftigten sich mit der Arsenresistenz von Bakterien. Durch den Altbergbau in Freiberg gibt es in dem Gebiet eine besonders hohe Arsenbelastung im Boden. Einige Bakterien haben dort aber auch eine Resistenz gegen das Gift entwickelt. Die dafür verantwortlichen Gene haben die beiden erkannt und analysiert.

Gemeinsam mit dem Schülerlabor der TU Chemnitz entwickelte Clara Kristen (17) eigens ein Messgerät für ihre Forschung. Sie hat anhand der Hautleitfähigkeit getestet, wie sich Menschen an akustische Reize gewöhnen. Sind diese zu stark, dann setzt das den Körper unter Stress und die Hautleitfähigkeit steigt. Für ihre Forschung bekam die Schülerin vom Enderlein-Gymnasium in Zwönitz den ersten Preis in der Kategorie Physik.

Fehlendes Vertrauen hat Peter Knüpfer (17) zu seinem ersten Platz in der Kategorie Mathematik und Informatik gebracht. Der Schüler vom Gymnasium Burgstädt wollte sehen, ob sein Taschenrechner auch wirklich die Ergebnisse anzeigt, die er soll. Deshalb hat er kurzerhand seinen eigenen programmiert und geschaut, bis zu welchen Werten die genutzten Formeln auch die richtigen Ergebnisse anzeigen. Hat der Taschenrechner sich verrechnet, dann hat Knüpfer eine bessere Formel eingesetzt.

So wie auch die anderen Sieger darf er damit am Landeswettbewerb teilnehmen. Dieser findet diesmal ebenfalls in Chemnitz statt - vom 4. bis zum 6. April im Industriemuseum. Und zum zweiten Mal in der Geschichte von "Jugend forscht" wird in diesem Jahr auch der Bundeswettbewerb in Chemnitz entschieden. Vom 16. bis zum 19. Mai stellen dann die besten Nachwuchsforscher des Landes ihre Projekte in der Messehalle aus. Den Siegern winkt ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro. Für die Bekanntgabe der Sieger wird unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Chemnitz erwartet.


Besondere Projekte aus dem Regionalwettbewerb 

Eine Karte für Blinde: Madlen Ebert (19) hat es sich gemeinsam mit Marie Andreas (18) und Thelma Knabe (18) zur Aufgabe gemacht, Stollberg für blinde Menschen besser zugänglich zu machen. Dafür haben die drei Schülerinnen vom Carl-von-Bach-Gymnasium in Stollberg einen Teil ihrer Heimatstadt für die "Finden-App" des SFZ-Berufsbildungswerks Chemnitz fit gemacht. Die App bietet eine auf blinde Menschen zugeschnittene Weg- und Ortsbeschreibung. Aus den daraus gewonnenen Erfahrungen haben die drei eine Anleitung für die Kartografie in anderen Städten erstellt. Bislang gibt es die App nur für Stollberg und Chemnitz. "Wir wollen den Menschen damit auch ein Stück Lebensqualität geben", sagt Madlen Ebert dazu. Für die Arbeit erhielten die drei Gymnasiastinnen in der Kategorie Arbeitswelt den dritten Preis.


Über Zoos der Zukunft: Lasse Beier (17) hat einen Masterplan entwickelt. Und zwar für den Tierpark Chemnitz und wie dieser zum Zoo der Zukunft werden kann. Vier Faktoren hat der Schüler des Goethe-Gymnasiums aus Chemnitz ausgemacht, die eine solche Einrichtung definieren: Erholung, Bildung, Artenschutz und Forschung. Bereits vor sechs Jahren hatte er ein Modell entwickelt und der Tierparkleitung präsentiert. Passiert war danach aber nichts - und so wollte er es jetzt noch einmal versuchen. Einige Wochen, nachdem er der Leitung des Tierparks die neue Version präsentierte, veröffentlichte diese ein eigenes Konzept. "Sowohl die Tierauswahl als auch die Umgestaltung der Gehege sind nah an meiner Idee", sagt Beier. Nur die Aufteilung der einzelnen Bereiche sei dann doch eine andere.


Kampf für die Bienen: Jacob Wiechert (18) hat zusammen mit Vanessa Reichel (17) und Nils Roll (17) erkundet, wie sich verschiedene Pflanzenschutzmittel auf das Leben der Bienen auswirken. Unter anderem machten sie dafür ein Experiment mit einem als für Bienen unschädlich eingestuften Fungizid. Dazu zählten sie vor und nach Ausbringen des Mittels, wie viele tote Bienen durchschnittlich am Tag vor einem Bienenstock auftauchen. Davor waren es noch etwa 1,5 Bienen am Tag, danach 3,6. "Es stimmt also nicht, dass das Mittel wirklich unschädlich für die Tiere ist", sagt Wiechert. Wichtig für das Überleben der Bienenvölker sei besonders eine gute Kommunikation zwischen Bauern und Imkern. So sollten sich diese absprechen, wann welche Mittel ausgebracht werden, so Wiechert. (luka)

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