Von der Solistin zur Doppelspitze

Ein beinahe kompletter Wechsel der Parteiführung soll nach den Verlusten zur Landtagswahl der Linken zum Aufbruch verhelfen.

Dresden.

Bis zu 200 Genossen wählen an diesem Wochenende einen neuen Landesvorstand. Zur Frustbewältigung nach der herben Wahlschlappe - mit 10,4 statt 18,9 Prozent am 1. September schrumpfte die Linksfraktion im neuen Landtag um 13 auf nur noch 14 Mitglieder - beginnt der Parteitag in der Dresdner Messe mit einer Wahlauswertung am heutigen Freitagabend.

Zur Eröffnung ist eine halbstündige Rede der scheidenden Landesvorsitzenden Antje Feiks vorgesehen. Die 40-Jährige war erst vor zwei Jahren zur Parteichefin gewählt worden. In Chemnitz setzte sie sich in einer Kampfabstimmung mit 104 zu 75 Stimmen gegen den Dresdner Stadtratsfraktionschef und Rechtsanwalt André Schollbach durch.

Feiks war damals Wunschnachfolgerin von Rico Gebhardt. Während der inzwischen 56-Jährige - Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen 2014 und 2019 - mindestens bis 2020 Fraktionschef im Landtag bleibt, begibt sich Feiks in die zweite Reihe. In der neuen Landtagsfraktion ist sie für ländliche Regionen, Medienpolitik, Tourismus, Datenschutz und Netzpolitik zuständig.

Auch die bisherigen Landesvizes Jana Pinka und Silvio Lang treten nicht wieder an. Beide gehörten nicht zu den Feiks-Vertrauten - anders als der bisherige Landesgeschäftsführer Thomas Dudzak. Er kandidiert zwar erneut für den geschäftsführenden Vorstand, dieses Mal aber als Schatzmeister - ein Posten, für den es gleich zwei weitere Bewerbungen gibt, darunter auch die vom Ex-Haushaltsausschusschef des Landtags, Klaus Tischendorf.

Ein Schatzmeister Dudzak gehört freilich zu dem Personaltableau, auf das sich Vertreter bislang konkurrierender Flügel vor Wochen geeinigt hatten. Das erklärt, warum sich nun wohl auch Sachsens Linke auf eine Doppelspitze einlassen wird. An der Seite der 41-jährigen Chemnitzerin Susanne Schaper - die Landtagsfraktionsvize ist Favoritin der Traditionalisten um die Ex-Landtagsabgeordneten Klaus Bartl und Volker Külow - tritt mit Stefan Hartmann ein Vertreter der sogenannten Reformer an. Der 51-jährige Berater von Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch war Landesvize, bis er 2017 überraschend gegen Silvio Lang den Kürzeren zog.

Dieses Mal kandidieren für die zwei Stellvertreterposten die Ex-Abgeordnete Kathrin Kagelmann aus Niesky und Alexander Weiß aus Hohenstein-Ernstthal. Als Schaper-Vertraute gilt die Vogtländerin Janina Pfau, die Landesgeschäftsführerin werden soll. Nachdem der 36-Jährigen am 1. September der Wiedereinzug in den Landtag misslang, hatte sie sich auf Twitter über die mangelnde Solidarität bei der Listenaufstellung beklagt und gewarnt: "Wenn wir so weitermachen, werden wir in fünf Jahren im ländlichen Raum unter die ,Sonstigen' fallen."

4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    1
    franzudo2013
    15.11.2019

    Die Alternative zu Marktwirtschaft und Demokratie heißt Mangelwirtschaft und Diktatur. Manche nennen es auch Sozialismus oder Internationalsozialismus. Wie die Begriffe integer und intelligent dazu passen sollen, weiß wohl nur der Parteisekretär und Blockwart ihres Vertrauens.

  • 2
    1
    Freigeist14
    15.11.2019

    acals@ Sie können Internationalisten , Intelligente oder Integere ruhig ausschreiben . Erst reden Sie pastoral und nun mit agrar-ökonomischen Idiom - nur um Ihre Abneigung gegen jede Alternative zur marktkonformen Demokratie für verbindlich zu erklären .

  • 3
    4
    acals
    14.11.2019

    Klasse Detailbericht @manara4. Es schläft sich ruhig auf opportunistischen Federkissen. Ein paar I... gibt es immer wieder die an "eine Idee des wahren Sozialismus GLAUBEN". Schade, denn ein Bodo Ramelow macht vor wie es gehen könnte, und der hat als erfolgreichster Linker in Deutschland kein Sozialismus-Rumgegacke nötig.

  • 4
    1
    Manara4
    14.11.2019

    Radikaler Erneuerung mit Stefan Hartmann? Er war der zweite Mann hinter Parteichef rico Gebhardt. Stellvertretend Landesvorsitzende, verantwortlich für den Wahlkampf 2009, 2014 in denen die Linke immer weniger Stimmen holte. Seine Idee Andre Hahn , jetzt MdB, den Sachsen als Ministerpräsidenten anzubieten, scheiterte grandios. Die programmatische Ausrichtung der Linkspartei in Sachsen auf den Parlamentarismus , als Leiter einer parteiinternen Grundsatzkommission war er hier federführend, ebenso. Lebensmittelpunkt war bis vor kurzem Berlin/ Brandenburg, wo seine Frau S.Karawanskij,MdB und zuletzt Ministerin bis vor wenigen Wochen war. Sie ebenfalls Akteurin des Reformerflügels. Er Mitglied im Forum Demokratischer Sozialismus und somit stark an der Annäherung an der SPD interessiert, greift nun nach dem Vorsitz des größten Landesverbandes. Zumeist haben die Vorsitzenden ein gefühltes Recht auf Spitzenplätzen bei den Wahlen. Und 2021 sind wieder Bundestagswahlen, wenn seine Frau nicht, dann er. Also ein Familienbetrieb soll es richten. Bei solchen Freunden braucht die Linkspartei keine Feinde. A.Feiks schlägt ihn vor. Das hat mit radikalen Neuanfang nichts zu tun, das ist nicht mal "rebellisch", das ist bürgerliche Politik als Beruf.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...