Der Herrenapfel kehrt zurück

Am Donnerstag wird Sachsens Obstsorte des Jahres gekürt. Baumschulen bieten von dem seltenen Apfel Reiser an. Am Freitag startet dann die Apfelernte im Freistaat.

Fest, saftig, klein, mild, gelb mit roten Bäckchen - so beschreibt Ralf Frenzel von der sächsischen Landesgruppe der Pomologen den Kleinen Herrenapfel. Gekostet hat er ihn allerdings noch nicht. Denn die Sorte ist in Sachsen vom Aussterben bedroht. Lediglich einzelne Standorte mit alten Bäumen bei Glashütte, Zittau und Löbau sind bekannt.

Damit sich der Kleine Herrenapfel weiter verbreitet, wollen ihn die Obstkundler als Sachsens Obstsorte des Jahres 2019 küren. Eine der ersten, die ihn am Donnerstag in ihrem Obstgarten neu anpflanzen, ist Familie Röber aus Kreischa. Etwa 300 Kern- und Steinobstbäume wachsen bei Röbers auf etwa 24.000 Quadratmetern - darunter auch alle anderen bisherigen sächsischen Obstsorten des Jahres: die Gelbe Sächsische Renette, der Safranapfel und Maibiers Parmäne. Der Kleine Herrenapfel ist ein echter Sachse. "Erstmals haben die Pfarrer Beyer und Thalwitzer aus Meißen 1802 die Sorte in der Zeitschrift ,Der Teutsche Obstgärtner' beschrieben - unter dem Namen Gehlapfel. Den Namen Gehl- oder Gelbapfel wird der kleine Tafelapfel wegen seiner Farbe bekommen haben, vermutet Frenzel. Sicher weiß er, dass es ihn bereits vor 1800 in Deutschland gegeben hat. Um 1700 war er in Norddeutschland als Drufappel oder Drüfken bekannt. "Ob aber die in Sachsen bis ins 16. Jahrhundert zurückreichend Nennung von Junkeräpfeln eben diese Sorte ist, lässt sich ebenso wenig klären wie die eigentliche Herkunft."

Im 20. Jahrhundert verlor der Apfel an Bedeutung und geriet in Vergessenheit. In Baumschulen wurde er nicht mehr vermehrt. Dass sich das jetzt in Sachsen ändert, ist vor allem dem Engagement von Klaus Schwartz zu verdanken. Als Mitglied in der Landesgruppe der Pomologen hat sich der Seniorchef einer Gärtnerei in Löbau den Äpfeln verschrieben. "Vor acht Jahren fragte mich eine Familie aus Hainewalde bei Zittau, ob ich Interesse hätte, den Kleinen Herrenapfel in die Vermehrung der Baumschule aufzunehmen", sagt Schwartz. Das einem Schreiben beigelegte Bestimmungszertifikat eines Auer Pomologen sollte die Echtheit bestätigen. "Als ich die Reiser für die Veredlung holte, stand ich vor einem 150 Jahre alten Baum und war begeistert", sagt Schwartz, der bereits mehr als 500 Apfelsorten besitzt. Nun sorgt er sich auch um die Nachzucht des Kleinen Herrenapfels. Etwa 30 Euro kostet ein Hochstamm. 300 Reiser hat Schwartz inzwischen an Baumschulen in Sachsen verschickt.

Die Apfelsorte gehört zwar nicht zu den Lageräpfeln, aber an den Boden stellt sie keine Ansprüche. Laut Schwartz gedeiht der Kleine Herrenapfel sowohl im Tiefland als auch in höheren Lagen. Allerdings braucht der Baum Feuchtigkeit und deshalb wie alle Obstsorten in diesen regenarmen Wochen reichlich Gießwasser. Der Pomologe empfiehlt wegen der dünnen Triebe regelmäßigen Rückschnitt. Die Äpfel eignen sich zum Saften und Sofortverzehr, werden aber bei zu langer Lagerung mehlig. "Da das Einwecken hierzulande erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt war, wurde er lange Zeit in der Pfanne gedörrt und geschmort", sagt Ralf Frenzel. "Eine Möglichkeit des Haltbarmachens, die man auch heute probieren kann."

Die offizielle Apfelernte in Sachsen eröffnet der Landesverband Sächsisches Obst am Freitag in Becks Obstscheune in Krietzschwitz. "Nach Wochen der Trockenheit wird der Ertrag von etwa 90.000 Tonnen aus guten Jahren nicht erreicht", sagt Verbands-Geschäftsführer Udo Jentzsch. Viele der 48 Mitgliedsbetriebe bauen auf 2100 Hektar etwa 50 Apfelsorten an.

Hier gibt es Herrenäpfel

Halsbrücke/Ortsteil Hetzdorf: Baumschulen Alexander Klein, Mohorner Straße 8;

Meißen: Baumschule Tamme, Radeburger Straße 7;

Dresden-Ockerwitz: J. Laube Rosen-/Baumschule, Ockerwitzer Dorfstraße 3;

Rosenbach Ortsteil Bischdorf: Baumschule Frank Neumann, Siedlung 19;

Priestewitz: Baumschule Winkler, Porschuetzer Weg 1.

Makranstädt: Baumschule Georg Frank, Lützner Straße 88

Geithain: HEROS-Baumschulen Kontor, Niedergräfenhain 32

Oschatz: Baum- und Rosenschule Müller, Berufsschulstraße 7

www.freiepresse.de/pomologen

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