1945: Als die Russen kamen

Vor 75 Jahren Am 2. Juli wurde das Göltzschtal russische Besatzungszone. Drei Tage vorher waren die Amerikaner abgezogen. Die Bevölkerung hatte anderes gehofft.

Rodewisch.

Ein sowjetischer Posten am Schlagbaum an der ehemaligen Rotex, heute Hellweg-Markt-Gelände: Jung und schmächtig wirkt er. Wie alt der Bursche wohl gewesen sein wird? "Wir waren damals 15, 16", erinnert sich Siegfried Walther, Jahrgang 1930. "Die waren nicht viel älter; alle blutjung."

Das Foto stammt aus "Rodewisch - ein Rückblick" - eines von den lokalhistorischen Büchern, die der inzwischen 90-jährige Rodewischer seiner Heimatstadt gewidmet hat. Das Foto stamme aus dem Fundus seines Vaters, sagt Siegfried Walther. Walther kann sich gut an den Tag erinnern, als nach Kriegsende die Russen ins Göltzschtal einzogen. Es war am 2. Juli 1945, heute vor 75 Jahren, früh um vier Uhr. So beschreibt es Walther in seinen Tagebuchnotizen "Leben in dunklen Zeiten".

Damit hätten sich die Hoffnungen der Rodewischer nicht erfüllt, wie Walther weiter schreibt. Drei Tage ohne Besatzungsmacht - da seien Hoffnungen gekeimt, das Göltzschtal könnte zur zweiten Freien Republik Schwarzenberg werden. Obwohl die zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr existierte.

Die US-Amerikaner, die am 6. Mai in Rodewisch einmarschiert waren, zogen sich am 29. Juni nach Bayern zurück. "Zu unser aller Entsetzen", hielt Siegfried Walther fest.

Und während die US-Armee damals militärtechnisch relativ gut ausgerüstet gewesen sei, erinnert sich Walther noch heute, sei die Rote Armee, von Wernesgrün kommend, äußerst primitiv ausgestattet gewesen. "In Hunderten kleiner Panjewägelchen, die von zwei Pferdchen gezogen wurden, saßen sie schwer bewaffnet und laut singend im Stroh", schrieb er. Hinter etlichen sei eine angebundene Kuh hinterhergetrottet. Und auffallend viele junge Frauen seien unter den Soldaten gewesen. Ihr hoher Gesang sei ihm in Erinnerung geblieben ...

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