6000 Kilometer Bikermania

Der Reichenbacher Gero Fehlhauer war mit seiner Maschine im Baltikum unterwegs. Zwei Wochen Abenteuer-Urlaub in unberührter Natur, in tollen Städten und bei einem Treffen, bei dem ganz Europa zu Gast war.

Reichenbach.

Und, wie war's? "Fantastisch. Malerische Landschaften, geile Strände, tolle Städte mit gepflegter alter und moderner Architektur und offene, herzliche Menschen. Noch ist das Baltikum ein Geheimtipp, obwohl der Massentourismus auch dort langsam losgeht", erzählt Gero Fehlhauer wie aus der Pistole geschossen. Der bekennende Biker und Autor lokalhistorischer Bücher aus Reichenbach war jetzt zwei Wochen fern der Heimat und hat dabei mit seiner Maschine in sechs Ländern 6000 Kilometer zurückgelegt - ein über Monate vorbereiteter Abenteuer-Urlaub, eine Erfahrung, von der er noch lange zehrt. "Es war auch eine Zeit, in sich zu gehen, sich auszubalancieren, ohne Fremdbestimmung den Tag zu genießen und alles in der eigenen Hand zu haben." Eben 6000 Kilometer Bikermania.

Von Reichenbach war Gero Fehlhauer nach Rostock gefahren und hatte dort eine Fähre nach Trelleborg genommen. Von der schwedischen Hafenstadt aus erschloss er sich das Baltikum: Finnland (mit Foto an der Polarkreismarkierung bei Rovaniemi), Estland, Lettland und Litauen in einem Ritt. Zurück ging's über Polen - "Oft gilt ja Finnland eher als verkehrstechnischer Albtraum. Das kann ich nicht sagen. Dafür war's in Polen chaotisch. Die fahren noch gehetzter als wir."

Der Reichenbacher selbst war die Gelassenheit selbst. "Und schnell erfuhr ich auch warum", scherzt der Biker und bringt seine BMW GS 1200 Adventure ins Spiel: Die Maschine ist im Ausland Kult, steht für gechilltes Fahren eines in sich ruhenden Menschen und auf einer Stufe mit den Szene-Produkten von Harley Davidson oder Triumph. "Überall gingen die Daumen hoch, meine Maschine und ich haben ungezählte Male als Fotomotiv hergehalten. Ob nun für Europäer oder Asiaten", erzählt der Vogtland-Biker vom Nonplusultra seines Adventures: Neben der Besichtigung von kulturhistorisch bedeutenden Stätten wie der Wasserburg Trakai Castle in Litauen oder der Weltkulturerbe-Papierfabrik im finnischen Werla war die Teilnahme am größten Bikertreffen des Baltikums in der lettischen Hafenstadt Ventspils die Krönung.

Das "Kurland Bike Meet" vereint Tausende Biker aus ganz Europa, Höhepunkt ist eine von Polizei eskortierte Ausfahrt. Und die wird Gero Fehlhauer nie vergessen: Nach einem lockeren Gespräch mit der Miliz und dem Hinweis, für "a german newspaper" unterwegs zu sein, durfte der Reichenbacher das Tausende Biker starke Feld hinter dem ersten Polizeiwagen anführen. Und das dazu noch ohne Helm. "Das ist dort kein Problem. Überhaupt habe ich im Baltikum einen sehr sympathischen Menschenschlag kennengerlernt", erzählt Gero Fehlhauer.

Oder in Finnland, als der Abenteurer erschöpft von seiner Adventure stieg und bei einer Schäferin Aufnahme und ein Lager für die Nacht fand. "Kein Misstrauen, aber große Gastfreundschaft. Ich wurde als Fremder bewirtet wie ein König. Am nächsten Tag wollte ich mich revanchieren und ihr bei schweren Arbeiten helfen. Das hat sie strikt abgelehnt. Es sind auch Begegnungen wie diese, die ich nie vergesse."

Und wie sieht's mit schlechten Erfahrungen aus? "Da gab's keine." Mal abgesehen von einem Bienenstich am Kinn ("Ich hatte das Visier oben."). Und einer Kraftprobe nach einer Pinkelpause weit ab vom Schuss: In finnischer Unendlichkeit hatte Gero Fehlhauer seine Maschine auf einem verlassenen Holzplatz abgestellt. Im weichen Boden sank der Ständer ein, das mit Gepäck um die 280 Kilogramm schwere Motorrad fiel um. Affenhitze und weit und breit kein Mensch. "Beim dritten Versuch bekam ich sie Gott sei Dank hoch." Die Fahrt ging weiter. "Immer tiefer hinein ins Baltikum, in das ich mich bald verliebt hatte."

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