Aufs Üben vorm Spiegel folgt Praxistest mit Profimusikern

Zwölf Musiker aus Deutschland und Österreich üben vier Tage in Auerbach Orchesterdirigieren. Heute geben sie ihr Abschlusskonzert.

Auerbach.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Chor- und Orchesterdirigieren? Sind sie groß? Mit diesen Fragen im Gepäck machte sich Andrea Kreuziger am Wochenende auf den weiten Weg von Wien nach Auerbach. Dass es Unterschiede geben muss, war ihr da schon klar. Die Österreicherin leitet seit 20 Jahren den Wiener Jugendchor. Erstmals schaute sie beim Sommerkurs im Fach Orchesterdirigieren vorbei. Seit Sonntag werden Andrea Kreuzigers Fragen dort systematisch beantwortet - in Theorie und in der Praxis bei Proben. Ihr Fazit: Der Weg hat sich gelohnt.

Zum zwölften Mal bot die Auerbacher Laurentius-Kirchgemeinde zusammen mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach und der Musikschule Vogtland einen solchen viertägigen Kurs an. Genauso viele Berufsmusiker und angehende Profis aus Deutschland und Österreich nutzten die seltene Gelegenheit. "Man kann schon von einer gewissen Einzigartigkeit hier im Sächsischen sprechen", sagte Laurentius-Kantor Ulrich Meier. "Die Vogtland Philharmonie nimmt sich mehrere Tage dafür Zeit und drückt das neben ihrem normalen Konzertbetrieb ab."

Mit Hilfe von 40 bis 45 Orchester-Musikern können die Kursteilnehmer Fähigkeiten im Dirigieren auf- oder ausbauen. Jeder hat einen anderen Hintergrund. Denn der Kurs richtet sich sowohl an Kirchen- und Schulmusiker als auch an Musikstudenten.

Michael Pauser ist Musikwissenschaftler, arbeitet an seiner Doktorarbeit und war zum sechsten Mal dabei. "Eine Menge kann man nur mit einem Orchester lernen", sagte der junge Mann aus Weimar. Das heißt: Allein vor dem Spiegel zu üben, macht wenig Sinn. "Alle Leute im Orchester wollen mitgenommen werden. Man muss wissen, wie es reagiert, wie man es koordiniert." Pauser leitet eine Laiengruppe, und die macht einmal pro Jahr mit der Vogtland Philharmonie gemeinsame Sache. Auf diese Weise kam er auch zum Kurs. Andrea Kreuziger erfuhr via Internet davon. Ihr Eindruck: "Das ist eine tolle und wichtige Erfahrung."

Die Kursleitung teilen sich Ulrich Meier und Generalmusikdirektor Stefan Fraas, Intendant der Vogtland Philharmonie. Zwei Musikschul-Korrepetitoren helfen bei "Trockenübungen" am Klavier. Heute folgt das öffentliche Abschlusskonzert mit den erarbeiteten Werken "Gloria" von John Rutter, "Le Tombeau de Couperin" von Maurice Ravel und Ludwig van Beethovens 2. Sinfonie D-Dur op. 36. Beim Dirigieren sei nonverbale Kommunikation das A und O, betonte Meier. "Im Grunde ist das wie Gebärdensprache. Als Dirigent muss ich die Musiker auch teilweise von meiner eigenen Klangvorstellung überzeugen."

Abschlusskonzert des XII. Auerbacher Sommerkurses im Orchesterdirigieren, heute, 19.30 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche Auerbach. Karten zu 12, 10 und 8 Euro gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse.

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