Befreiung von Bon-Pflicht? Bäcker winken ab

CDU-Politikerin Yvonne Magwas rät nachdrücklich dazu, eine Ausnahmeregelung zu nutzen. Doch für die meisten Betriebe dürfte dies unmöglich sein.

Auerbach.

Die drohende Kassenbonpflicht ab 2020 bringt in diesen Tagen vor allem die Bäcker auf die Palme: Ab 1. Januar sollen sie den Beleg auch dann ausdrucken, wenn der Kunde ihn gar nicht haben will. Viele kleine vogtländische Betriebe befürchteten einen "unverhältnismäßigen Bürokratieaufwand", stellt die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas fest.

Doch die Politikerin empfiehlt in einer Mitteilung "nachdrücklich", sich von dieser Pflicht befreien zu lassen. Denn ihre Partei habe sich für eine Ausnahmeregelung eingesetzt, um Firmen zu entlasten. Betroffene könnten sich nach Paragraf 148 der Abgabenordnung von dieser Belegausgabepflicht befreien lassen, wenn nachweislich eine sachliche oder persönliche Härte bestehe. Eine kleine Bäckerei könne es beispielsweise "zu Stoßzeiten nicht bewerkstelligen, jedem Kunden automatisch einen Kassenzettel auszudrucken", schreibt Magwas in ihrer Mitteilung. Ein "Unding" wäre dies auch für Händler, die mit ihrem Stand auf großen Volksfesten stehen. Die jeweilige Finanzbehörde prüfe, ob Unternehmen unter die Ausnahmeregelung fielen.

Im Allgemeinen sei die Protokollierung der Daten im Handel jedoch wichtig, "um eine lückenlose Aufzeichnung zu gewährleisten und Steuerbetrug zu verhindern" , betont Magwas.

Aus Sicht von Jörg Schürer, Obermeister der vogtländischen Bäckerinnung, ist eine Entlastung über besagten Paragrafen 148 jedoch "sehr schwierig" und habe für Bäckereien wohl "wenig Aussicht auf Erfolg". Er hat eine Schulung des Finanzamtes absolviert, bei der auch diese Ausnahmeregelung erläutert wurde: "Es geht dabei um Härtefälle, vor allem in der Gastronomie." Es müsse nachgewiesen werden, dass die Belegausgabe "erheblichen Aufwand für die Betriebsabläufe" verursache: "Das könnte demnach zum Beispiel in Biergärten sein, wo es mit dem Drucken von Bons schwierig wird." Für Bäckerbetriebe ist ähnliches aus Schürers Sicht nicht möglich, entsprechend hätten auch die Bäckerverbände informiert. "Es ist ehrenwert von Frau Magwas, dass sie darauf hinweist, und natürlich kann das jeder Betrieb gern bei seinem Finanzamt beantragen", so Schürer. "Für die Mehrzahl der Bäcker ist dies aber sicher kein gangbarer Weg."

Dies gilt auch für einen anderen Weg zur Vermeidung des Bon-Druckens: Laut Gesetz kann der Kassen-Beleg nämlich auch elektronisch ausgestellt werden - etwa, indem der Kunde eine entsprechende Mail zugeschickt bekommt. Doch dies ist selbst aus Sicht des Grünbacher Bäckers Tobias Frisch, einem digitalen Vorreiter seiner Branche im Vogtland, bis auf Weiteres überhaupt nicht praktikabel. "Es hilft nichts: Wir müssen drucken", sagt Frisch. Für die Bäcker bringt dies mehr Aufwand und höhere Kosten: für Bonrollen und dann auch für die umgehende Entsorgung der Belege - über 90 Prozent der Kunden nehmen sie nicht mit.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...