Bürgerpolizist legt Fokus auf Neumarkt

Peter Keilhack ist seit kurzem für Auerbach zuständig - und muss als eine der ersten Amtshandlungen das Alkoholverbot umsetzen. Zur Personengruppe, die dort bisher regelmäßig und manchmal unmäßig zecht, hat er eine klare Meinung.

Auerbach.

Am 1. Mai wird das Alkoholverbot am Auerbacher Neumarkt wirksam (siehe auch Infokasten). Für den Bürgerpolizisten Peter Keilhack (57) ist die Umsetzung die erste große Herausforderung im neuen Zuständigkeitsbereich Auerbach. "Wir weisen die Leute schon jetzt darauf hin", sagt er. Und die zeigten sich durchaus einsichtig. Mit Anja Löffler-Seifert, Chefin des städtischen Ordnungsamtes, habe er bereits gemeinsame Streifen vereinbart: "Sie ist ja ebenfalls neu im Amt." Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei überhaupt "auf einem sehr guten Weg", lobt Keilhack beim Pressetermin mit seinem Kollegen Michael Handschug (ebenfalls 57), der sein bisheriges Revier Rodewisch-Steinberg übernommen hat, Revierleiter Bernd Fengler und dem Zwickauer Polizeipräsidenten Conny Stiehl.

Keilhack war 18 Jahre lang Bürgerpolizist für Rodewisch und Steinberg, er wohnt selbst in Auerbach und kennt seine Pappenheimer. Sein Credo lautet: "Gucke nie auf andere herab." Das habe er schon von seinem Ausbilder so gelernt. "Man muss mit den Leuten arbeiten, sich Zeit nehmen - jeder, der dort sitzt, hat seine eigene Geschichte." Sein Ziel ist es, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und positiv auf Menschen einzuwirken. Offenbar gelingt ihm das gut. "Letztens fragte mich einer, ob gegen ihn tatsächlich ein Haftbefehl vorliegt - das würde erzählt, und ich sollte mal nachgucken", berichtet er schmunzelnd. "Das war aber nicht der Fall." Andere habe er per Anruf dazu bewegt, sich zum Haftantritt zu melden.

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Polizeipräsident Conny Stiehl würdigte die Bürgerpolizisten als "Bindeglied" zwischen den Bürgern und dem spezialisierten Polizeiapparat. "Das kann nicht jeder - es geht um Fingerspitzengefühl, Seelsorge und Trost. Sie erledigen zum Teil die Arbeit von Bürgermeister und Pfarrer." Auch Keilhack und Handschug seien in ihren jeweiligen Gebieten schon jetzt bekannt wie die sprichwörtlichen "bunten Hunde", weil sie aus der Region kommen. Handschug war zuletzt für Lengenfeld zuständig, wohnt in Schreiersgrün und stammt ursprünglich aus Rodewisch, wo er jetzt wieder Dienst tut. Die beiden Beamten fuhren schon 1987 zusammen Streife, jetzt werden sie wieder regelmäßig gemeinsam unterwegs sein. "Bürgerpolizisten müssen greifbar, sichtbar und ansprechbar sein", so Stiehl, der das Konzept für diese speziellen Beamten vor 20 Jahren mitentwickelt hatte. "Seit der Einführung ist es nie in Frage gestellt worden."

Von der Alkoholverbotszone erhofft sich Stiehl für den Neumarkt eine deutliche Verbesserung. In Plauen habe man damit gute Erfahrungen gemacht: "Es hat einen kontinuierlichen Rückgang der Straftaten gegeben." Der größte Zugewinn sei jedoch, dass die Wirksamkeit gemeinsamer Maßnahmen von Stadt und Polizei sichtbar werde. "Ich glaube, die Leute honorieren das. Sie wollen sich in den Innenstädten wohlfühlen." Zum Bier trinken gebe es auch mit Verbotszone genügend Gelegenheiten.


Bis 1000 Euro Ordnungsgeld

Alkoholkonsumverbots-Polizeiverordnung 2019 der Stadt Auerbach - so lautet die volle Bezeichnung der neue Regelung, die das Trinken auf dem Neumarkt regulieren soll. Am 1. Mai tritt die Verordnung in Kraft, das Verbot gilt montags bis samstags von 10 bis 22 Uhr. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit einer Geldbuße von mindestens 5 und höchstens 1000 Euro geahndet werden.

Dass Auerbachs Stadtrat das eigentlich schon im vergangenen Herbst verabschiedete Alkoholverbot noch einmal beschließen musste, liegt an einer Auflage der Rechtsaufsicht: Auerbach wollte das Verbot länger als 12 Stunden am Tag gelten lassen. Dies wurde aber untersagt.

In der Diskussion vor der Verabschiedung des Alkoholverbots betonte OB Manfred Deckert (parteilos): "Das Verbot ist kein Allheilmittel." Schon der Monat April werde zur Bewährungsprobe, so seine Vermutung: Das Wetter könnte zum Trinken im Freien einladen, aber das Verbot ist noch nicht in Kraft...

Stadträte aller Fraktionen waren sich einig, bei dem Thema dürften Stadt, Polizei, Anlieger und Gewerbetreibende nicht locker lassen. Notfalls müsse wieder ein Sicherheitsdienst Streife laufen. Der OB sicherte Gespräche mit allen Beteiligten, einschließlich der Zielgruppe, zu. Zumal erst jüngst wieder Vorfälle gezeigt hätten, wie notwendig das sei: Am Freitag vergangenen Woche gingen am Neumarkt-Kiosk und einem Laden Scheiben zu Bruch. Stadtrat Frank Richter (CDU) zur aktuellen Situation: "Inzwischen habe die Verkäuferinnen regelrecht Angst". (how)

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