Das Rittergut mit der halbierten Scheune

Der einstige Adelssitz in Oberlauterbach ist vielen vor allem durch das Umweltzentrum bekannt. Doch es ranken sich zahlreiche Geschichten um das Areal. "Freie Presse" berichtet in loser Folge. Heute: Ausbaupläne.

Oberlauterbach.

Es ist eine seltsame Scheune, die am unteren Ende des Ritterguts Adlershof in Oberlauterbach steht - das Gebäude ist kurz, dafür sehr hoch, und auf einer Seite nur irgendwie provisorisch mit Brettern verschlossen. Der Grund: Es ist nur die Hälfte der ursprünglichen Scheune übrig, die bis 1945 die ganze Hofseite einnahm, mit einem Turm in der Mitte. "Der Turm wurde abgerissen, die Scheune ,zerhackt' und unter zwei Neubauernstellen aufgeteilt", berichtet Karin Hohl, Leiterin des Natur- und Umweltzentrums (NUZ) des Vogtlandkreises. Das sitzt im Herrenhaus, auf der anderen Seite des Gutes. Seit kurzem ist der NUZ-Förderverein Eigentümer der Halb-Scheune, in der sich Schwalben und Fledermäuse tummeln. "Wir wollen oben Schulungsräume einrichten, unten ein Lager für verschiedene Gerätschaften einrichten", sagt Hohl. Vorher muss erst mal die Statik des eigentümlichen Baus in Ordnung gebracht und eine Etage eingezogen werden. Der Verein hofft auf Fördermittel der Leader-Region "Sagenhaftes Vogtland"; wenn alles klappt, kann der Umbau 2019 beginnen. "Viele sagen: Das bringt doch nichts, Abriss wäre besser. Aber wir wollen das Ensemble erhalten", betont Karin Hohl.

Die halbierte Scheune ist eines der Zeugnisse der Bodenreform in der Zeit der sowjetischen Besatzung nach 1945. Als "Träger der Reaktion" sollten die Großgrundbesitzer enteignet werden, "Junkerland in Bauernhand" hieß die Parole. In der Folge wurden viele alte Rittergüter zunächst zerteilt und dann dem Verfall preisgegeben - auch der Adlershof. Immerhin entging der letzte Eigentümer dem Schicksal der meisten Familien des sächsischen Landadels, die 1945 nach Rügen deportiert wurden. Carl Ferdinand Adler starb 1948 im Alter von 80 Jahren auf dem Gut, das ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gehörte.

Heute hat das Rittergut viele Eigentümer, die sich im Ziel der Erhaltung des Objekts einig sind. Das Herrenhaus und der neu aufgebaute Ostflügel gehören der Stadt Falkenstein, außerdem gibt es vier private Hausbesitzer.

Einer von ihnen ist Jens Reiher (40), der die Homepage des Ritterguts und die Facebook-Seite des Umweltzentrums pflegt und im ehemaligen Gutsverwalterhaus die Dokumente zur einstigen Landärztin Lotte Hoffmann entdeckte - in einem Schrank der alten Werkstatt. Ein weiterer ist Gerold Günther (69) aus Kottengrün, der 2002 das ehemalige Milchhaus erwarb und dort mit seinem Architekturbüro einzog - als Nachfolger von Gotthard Schneider, der sich große Verdienste um die Sanierung erworben hatte.

Günters Lebensgefährtin Beate Paul betrieb bis vor drei Jahren im Gebäude "de Hofstub", musste diese Gaststätte allerdings aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Nun hoffen die Eigentümer, dass sich bald wieder ein Pächter für das Lokal findet. Es wäre eine wichtige Aufwertung des Ensembles.


Geschichte des Ritterguts

Das heutige Rittergut Adlershof ist historisch das Rittergut Unterlauterbach. Dieses wird 1445 erstmals als Rittersitz urkundlich erwähnt. Besitzer waren damals die Gebrüder Machwitz. Besiedelt war das Areal wohl schon 200 Jahre früher, Reste einer alten Ringwallanlage sind im benachbarten Teichgebiet noch zu finden. Später gehörte das Gut der in Treuen ansässigen Familie Feilitzsch.

Die Familie Adler erwarb das Rittergut Unterlauterbach 1744/46. Die Adlers zählen zu den Exulanten, die im Zuge der Religionsauseinandersetzungen nach der Reformation aus den katholischen Gebieten der Habsburger vertrieben und vor allem aus Böhmen zu Anfang des 17. Jahrhunderts ins protestantische Vogtland eingewandert waren.

1885 brannte der Wirtschaftshof zum größten Teil ab, erhalten blieb das Herrenhaus. Bis 1890 wurden die Gebäude wieder aufgebaut, dabei der ganze Hof erheblich erweitert. Parallel baute man den angrenzenden Park im englischen Stil um.

Letzter Besitzer des gesamten Ritterguts war Carl Ferdinand Adler (1868 bis 1948). Er wohnte eigentlich in Straßberg, musste jedoch 1939 nach Unterlauterbach umziehen, weil die Wehrmacht seinen Straßberger Besitz für einen Übungsplatz nutzte. Das Herrenhaus wurde vor dem Umzug saniert und modernisiert.

Im Zuge der Bodenreform wurde 1946/47 auch das Rittergut Unterlauterbach enteignet und unter Neubauern aufgeteilt. Dabei kam es zu einer Zerstückelung und zum Abbruch von Gebäuden. Durch die spätere Kollektivierung der Landwirtschaft setzten sich Verwahrlosung und Verfall der Anlage fort.

1990 begannen Sanierung und Wiederaufbau des Gutes, das damals der Gemeinde Oberlauterbach gehörte. Die Federführung lag beim Architekten Gotthard Schneider. 1994 feierte man das erste Gutshof-Fest.

1998 bis 2004 wurde die "Ostlücke" des alten Gutshofes geschlossen - inzwischen war Oberlauterbach nach Falkenstein eingemeindet. Das Natur- und Umweltzentrum des Voglandkreises zog 2000 ins ehemalige Herrenhaus ein.

Quelle: U. a. Homepage des Ritterguts www.rittergut-adlershof.de

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