Erstes Geschenk bleibt ein Leben lang ein treuer Begleiter

Andenken an liebe Menschen gehören für viele Vogtländer zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel. Heute geht es um einen 80 Jahre alten Teddy.

Auerbach.

Hemd, Hose, Schuhe, Schlips: So lässt sich "Teddy" am liebsten ablichten. Der Kuschelbär gehört Manfred Siegels Tochter Anne. Voriges Jahr vermachte er ihr den Kuschelbär, an dem etliche Erinnerungen hängen. Als Einjähriger bekam er ihn zu Weihnachten geschenkt. Das war 1940.

An die Schenkung kann sich Manfred Siegel freilich nicht erinnern. "Ich weiß nur, dass ich ihn überall rumgeschleppt habe", sagt er. Mit dem Bären fuhr er Schlitten, zu zweit besuchten sie die Großeltern, und alle fünf Umzüge hat "Teddy" im Laufe der Jahrzehnte mitgemacht: von Schönheide nach Stützengrün, von dort nach Auerbach und später innerhalb der Stadt. "Er war mein erstes Geschenk, das ich im Leben bekommen habe", erklärt Siegel, warum ihm das Plüschtier viel bedeutet. "Spielsachen waren bei uns damals knapp. Meine Eltern haben sich bemüht, um mir was zu schenken", ist er ihnen bis heute dankbar. Den Vater hatte man zum Kriegseinsatz verpflichtet, die Mutter arbeitete trotz Krankheit. "Teddy" sei auch das einzige, was ihm von seiner Kindheit geblieben sei, erzählt Manfred Siegel.

Herausgeputzt wurde der Bär immer mal wieder. Was er jetzt am Leib trägt, ist gebraucht. "Das war die allererste Kleidung von unserem Enkelsohn", berichtet Manfred Siegels Frau Helga. Anlass sei eine Hochzeitsfeier vor elf Jahren gewesen. "Da lag er noch in der Kutsche." Helga Siegel verpasste dem geliebten gelben Wegbegleiter auch die eine oder andere Frischzellenkur. Dass er früher viel herumkam, führte zu Abnutzungserscheinungen: Irgendwann brauchte "Teddy" neue Augen und eine Ersatznase. Auch die Ohren mussten gelegentlich wieder angenäht werden. "Jetzt ist er nur noch ein Ausstellungsstück", sagt Manfred Siegel. Das heißt, der Kuschelbär verbringt die meiste Zeit auf dem Sofa.

Teddys einstiger Besitzer hat ihm auch ein schriftliches Denkmal gesetzt. Unter anderem taucht er in einem Weihnachtsgedicht auf. Das und viele andere Reime und Geschichten hat Manfred Siegel in einem Büchlein veröffentlicht. "Weihnachten - Mein schönster Kindheitstraum" kam 2009 auf den Buchmarkt. Bevor er als Rentner unter die Hobbyautoren ging, absolvierte der Wahl-Auerbacher noch ein Belletristik-Fernstudium. Seitdem bringt er vornehmlich Erfahrungen aus dem eigenen Leben in Mundart und Hochdeutsch zu Papier. Jedes Jahr erscheint ein Beitrag im Landkalenderbuch für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge.

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