Grünbacher feiern im Herbst Silvester

Früher war im Sommer das Bierbrauen verboten. Im Bayerischen Hof hält man an der Tradition fest und hat deshalb gestern den Beginn der neuen Brausaison gefeiert.

Grünbach.

Noch müssen drei Monate vergehen, bis der nächste Jahreswechsel ansteht. Nicht so im Grünbacher Brauereigasthof und Hotel Bayerischer Hof. Dort knallte gestern schon der Sektkorken - oder vielmehr ein Hammer auf den Zapfhahn. Fassanstich statt Böllern hieß das Motto beim 1. Vogtländischen Brauersilvester samt Bierfleisch und Blasmusik. Drei randvoll mit hellem Bock gefüllte 40-Liter-Fässer standen bereit. Das neue Bierjahr ist offiziell eröffnet - und eine alte Tradition zurück ans Tageslicht gekommen. Aber was hat es mit dem Jahreswechsel im Herbst auf sich? Das "Geheimnis" liegt im Kühlungsprozess.

Von Anfang April bis Ende September Bier zu brauen, war früher nicht empfehlenswert. Beziehungsweise sogar verboten, weiß Küchenchef Steffen Manthey. Denn ohne Kühlungsmöglichkeit verdarb wärmeempfindlicher Hopfentrunk beizeiten. "Der Brauch, nur in den kalten Monaten zu brauen, stammt wahrscheinlich aus dem Mittelalter", sagte er.

Und noch etwas kam zum Tragen: "Man hatte Angst vor Feuer. Malz musste gedarrt (getrocknet A.d.R.) werden, und der brennt gut." Damit Bierliebhaber im Sommer nicht auf dem Trocknen saßen, bekamen die letzten Biere vor dem vorübergehenden Einstellen des Brauprozesses mit einem höheren Stammwürze- und Alkoholgehalt verpasst, was sie haltbarer machte. Folglich wurden genau genommen zwei Biere hergestellt.

Kühlungssorgen müssen sich Brauer heutzutage normalerweise nicht mehr machen. Mit Erfindung der Kältemaschine in den 1870er Jahren war das Brauverbot hinfällig. Trotzdem konnten die Grünbacher diesen Sommer aufgrund der langen Hitzeperiode nicht zur Tat schreiten. "Das Wasser kam mit 18,1 Grad Celsius hier an", erklärte Braumeister Torsten Kahlert. "Wir müssen das Bier aber auf 13 Grad runterkühlen." Zum Vergleich: In kälteren Monaten liegt die Temperatur von Leitungswasser bei zehn bis zwölf Grad.

Seit März 2017 wird im "Bayerischen Hof" mit einer Anlage anno 1996 wieder Bier produziert. Nämlich Bock und Pilsner in den Sorten hell und dunkel, dazu gelegentlich ein Spezial. Auf 12.000 Hektoliter bringt es Torsten Kahlert pro Jahr.

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