Gründerzeit und Jugendstil: Fotograf fahndet an Fassaden

Heute Abend wird eine Ausstellung mit Fotografien von Rainer Hrasky eröffnet. Er hat zahlreiche Auerbacher Gebäude genau unter die Lupe genommen und viele Details abgelichtet.

Auerbach.

"Die Geschwister-Scholl-Schule in Auerbach ist ein hervorragendes Beispiel für Kunst am Bau in Auerbach des vergangenen Jahrhunderts", sagt Rainer Hrasky, Musiker, Komponist und Hobbyfotograf. Auf der Suche nach Motiven aus Jugendstil und Gründerzeit ist er an und in der Geschwister-Scholl-Schule an der Bertolt-Brecht-Straße fündig geworden.

Das 1912 erbaute Schulhaus ist innen und außen mit zahlreichen Reliefs ausgestattet. Eingangsportal und Säulenkapitelle zieren ornamentale und florale Motive. Die seitlichen Außenwände sind mit figürlichen Friesen ausgestattet, auch mit einer Sonnenuhr auf der Parkseite. Drinnen begegnet dem Besucher ein Fries mit der Überschrift "Frisch, fromm, fröhlich, frei". Dargestellt werden unbekleidete Sportler - eine Hommage an die sportliche Betätigung der Jugend, der man schon damals große Beachtung schenkte.

Mit seiner, wie er sagt, Hosentaschenkamera hat Hrasky auch in der Umgebung der Schule, etwa zwischen Kaiserstraße und Göltzschtalstraße, viele bemerkenswerte Arbeiten im Bild festgehalten, meistens an Wohnhäusern und Villen. In Stein verewigt haben die damaligen Handwerksbetriebe - es sind Abgüsse von Modellformen - die Wünsche ihrer Kunden. Hier und da tauchen auch allegorische Darstellungen, wie der Sensenmann mit der Stundenuhr, die junge Frau unter Weintrauben und Akanthus, die das Leben verkörpert, und andere auf. "Die Textilindustrie hat Auerbach von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts Aufschwung und Wohlstand gebracht. Es entstanden prächtig ausgestattete Wohnhäuser. Man hat den Eindruck, die Unternehmer wollten sich mit der Ausschmückung gegenseitig überbieten", resümiert Hrasky.

Zu Kriegs- und DDR-Zeiten sind die Bauten zunehmend verfallen. Erst nach der Wende wurden etliche wieder saniert. Im früheren Glanz von Jugendstil und Gründerzeit erwecken sie heute wieder Aufmerksamkeit. Als Nicht-Auerbacher - er ist erst nach der Wende in die Stadt gezogen - vermag Hrasky die Gebäude nicht ihren Erbauern zuzuordnen. "Mir sind die Ausschmückungen bei meinen Spaziergängen aufgefallen und seit anderthalb Jahren fotografiere ich diese schönen Details", so der Kunstfreund.

Etwa 20 Fotos von Rainer Hrasky können am heutigen Freitag, 19 Uhr zur Ausstellungseröffnung in der Musikschule Auerbach, Altmarkt 2, erstmals bewundert werden. Vielleicht bringen Besucher mehr Licht ins Dunkel des Gründerzeitviertels. Zu sehen sind die Bilder bis zum Start der Sommerferien.

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