Konzept für eine humane Arbeitswelt

Ein diskussionsfreudiges Publikum hat Linken-Parteichef Bernd Riexinger in Rodewisch bei seiner Lesung zum Thema Klassenpolitik angetroffen.

Rodewisch.

Zwei Stunden nimmt sich Bernd Riexinger Zeit. Für die Vorstellung seines Buches "Neue Klassenpolitik" und Reaktionen darauf. 20 Frauen und Männer saßen dem Vorsitzenden der Linken am Mittwoch im Rodewischer Schlösschen gegenüber: Parteikollegen von der Basis, Sympathisanten und Menschen, die sich Antworten auf Fragen erhofften oder einfach nur zuhörten.

Parteichef und Gewerkschaftssekretär in einer Person definierte Riexinger den Klassenbegriff neu und stellte sein Konzept einer verbindenden Klassenpolitik vor. Im Kern geht es um die Bedeutung von Solidarität und einer humanen Arbeitswelt. Um die Abschaffung der Spaltung und Schwächung von Arbeitnehmern und deren Gewerkschaften. Und um prekär Beschäftigte ohne den Vorteil einer Gewerkschaft zur Interessendurchsetzung. Dabei scheute er nicht davor zurück, Versäumnisse der eigenen Partei aufzuzeigen. "Linke Klassenpolitik muss verbinden und darf nicht ausgrenzen", betonte Riexinger. Seitens der Arbeitnehmer müsse es wieder mehr Mitbestimmung geben. "Wir brauchen Demokratie in der Wirtschaft", betonte er.


Jene humane Arbeitswelt beginnt für Bernd Riexinger bei der Vermeidung diskriminierender Begriffe. So findet er etwa die Bezeichnung sozial schwach für Geringverdiener als unangebracht: "Das ist der totale Hohn." Schwach seien vielmehr die sozialen Lebensverhältnisse. "Wir müssen dafür sorgen, dass sie unter diesen Bedingungen nicht länger arbeiten müssen." Auerbachs Linken-Stadtrat Volker Mieth ging mit dem Parteivorsitzenden konform, verlangte aber auch: "Es ist wichtig, dass wir als Linke immer wieder auf die Ursachen verweisen."

Anne Below war ohne Parteibuch zur Veranstaltung gekommen und mit einem Anliegen. Allgemein solle die Politik mehr an die Jugend denken, sagte sie. Aber wie? "Wir müssen auch die ökologischen Themen besetzen", entgegnete Riexinger und sprach dabei speziell für seine Partei. "Ökologie ist eine soziale Frage." Außerdem werde im Osten zu wenig an der Verjüngung der Linken gearbeitet. "Die Jugend ist gegen Krieg und Aufrüstung, hat aber nicht das Gefühl, dass die Regierung mitmacht", sagte er.

Einem Gast, der sich als Sympathisant bezeichnete, fehlte eigenen Aussagen zufolge ein konkretes Friedenskonzept in Linker Wahlpolitik. Riexinger verwies auf Waffenexporte insbesondere in Kriegs- und Krisengebiete, denen man sich entgegenstelle. "Krieg ist die wichtigste Fluchtursache", sagte er. Und an jenen Zuhörer gerichtet, der wissen wollte, wie ein weiteres Erstarken rechter Kräfte besonders in Sachsen verhindert werden könne: "Wir dürfen Rechten nicht die öffentlichen Räume überlassen. Wir müssen dagegenhalten, damit sich die Leute nicht an rechte Hetze gewöhnen."

Service Die "Neue Klassenpolitik - Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen" von Bernd Riexinger erschien 2018 im VSA-Verlag. Es hat 160 Seiten, die ISBN-Nummer 978-3-89965-827-9 und kostet 14,80 Euro.

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