Lehrer weckte mit Westbüchern die Liebe zur Biologie

38 Ehemalige des Einschulungsjahrgangs 1958 haben sich am Samstag in ihrer alten Schule in Falkenstein umgesehen. Aber nicht jedes Fach weckt schöne Erinnerungen.

Falkenstein.

Wiedersehen macht Freude. Auch bei 38 Frauen und Männern, die ihrer Falkensteiner Schule am Samstag einen Besuch abstatteten. 1958 standen sie als aufgeregte ABC-Schützen in Reihen vor der Türschwelle zur Zweiten Oberschule. Heute heißt das Haus Wilhelm-Adolf-von-Trützschler-Oberschule. Außer dem Namen habe sich gar nicht viel geändert, so ihre Feststellung.

Um die 70 Ehemalige hatte Rosemarie Glöckner für das Klassentreffen angeschrieben. Einige blieben außer Reichweite. Aufgeteilt in drei Klassen begann vor genau 60 Jahren für insgesamt 100 Kinder der Ernst des Lebens. "Damals gab es starke Klassen", berichtete sie. "In manchen Jahren waren wir sogar 40." Aktuell lernen 304 Mädchen und Jungen an der Einrichtung, verteilt auf 13 Klassen.

Die meisten Schulanfänger von damals blieben dem Vogtland treu. Manche kamen aus anderen Ecken Sachsens, der weiteste aus Berlin. "Zwei leben im Ausland, in der Schweiz und Australien", weiß Rosemarie Glöckner. Wer den Besuch einrichten konnte, erlebte keine Premiere: Zur Halbzeit vor 30 Jahren ließen sich die 58er schon durchs Gebäude führen. "Die Tür ist wahrscheinlich noch dieselbe", stellte Stephan Ernst fest. "Auch die Bäume, aber die sind bestimmt noch viel älter." Auf dem Trützschlerplatz versammelten sie sich immer zur Hofpause.

An einen Lehrer namens Lenk erinnert sich Stephan Ernst besonders gerne. Der gab Biologie - und bediente sich bisweilen "unorthodoxer" Mittel. "Er hat mir Westbücher geborgt", erzählte Ernst. Man bedenke: Mitte der 1960er Jahre stand die Mauer felsenfest. "Das war ein unverfängliches Thema", lacht der Klingenthaler. Und er ist froh, von diesem Lehrer unterrichtet worden zu sein. Denn er prägte sein weiteres Leben, legte den Grundstein für Ernsts Liebe zur Biologie, der Natur und insbesondere zur Vogelkunde. Später stand Ernst als Unterstufenlehrer selbst vor Schülern. Biologe ist er zwar nicht geworden, aber Freizeit-Ornithologe - bis heute.

Rosemarie Glöckner ging auch gerne an die "Zweite". Sportstunden machten ihr allerdings das Schülerleben schwer. "Davor hatte ich richtig Angst", sagte sie. "Ich war einfach nicht sportlich." Auch sie blieb dem Schulbetrieb erhalten - als Sekretärin in Rodewisch. Seit 30 Jahren organisiert die Auerbacherin Treffen. Anlässe waren bislang 50 Jahre Jugendweihe, der Abschluss und jetzt die Einschulung. "In letzter Zeit treffen wir uns fast jedes Jahr", sagte sie. Der "harte Kern" hat sich also nie aus den Augen verloren.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...