Mann mit Geschmack testet 70 Brotsorten

Bei Brotprüfung stellten 19 Bäcker der vogtländischen Innung ihre Waren vor

Plauen.

Michael Isensee drückt den Finger leicht und etwas fester in den Brötchenteig. Wenn dieser gut zurückfedert, ist der Niedersachse zufrieden. Natürlich auch, wenn die Doppelbrötchen, die hierzulande Semmeln heißen, eine eher dunkle Unterseite haben, weil sie auf der Herdplatte gebacken wurden, und wenn er die Zutaten schmeckt.

"Das ist mein Job", sagte der Mann mit dem goldenen Brezel-Anstecker am Kittelkragen bei der Verkostung am gestrigen Mittwoch im Einkaufszentrum Stadt-Galerie in Plauen. Isensee ist seit 28 Jahren als Brotprüfer unterwegs, auch in Mitteldeutschland. Er testet Brote, Brötchen und Stollen. Der Bäckermeister ist im Vogtland gern gesehener Gast. Wenn die Bäckerinnung ruft, legt er los, schiebt Brot- und Brötchenproben im Akkord in den Mund. Dafür dass seine fein ausgeprägte Sensorik stets funktioniert, sorgt zwischendurch immer mal ein Schluck Mineralwasser - "zum Neutralisieren", so Isensee.

Während der Experte über 70 Backwaren bewertete, wofür er knapp vier Stunden benötigte, schauten ihm so manche Stadt-Galerie-Besucher und Mitglieder der 36 Mitglieder zählenden Bäckerinnung Vogtland über die Schultern. Viele nutzen die Chance zum Small Talk mit den Handwerkern, darunter auch ein Ehepaar, das Innungsobermeister Jörg Schürer eine kuriose Geschichte erzählte: Kürzlich hätte der Mann ein Zweipfundbrot gekauft, das ihm sehr leicht vorkam. Zu Hause auf der Küchenwaage ergab sich ein Gewicht von 844 Gramm. Dennoch sei der Vogtländer froh, dass noch Bäcker existieren, vor allem, weil seine Frau von Industriebrot Bauchweh bekäme.

"Auf die Bekömmlichkeit von echtem Bäckerbrot können Sie vertrauen", erwiderte Schürer, der seinen Betrieb in Morgenröthe-Rautenkranz betreibt. Den leichten Zweipfünder indes sah er als menschlich an und plädierte dafür, den Bäcker daraufhin anzusprechen. Während Schürers Kunden auf das Kutscherrad stünden, ein großes, rundes Mischbrot, sei allgemein ein Trend zu gesunden Vollkornprodukten festzustellen. Auch Sabine Geipel von der Bäckerei Paul in Stöckigt hat diese Beobachtung gemacht. Der Renner bei ihr seien allerdings Semmeln. Beide Handwerker sind sich einig darüber, "dass die Leute wieder wissen wollen, was sie essen."

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