Mühlgrüner Kleingärtner kämpfen ums Überleben

Die Mitglieder des Vereins müssen trotz abgebauter Schulden künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Es geht um die Existenz ihres Verbundes.

Auerbach.

Auf die 132 Mitglieder des Kleingartenvereins Mühlgrün kommt höchstwahrscheinlich eine Kostenerhöhung zu. Mit dieser Feststellung endete die erweiterte Vorstandssitzung am Freitag. Anstatt der bisherigen 6,74 Euro müssen wohl bald 15 Euro pro Monat an den Verein entrichtet werden. Die jährliche Umlage für Reparaturen und Instandhaltungen wird voraussichtlich von 10,25 auf 11 Euro steigen. Dazu sollen - ebenfalls einmal im Jahr - neuerdings 3,77 Euro für die Grundsteuer A kommen.

Vor vollendete Tatsachen wollte man alle anderen Vereinsangehörigen jedoch nicht stellen. Die Mitgliederversammlung Ende April soll als Diskussionsplattform dienen und erst dann eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Die letzte Beitragserhöhung gab es 2005. Damals hatte er sich fast verdoppelt. Trotzdem könne man damit nicht mehr existieren, betonte Vereinschef Bernd Übelacker.

Aktuell setzen den Kleingärtnern drei Dinge finanziell zu: Das Vereinsheim an der Volkmarstraße muss saniert werden, obendrein stehen 87 der insgesamt 257 Gärten leer. Auch die Misswirtschaft des 2014 abgewählten Vorstandes hinterließ gewaltige Spuren. Weil der weder Grund- noch Gewerbesteuern abgeführt hatte, häufte sich ein Schuldenberg von fast 10.000 Euro an. Übelacker brachte zur Versammlung aber auch gute Nachrichten mit: "Seit 1. Oktober sind wir schuldenfrei", sagte er. Somit sei eine Insolvenz verhindert worden.

Die Reparaturen am zentralen Gebäude gestalten sich umfangreich. Das Dach ist zum Teil kaputt, auch der Fußboden im Gang. Die Stromanlage muss überprüft und das Kabelnetz im Saal erneuert werden. Beides gestaltet sich Bernd Übelacker zufolge kompliziert, weil eine Fachfirma bei der Installation gepfuscht hatte. "Es ist schwer, jemanden zu finden, der das macht", sagte er. Etwa 6000 Euro kommen für die Reparaturen zusammen, was eine Kreditaufnahme in gleicher Höhe nach sich zieht. Die Vereinseinnahmen beliefen sich 2018 auf knapp über 5100 Euro.

Der überwiegende Teil der Mühlgrüner Kleingartenanlage - als größte im Raum Auerbach - befindet sich auf Stadtgelände. Mit der Kommune machten Bernd Übelacker und seine Mitstreiter aber offensichtlich weniger gute Erfahrungen. "Schon seit 2010 kriegen wir keinen Pachtrücklauf mehr", sagte er. Vor zwei Jahren war ein neuer Antrag gestellt worden. Der nächste soll bald folgen, versicherte Tommy Brumm, Vorsitzender im Regionalverband Göltzschtal der Kleingärtner. Auch intensive Gespräche mit der Stadt sind vorgesehen.

"Wir müssen vorrechnen, wohin das führt. Dass den Vereinen die Luft ausgeht", sagte Brumm. Die Stadt müsse "auch etwas geben und auf die demografische Entwicklung gucken". Profitieren kann der 97 Jahre alte Mühlgrüner Anlage möglicherweise vom Leader-Förderprogramm. "Wir sind an einem Punkt, wo wir Hilfe brauchen", so Tommy Brumm weiter.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...