Nahverkehrs-Chef: "Neue Nutzer kommen nicht über Nacht"

Plusbus, Taktbus, Rufbus, neue Abfahrtszeiten und Linien - seit Oktober 2019 rollen Busse und Bahnen im Vogtland nach neuen Plänen. Mit Michael Barth ist auch der Mann im Führerstand ein neuer.

Auerbach.

Drei Monate nach Einführung des Vogtlandnetzes 2019+, das Bus und Bahn im Vogtland besser vernetzen soll, sei es zu früh, eine Zwischenbilanz zu ziehen, sagt Michael Barth. "Aber wenn es belastbare Zahlen gibt, wird es diese Zwischenbilanz geben", verspricht der neue Geschäftsführer des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV).

Barth, seit 1. Januar im Amt, war im Juni 2019 von der Verbandsversammlung zum neuen Geschäftsführer bestellt worden. Vorgänger Torsten Müller war Anfang 2019 gegangen, nachdem er das neue Verkehrs- und Fahrplankonzept auf die Schiene gesetzt, die Umsetzung den ZVV-Mitarbeitern um Katrin Tunger und Sebastian Eßbach überlassen hatte, die zwischenzeitlich als Geschäftsführer agierten. "Und die haben ihre Sache hervorragend gemacht", sagt der neue Geschäftsführer, der zugleich bekennt: Er stehe noch am Beginn der Einarbeitung, voreilige Einschätzungen wolle er nicht treffen.

Dabei ist Barth weder das Vogtland fremd, noch der Bereich Verkehr, dem er sich schon bei der IHK in Plauen widmete. "Die Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und die Vernetzung mit Akteuren aus Wirtschaft und Kommunen sind da hilfreich", glaubt der Neue. Neben dem Kennenlernen der 40 Mitarbeiter gehören für Michael Barth aktuell Gespräche mit Bürgermeistern und die Beschäftigung mit den Beschwerden, die den Zweckverband erreichen, zum Arbeitsalltag. "Nur so gewinne ich ein realistischen Bild, wo es Probleme gibt, ob es Einzelfälle sind oder Fehler im System." Dieses Qualitätsmanagement aus der Wirtschaft wolle er auf den ZVV übertragen. "Dieser Prozess wird schrittweise zu Änderungen und Verbesserungen führen", ist Barth überzeugt.

Zugleich betont er, "100-prozentig" zum neuen Vogtlandnetz zu stehen. Es verbessere vielerorts für die Vogtländer den Zugang zu Bus und Bahn. "Der Rufbus zum Beispiel, das zeichnet sich bereits ab, ist ein Erfolg. Wer damit einmal positive Erfahrungen gemacht hat, wird ihn wieder nutzen", so der Geschäftsführer. Auf der Haben-Seite verbucht er auch die 40 neuen Busse für das Plus-Netz - "auch die sind ein Gewinn für die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs".

Natürlich wäre auch ihm lieber "wenn die schicken Busse schon jetzt mindestens zur Hälfte oder noch besser besetzt sind", sagt Barth. Aber das werde sich mit steigender Akzeptanz des Vogtlandnetzes ergeben. Zumal der ZVV mit der besseren Anbindung von Industrie- und Gewerbegebieten einen immer wieder geforderten Schritt gegangen sei. "Aber die potenziellen Nutzer kommen nicht über Nacht. Ein Jobticket kann neue Kunden bringen, da setzt das Umdenken gerade er erst ein", hat Michael Barth beobachtet.

Zur Weiterentwicklung des Personennahverkehrs zählen für Barth deshalb nicht nur neues Vogtlandnetz samt Fahrplan, sondern auch barrierefreie und zum Nutzerverhalten passende Haltestellen, etwa um touristische Ziele im Vogtland besser zu erschließen. Und nicht zuletzt die bessere Einbindung des Vogtlandes in den überregionalen Schienenverkehr, die seit Jahren gefordert wird.

Doch das seien langfristige Zielsetzung. Aktuell gehe es um die Etablierung des Vogtlandnetzes. "Ohne dabei aus den Augen zu verlieren: Wir sind hier ländlicher Raum. Da wird Individualverkehr immer eine Rolle spielen", sagt Michael Barth - und schließt sich dabei ausdrücklich ein: Für Arbeits- und Dienstweg setzt der Geschäftsführer auf das Auto, mit der Familie in Plauen und für Ausflüge auf Straßenbahn und Zug. "Und schon immer aufs Fahrrad", versichert Michael Barth.


Zur Person

Michael Barth ist seit 1. Januar Geschäftsführer des Zweckverbandes öffentlichen Personennahverkehr Vogtland (ZVV) und der Verkehrsverbund Vogtland GmbH (VVV). Gleichzeitig leitet er den länderübergreifenden Nahverkehrsverbund EgroNet im Vierländereck Tschechien, Bayern, Thüringen und Sachsen. Der 48-Jährige stammt aus Glauchau, studierte Rechtswissenschaften und war unter anderem Geschäftsführer der Regionalkammer Plauen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Zuletzt war er beim Falkensteiner Jalousienhersteller Erfal tätig und absolvierte ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaft. Barth ist verheiratet, Vater eines Kindes und lebt in Plauen. (how)

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