Neuer Markt am Bendelstein kommt - Versorgungslücke bleibt

Wenn alles optimal läuft, ist im Frühjahr Baustart. Trotzdem muss das Neubaugebiet ein Jahr lang ohne Nahversorgung auskommen. Oder findet sich eine Lösung?

Auerbach.

Seit kurzem ist bekannt, dass Rewe am Bendelstein zum Jahresende schließ - die Empörung unter den Anwohnern ist groß. Nun zeichnet sich eine Lösung ab: Auerbachs Stadtrat wird am Montag voraussichtlich den Weg frei machen für einen neuen Lebensmittelmarkt am Bendelstein sowie die Modernisierung des bisherigen Nahversorgungszentrums. Drei Vorlagen befassen sich mit dem Thema.

Den neuen Supermarkt errichten will das Chemnitzer Unternehmen Dorn und Partner, und zwar an Stelle der benachbarten, seit Langem leer stehenden Halle. "Das Grundstück gehört uns, die Antwort auf unsere Bauvoranfrage ist überfällig", so Geschäftsführer Rainer Dorn. Man stehe zudem in Kaufverhandlungen über das Areal des Nahversorgungszentrums. Das gesamte Gebiet solle als "planerische Einheit" erschlossen werden, sagt Dorn.


"Die Stadt hätte schon längst handeln können, auch ohne Ratsbeschluss", meint der Investor, der seit 25 Jahren Immobilien in ganz Deutschland entwickelt, vermittelt, verpachtet und verwaltet. Man habe einen unnötigen Zeitverzug von vier bis sechs Monaten. "Die Nahversorgung wird deshalb auf jeden Fall für längere Zeit nicht gegeben sein." Wenn am Montag alle notwendigen Beschlüsse gefasst würden, könnten die erforderlichen Baugenehmigungen bis Jahresende vorliegen und der Bau im nächsten Frühjahr starten. Dorn rechnet mit einer Bauzeit von sechs bis acht Monaten für das neue Objekt, das eine Verkaufsfläche von bis zu 1800 Quadratmetern haben soll: "Ende 2020 könnte also eröffnet werden."

Noch unklar ist nach Angaben des Geschäftsführers, was vom derzeitigen Versorgungszentrum überhaupt zu retten ist. Er geht davon aus, dass zumindest die beiden Riegel perspektivisch abgerissen werden müssen. Der "Erosionsprozess" der Bausubstanz sei weit fortgeschritten, zudem seien bei der Errichtung in den 90er-Jahren Baufehler begangen worden. Für das Rewe-Objekt laufe gerade die Prüfung.

Im Zentrum gibt es derzeit Apotheke, Kinderärztin, Reisebüro, Blumenladen und Logopädie. Dorn lässt durchblicken, dass er gern weiteres Gewerbe ansiedeln möchte: "Natürlich muss dabei Rücksicht auf die Innenstadt genommen werden, dafür habe ich volles Verständnis." Doch das Einzelhandelskonzept der Stadt hält er für "veraltet" - so etwas müsse ständig angepasst werden.

Volker Mieth, Fraktionschef der Linken im Stadtrat, betont: "Wir wollen schnell die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen." Bei der Frage, was angesiedelt werden dürfe, werde man sich an einem Gutachten der Beratungsgesellschaft Cima orientieren. Die Zeit ohne Lebensmittel-Versorgung müsse "so kurz wie möglich" gehalten werden, schließlich habe man als Stadt die Verantwortung für 4000 bis 5000 Bürger, die im Neubaugebiet leben. Mieth wünscht sich eine "provisorische Versorgung" in der Zeit zwischen Rewe-Schließung und Eröffnung des neuen Marktes.

CDU-Fraktionschef Joachim Otto sieht es genauso: Die Nahversorgung stehe im Vordergrund. Deshalb habe man Pläne für eine Rewe-Erweiterung befürwortet. Dass der frühere Investor diese nicht umsetzen könne, sei erst seit Kurzem bekannt. "Wird ein neuer Markt gebaut, muss alles getan werden, um über Interimslösungen die Versorgung mit Lebensmitteln und das Dasein der kleineren Geschäfte und Dienstleister abzusichern", so Otto.

Auch für Bauamtsleiter Patrick Zschiesche wäre eine solche lückenlose Lösung "das allerschönste" - man habe darüber gesprochen, umsetzen könnten dies nur andere. Dorns Vorwurf bezüglich eines möglichen Handelns ohne Ratsbeschluss weist er zurück: "Natürlich muss über Entscheidungen von solcher Tragweite der Stadtrat abstimmen."

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