Pro Erdkabel: Grünbacher holen sich Unterstützung im Landtag

Mitnetz soll an den Verhandlungstisch - das fordern jetzt auch die sächsischen Grünen. Dem Stromriesen werden Ignoranz und Arroganz vorgeworfen.

Grünbach.

Nach einem Gespräch mit Vertretern der Grünbacher Erdkabel-Initiative zeigt sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold "entsetzt" darüber, wie leichtfertig in Sachsen die Akzeptanz für den Stromnetzausbau aufs Spiel gesetzt werde. Sowohl der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) als auch der Netzbetreiber Mitnetz gefährdeten mit ihrer "Ignoranz" gegenüber aktiver Bürgerbeteiligung am Ende die Versorgungssicherheit im Freistaat.

In Grünbach geht es darum, dass eine Mittelspannungsleitung (30 kV) zu einer Hochspannungsleitung (110 kV) aufgerüstet werden soll. Für die Ortslage Grünbach ist eine Freileitung geplant, was zur Überspannung von Wohngrundstücken und damit zu Enteignungen führen würde. Deshalb fordern die Grünbacher eine Verlegung unter die Erde. Momentan haben sie einen Baustopp erreicht. Lippold ist energiepolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag. Er verweist darauf, dass die Bürger den Netzausbau keinesfalls verhindern wollen, sondern Alternativvorschläge präsentieren - eben die Verlegung unter die Erde. Doch nach seinem Eindruck bevorzuge Mitnetz weiterhin Freileitungen und wische begründete Gegenvorschläge der Betroffenen beiseite.

Moderne 110-kV-Netze seien unverzichtbar, betont Lippold. "Wenn jedoch die betroffenen Bürgerinnen und Bürger nicht ernsthaft einbezogen werden, führt das zu Widerspruch, Einsprüchen und langwierigen Gerichtsverfahren." Der Landtagsabgeordnete fordert Innenminister Wöller auf, von den ihm unterstehenden Landesdirektionen eine mögliche Erdverkabelung "sehr sorgfältig prüfen zu lassen". Am Ende profitierten schließlich alle, wenn der Leitungsbau akzeptiert sei und zügig umgesetzt werden könne: "Gesellschaftliche Akzeptanz ist vielleicht die wichtigste Ressource der Energiewende."

Damit wird es in Grünbach offenbar noch eine Weile dauern: Seit dem Baustopp Anfang Juli ist nach Angaben von Veronika Linnemann auch hinter den Kulissen nichts mehr passiert. Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus hat sie für die Bürgerinitiative das Klageverfahren übernommen, damit trägt das Ehepaar auch das finanzielle Risiko. "Wir würden uns gern mit Mitnetz an einen Tisch setzen und einen Kompromiss finden - doch Mitnetz bewegt sich nicht. Offenbar wollen die das aussitzen", sagt Veronika Linnemann. "Das finden wir sehr traurig und ärgerlich." Deshalb habe man sich an die Politik gewandt, um so Druck zu machen und das Thema in der Öffentlichkeit zu halten. Das Verhalten des Stromriesen bezeichnet sie als "arrogant". Mitnetz wolle offenbar die Entscheidung im Hauptklageverfahren abwarten, das frühestens in zwei Jahren verhandelt wird.

Das sächsische Oberverwaltungsgericht hatte den Baustopp für die Hochspannungsleitung damit begründet, dass die zuständige Landesdirektion im Planfeststellungsverfahren Fehler gemacht habe. Konkret ging es um die Umweltverträglichkeitsprüfung: Diese sei zu oberflächlich gewesen, zwei sehr wichtige Naturschutzgebiete im Grünbacher Ortsteil Muldenberg seien nicht ihrer Bedeutung entsprechend eingestuft worden.

Vom Stromversorger Mitnetz war zu den Vorwürfen von Bürgerinitiative und Bündnisgrünen gestern ebenso wenig eine Stellungnahme zu erhalten wie von der Pressestelle des sächsischen Innenministeriums.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...