Prozess um grausamen Hundetod: Beschuldigter bestreitet Vorwürfe

Das Interesse an dem Fall aus Kottengrün ist enorm. Die erste Verhandlung musste gestern jedoch abgebrochen werden.

So etwas gibt es nicht oft im Auerbacher Amtsgericht: Im Verhandlungssaal mussten gestern zahlreiche Gäste stehen - das Interesse für den Prozess um einen getöteten Hund war so groß, dass die Sitzplätze nicht ausreichten.

Einem 62-jährigen Vogtländer wird vorgeworfen, dass er im Herbst 2016 an einem Wildgehege bei Kottengrün einen Mischling mit der Kugel aus einer Schusswaffe so schwer verletzt hat, dass dieser verblutet ist. Danach habe er den Hund zwei Kilometer vom Gehege entfernt im Wald abgelegt. Das Tier - ein Schäferhundmischling namens Meddox - gehörte einer Kottengrüner Familie. Er war Ende September 2016 ausgerissen und am 5. Oktober tot aufgefunden worden.

Fest stehe laut Aussage eines Zeugen, dass das etwa zwei Meter neben dem Gehege gefundene Blut von Meddox stammt. Das habe die Untersuchung durch die Polizei ergeben. Nach Aussagen zweier anderer Zeugen hat sich der Beschuldigte auch gegenüber ihren Hunden aggressiv verhalten. Sie seien mit ihren Tieren unweit des Geheges unterwegs gewesen. Die Zeugen sagten aus, dass der Beschuldigte sein Gewehr auf einen der Hunde angelegt hätte, weil er freilaufend unterwegs war. "Leine deinen Köter an, sonst kannst du ihn heim tragen", hätte der Beschuldigte gesagt.

Eine weitere Zeugin hatte bereits vor einiger Zeit bei der Vernehmung durch die Polizei zu Protokoll gegeben, dass sie am 27. September 2016 gegen 17.45 Uhr einen Schuss und danach die Laute eines Hundes gehört habe. Diese Protokollaussage gab Richter Helmut Böhmer gestern vor Gericht wieder. Außerdem habe die Zeugin gesehen, wie der Beschuldigte etwa 15 Minuten nach dem Schuss mit einem Fahrzeug an den Ort des mutmaßlichen Geschehens zurückgekehrt sei - das Wildgehege bei Kottengrün gehört ihm. Die Zeugin sei dort mit ihren Hunden unterwegs gewesen.

Diese für die Urteilfindung maßgeblichen Details wollte der Richter gestern gern nochmals persönlich von der Zeugin vor Gericht hören. Die Frau blieb dem Prozesstag jedoch fern - laut Richter Böhmer war sie nicht vor Gericht erschienen, weil sie niemanden zum Betreuen ihres Kleinkindes gefunden habe. Diese Begründung ließ er jedoch nicht gelten und verhängte ein Ordnungsgeld.

Die Aussagen der Frau hätten neben anderen Indizien dazu beigetragen, dass der Beschuldigte unter Tatverdacht geraten sei, sodass bereits im September 2017 eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen ihn verhängt wurde. Weil er damit nicht einverstanden war, ging er in Widerspruch. Deshalb kam es gestern zur Verhandlung.

Bei dieser bestritt der Beschuldigte sowohl das Anlegen des Gewehrs als auch den Tötungs-Vorwurf: "Von Mitte September bis Mitte Oktober ist beim Rotwild die Hirschbrunft. Da brauchen die Tiere Ruhe. Ich führe in der Zeit gar keine Waffe mit."

Weil die wichtige Zeugin nicht erschienen war, wurde die Verhandlung gestern abgebrochen. Neuer Termin: 17. August. Dann soll die Frau gehört werden. Bei der Fortsetzung könnte die Strafe höher als 2000 Euro ausfallen. Denn es wird nicht mehr nur wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch wegen der juristisch als Sachbeschädigung bezeichneten Tötung des Hundes weiterverhandelt. Darauf verständigten sich gestern Richter und Staatsanwalt.

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