Spitze Feder macht vor keinem Thema halt

Die neue Sommercartoon-Ausstellung in der Auerbacher Göltzschtalgalerie ist mit einer Live-Show an den Start gegangen.

Auerbach.

Zum Zeichnen muss sich Mario Lars auf seine vier Buchstaben setzen. Unbedingt. "Ein Witz fällt mir nicht einfach so ein", sagte er. Der Notizblock ist trotzdem immer am Mann. Fast immer. "Heute habe ich ihn im Hotel gelassen", erklärte der Künstler. Für neue Ideen war er am Freitagabend in der Auerbacher Göltzschtalgalerie wohl auch viel zu beschäftigt. Mit seiner Live-Show "Ostwind" eröffnete Lars die 26. Sommercartoon-Ausstellung in der Nicolaikirche.

Knapp 50 Werke aus eigener Produktion hängen seitdem an Wänden im Foyer und Saal. Sie vereint eine Überschrift, die Raum für persönliche Interpretation lässt: "Menschen sind auch keine Lösung", erklärt der Cartoonist mit spitzer Feder.

Die Vernissage nutzte Mario Lars nicht nur zum Anfüttern und Vorzeigen aktueller Bilder beziehungsweise Cartoons. Der Mann aus Knefen bei Schwerin berichtete seinem Publikum auch anderthalb Stunden lang über sich selbst und schilderte, wie seine Cartoons Gestalt annehmen. Das passiert längst nicht mehr mit Stift und Zettel, sondern am Computerbildschirm.

Geschätzte 1500 Arbeiten umfasst sein Werk inzwischen. Vor zehn Jahren hängte Mario Lars seinen Journalistenberuf an den Nagel, begann hauptberuflich als Cartoonist zu arbeiten - und landete gleich mit dem ersten Werk seinen bislang größten Erfolg: Platz zwei beim Deutschen Karikaturenpreis in der Kategorie Publikumslieblinge.

Dass Mario Lars´ Show "Ostwind" heißt, ist kein Zufall. Oft erzählte er am Freitag von "seinem" Bundesland. Als überzeugter Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern nimmt er es dennoch gerne aufs Korn, betrachtet die Heimat durch die Humorbrille und mit Augenzwinkern. Das gilt auch für andere in seinen Cartoons vorkommende Themen: Fußball, Kinder, Krankheiten, das Meer, die DDR im Rückblick und natürlich Dialoge zwischen Männern und Frauen. Seine Werke sind lustig, weil offen, ordentlich gepfeffert, bissig, manchmal etwas böse und sogar rotzfrech, und sie halten der Gesellschaft den Spiegel vor. Lars nimmt kein Blatt vor dem Mund, wenn er zeichnet und spricht. Entsprechend oft bekam sein Publikum Zwerchfellattacken zu spüren.

Gut amüsieren konnten sich auch Bärbel Lischak und Heidrun Päßler. Die beiden Frauen sind Cartoon-Fans. "Ich liebe es, dass man lachen und mal abschalten kann", sagte Heidrun Päßler. Ihre Sitznachbarin mag die humorvolle Zuspitzung alltäglicher Begebenheiten. Die Freude hätten sie gerne mit mehr Publikum geteilt. "Schade, dass so wenig Leute da waren."

Die Ausstellung kann ab Mittwoch besichtigt werden. Die Öffnungszeiten der Göltzschtalgalerie: Mittwoch bis Freitag 11 bis 18 Uhr, am Wochenende 14 bis 18 Uhr.

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