"Sternstunden"-Konzert überrascht mit unbekannter Note

Ein Kirchenkonzert hat die besinnliche Zeit in Rothenkirchen eingeläutet. Mittendrin eine Rarität: Die "Kantate zum 1. Advent" wird selten aufgeführt und wurde vor 20 Jahren wiederentdeckt.

Rothenkirchen.

Kirchenkonzerte gehören in Steinberg am 1. Advent zum guten Brauch. Tradition ist es auch, dafür die Rodewischer Musikschule einzuladen. Diesmal bekamen Kammerorchester und Chor Verstärkung aus Zwickau. Knappe zwei Stunden sorgten sie neben dem Hochschulchor der Westsächsischen Hochschule Zwickau, sechs Solisten und einem Trompetenensemble für besinnliche Stunden.

Mit Werken von Händel, Telemann und Bach beschritten die 32Musikschüler Neuland. Klassik stehe sonst nie auf dem Programm, sagte Orchesterleiter Harald Gerhard. Zwar musste eine gemeinsame Probe am selben Tag genügen. "Eine kleine Abordnung des Hochschulchores ist aber zum Proben nach Rodewisch gekommen", erzählte er. Sein Fazit: "Sie haben ihre Sache gut gemacht." Das ließ sich auch am Applaus ablesen. Davon gab es am Ende des "Sternstunden"-Konzertes so viel, dass Zugaben fällig wurden.

Ein Werk war für alle Akteure neu. Christian Gotthilf Tags "Machet die Tore weit - Kantate zum 1.Advent" ist zwar über 200 Jahre alt, erlebte in jüngerer Zeit aber möglicherweise erst zum dritten Mal eine Aufführung. Genau kann es auch ihr Finder Volkmar Krumrei nicht sagen. Er geht jedoch von mehr Aufführungen aus.

Der ehemaliger Kantor der Christophorikirche zu Hohenstein-Ernstthal entdeckte den Schatz bereits vor 20 Jahren. Bis zu seinem Wechsel in den Ruhestand arbeitete er genau dort, wo Tag einst ebenfalls als Kantor und Lehrer wirkte. Obwohl Christian Gotthilf Tag (1735 bis 1811) nie die Berühmtheit von Bach oder Beethoven erlangte, ist sein Vermächtnis stattlich. Nachweislich stammen über 100 Kantaten aus dessen Feder. Sie liegen verstreut in deutschen Archiven. Aber nicht alle. "Auswanderer haben sie sogar im 19. Jahrhundert nach Amerika mitgenommen", weiß Krumrei.

Stolze 53 Dienstjahre verbrachte Christian Gotthilf Tag in der Hohensteiner Kantorei. "Das schafft heute niemand mehr", sagte Volkmar Krumrei. Er hat sich seit seinem Fund im Kantorei-Archiv der St.-Laurentius-Kirche Lichtenstein intensiv mit der handschriftlichen Kantate beschäftigt und eine kleine Änderung vorgenommen. Das Stück quasi für die Gegenwart brauchbar gemacht. "Ein Problem war die Höhe", berichtete er. "Ich musste das Ganze einen Ton tiefer setzen, da die Stimme vor 200 Jahren sicherlich auch tiefer gelegen hat." Ansonsten blieb die 24-Minuten-Kantate für zwei vierstimmige Chöre, Solisten und Orchester unangetastet. "Das ist leichtfüßige Musik, die man ganz schnell mitsingen kann", erklärte Volkmar Krumrei. "Bach ist dagegen tiefgründig. Und Mozart genial."

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