"Topasfelsen ist Herz des Geoparks"

Freiberger Wissenschaftlerin zeigt sich begeistert von Enthusiasmus und Interesse der Vogtländer

Ideen für den geplanten Geopark "Sagenhaftes Vogtland" sind am Dienstagabend bei einem Workshop im Falkensteiner Rathaus gesammelt worden. Bernd Appel sprach darüber mit Wirtschaftswissenschaftlerin Margit Enke von der TU Bergakademie Freiberg. Sie und ihre Kollegen erstellen derzeit ein Konzept für das Vorhaben.

"Freie Presse": Frau Professorin, waren Sie zufrieden mit dem Abend in Falkenstein?

Margit Enke: Ich bin begeistert vom Enthusiasmus und dem Interesse, mit dem die Bevölkerung sich für den zukünftigen Geopark engagiert. In den beiden Arbeitsgruppen "Tourismus und Marketing" sowie "Infrastruktur" wurden mit je 30 Personen erfolgreich Ideen gesammelt.

Was für Leute sind zum Workshop ins Rathaus gekommen?

Das war ein sehr breites Spektrum von Jung bis Alt. Neben Vertretern der Gemeinden waren Vertreter verschiedener Berufsgruppen und Vereinsmitglieder anwesend, zum Beispiel Wanderer, Imker, Förster, Jäger, Museumsfreunde und Galeristen.

Was können Sie als neue Erkenntnis mitnehmen?

Dass es in der Region viel Erhaltenswertes gibt, was sowohl geologisch als auch touristisch interessant ist. Das reicht von Bauten aus der Zeit der Textilindustrie, Museen, Galerien bis hin zu ganz besonderen Wanderwegen. Es gibt eine große Vielfalt, viele Puzzleteile, die zusammengesetzt werden müssen. Die wunderbarste Erkenntnis für mich war jedoch, dass wir so viel Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten.

Wie lässt sich diese Vielfalt von Angeboten am besten vermarkten?

Indem wir uns zunächst auf ein Alleinstellungsmerkmal konzentrieren, um uns von anderen Geoparks zu differenzieren. Das Herz des Geoparks wird der Topasfelsen Schneckenstein als weltweit einziger seiner Art sein. Vor Ort lässt sich dann den Besuchern die geologische und kulturelle Vielfalt der Region zeigen.

Gab es Hinweise auf weitere Geotope, also besondere Felsformationen, Gesteinsaufschlüsse, Steinbrüche?

Die Kollegen unter Leitung von Professor Thomas Seifert von der TU Bergakademie Freiberg sind seit Wochen dabei, alles zu erfassen. Die Geotop-Struktur im Vogtland ist auf jeden Fall einmalig.

Bis wann soll der Geopark "Sagenhaftes Vogtland" entstehen?

Wir als TU Bergakademie Freiberg erstellen bis Ende August das Nutzungskonzept, die Umsetzung wird natürlich länger dauern. Wir hoffen darauf, auch die Umsetzung zu begleiten.

Für welche Zielgruppen soll der Park interessant sein?

Ein großes Thema soll die Bildung im Bereich Geologie werden, und zwar für alle Alters- und Interessensgruppen, national wie international.

Werden durch den Geopark Arbeitsplätze entstehen?

Davon gehen wir aus, das ist natürlich für alle Beteiligten sehr wichtig und kam auch zur Sprache. Wir denken immer in zwei Richtungen: Der Geopark soll sowohl den Touristen als auch den Bewohnern nützen und die Lebensqualität erhöhen. Beim Workshop war ein hohes Bewusstsein für die Natur ebenso zu spüren wie Heimatverbundenheit und viel Stolz auf das Vogtland.

Wird es einen weiteren Workshop geben?

Ja, im Juni wollen wir das Nutzungskonzept zur Diskussion stellen und freuen uns wieder auf rege Unterstützung durch die Bevölkerung.


Stichwort Geopark

Ein Geopark ist ein besonders ausgewiesenes Gebiet, in dem Erdgeschichte erlebbar wird. Hier soll Wissen vermittelt werden, wie Landschaften entstehen, welche Mineralien es gibt und wie Geologie die Landnutzung beeinflusst. Informiert wird zum Beispiel durch geführte Wanderungen, Informationstafeln und Faltblätter. Vorhanden sein müssen Geotope wie Gesteinsaufschlüsse, Schluchten, Höhlen oder besondere Felsformationen.

Die Bezeichnung "Nationaler GeoPark" wird in Deutschland nach

Prüfung bestimmter Kriterien von der Geo-Union Alfred-Wegener-Stiftung verliehen. Derzeit gibt es 16 Geoparks in Deutschland, etwa Eiszeitland am Oderrand, Inselsberg - Drei Gleichen, Kyffhäuser, Schwäbische Alb oder Vulkanland Eifel. Direkt ans Vogtland grenzt der Geopark Bayern-Böhmen.

Das "Sagenhafte Vogtland" wäre der kleinste deutsche Geopark und identisch mit der gleichnamigen Förder-Region. Dazu zählen die Gebiete von Falkenstein, Werda, Grünbach, Neustadt, Bergen, Ellefeld sowie die Gemeinde Muldenhammer (ohne den Ortsteil Morgenröthe-Rautenkranz).

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