Trotz Sprachbarriere: Flüchtlinge finden im Vogtland Arbeit

Seit Ende 2015 haben 607 anerkannte Flüchtlinge im Vogtland eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz ergattert. Die "Freie Presse" stellt drei von ihnen vor.

Plauen/Auerbach.

Die Integration von Flüchtlingen auf dem vogtländischen Arbeitsmarkt kommt gut voran. Laut dem jüngsten Asylbericht der Kreisverwaltung haben 607 anerkannte Flüchtlinge seit 2015 im Vogtland eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz gefunden. Sie stammen überwiegend aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, berichtet Martina Kober, Geschäftsführerin des Jobcenters. Wenn Menschen mit Migrationshintergrund ohne Job sind, seien dafür oft Sprachbarrieren verantwortlich. Kober kennt jedoch viele positive Fälle, in denen diese Barriere überwunden wurde - drei von ihnen stellt die "Freie Presse" vor:

Familie Alshehabi aus Damaskus fühlt sich in Auerbach heimisch. Vater Nour Eddin Alshehabi (47) kam 2015 ins Vogtland, lernte schnell Deutsch und wollte ins Arbeitsleben starten - "voller Tatendrang", wie er sagt. Mit der Unterstützung von Arbeitsvermittlerin Anke Kober machte er den Lkw-Führerschein und ist seit sechs Monaten Fahrer beim DHL-Paketzentrum in Neumark. "Die Kollegen sind sehr nett zu mir", sagt Alshehabi.

2016 kamen seine Frau und die Kinder - zwei Töchter und ein Sohn, 19, elf und neun Jahre alt - nach Deutschland nach. Die jüngeren Kinder besuchen die Schiller-Grundschule in Rodewisch. Sie haben beim Fußball spielen oder in der Theater-AG schnell Anschluss gefunden, berichten sie. Die Große macht eine Friseur-Ausbildung im Salon Trampau in Schreiersgrün. Die Mutter (31) arbeitet in der Seniorenresidenz in Rodewisch. In Syrien war sie Hausfrau. Ein fester Job im Schichtsystem - zuerst eine Herausforderung. Auch die Sprache macht ihr manchmal zu schaffen: "Manche Patienten verstehe ich wegen des Dialekts nicht. Spaß macht es trotzdem." Unterstützt werden sie von Gerd Badstübner, der die Familie ehrenamtlich begleitet. "Für seine Hilfe sind wir dankbar. Er ist wie ein Bruder für mich", sagt Alshehabi. Die Familie träumt vom Haus mit Garten.

In Sachsen haben von 2012 bis 2017 rund 5660 Menschen mit Migrationshintergrund die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Dafür mussten sie einen Einbürgerungstest des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestehen. Laut Studie des Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (CDU) und der Technischen Universität in Dresden seien die meisten gut integriert.

Mayar Magzomi würde am liebsten als Lehrerin arbeiten. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin. In Zeulenroda besucht sie die Berufsschulklasse, in einer Plauener Kindertagesstätte absolvierte sie ihre Praxiswochen. Mit den Kleinen Schneeballschlachten veranstalten, ihnen auf der Gitarre vorspielen oder Märchen erzählen, das ist Mayars Ding. Als die 20-Jährige im November 2016 mit ihrer Mutter und zwei Schwestern nach Deutschland kam, waren Vater und Bruder schon eine Zeit lang fort von Damaskus, der einst pulsierenden Stadt in Syrien. "So groß wie Berlin", sagt Mayar. Doch in der Heimat herrscht Krieg, keiner wisse, wie lange noch.

In Deutsch hat die junge Frau eine glatte Eins, und in Mathe eine Zwei. "Ich mag logisches Denken", sagt sie. Weil sie jedoch beim Englischen hin und wieder durcheinander kommt, hat sie einen Volkshochschulkurs belegt. "Ich will lernen und arbeiten", sagt sie. Als liebstes Hobby gibt sie Lesen an - sie mag Liebesromane.

Aynat Mohamed ist Kurde und stammt aus der Region Afrin unweit von Aleppo. Dort betrieb der 42-Jährige vor seiner Flucht mit zwei Brüdern ein Orthopädieschuhmachergeschäft. Seit fast zwei Jahren ist er bei der Firma Bandagen Fischer / Holm Oettel in Plauen angestellt. Nach nur einem Tag Arbeit auf Probe habe sein Meister Henryk Spitzner gewusst: "Das ist hohes Niveau und der Deckel auf unserem Topf." Im Betrieb sei man so zufrieden, dass man erneut einen Flüchtling einstellen würde - trotz enormer bürokratischer Hürden.

Mohameds Antrag auf einen deutschen Pass läuft. Der dreifache Vater hat einen Führerschein gemacht, spricht und versteht Deutsch. "Die Agentur für Arbeit hat an mich geglaubt", sagt er. Seine Frau machte ein Praktikum im Pflegeheim. Die Familie wünscht sich eine größere, bezahlbare Wohnung. Bei der Erfüllung dieses Traum helfen die Kollegen.

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