Tschüss Auerbach!

Helmut Kunad hat die Drei-Türme-Stadt geprägt. Jetzt kehrt der 73-Jährige seiner Heimat den Rücken, um in Coburg noch einmal neu anzufangen. "Schuld" daran ist ein seltenes Opa-Glück.

Auerbach.

Es ist alles gepackt: Heute rollt der Umzugswagen gen Coburg. 140 Kilometer, etwa zwei Stunden Autofahrt, seien es bis in die oberfränkische Stadt mit rund 40.000 Einwohnern, weiß Helmut Kunad. "Wir wollen mehrmals im Jahr Auerbach besuchen", ergänzt der 73-Jährige.

Ein Ur-Auerbacher, der mit 73 noch einmal an einem anderen Ort ganz neu anfängt? Als ihn am vergangenen Donnerstag seine Mitstreiter vom Verein der Museumsfreunde verabschiedeten, konnte Helmut Kunad kaum verbergen, wie schwer ihm das fällt.

Kunad ist Gründungsmitglied dieses Vereins und hat die Stadt Auerbach auch als SPD-Stadtrat der ersten Stunde nach der politischen Wende maßgeblich mit geprägt. Der Aufbau der kommunalen Verwaltung, die gesamte Gestaltung der Innenstadt, die Jugendarbeit - das alles seien Themen gewesen, die ihn von 1990 an als Stadtrat begleitet hätten. "Die Stadtratssitzungen dauerten in den ersten Jahren von 17 bis 22 Uhr", erinnert er sich.

Und dann die Gründung der Museumsfreunde. Helmut Kunad: "2005 habe ich ein paar geschichtsinteressierte Leute zusammengesucht, damit die Arbeit der Auerbacher Heimatforscher Freytag, Ranacher, Engelmann und Helmut Martin fortgeführt werden kann."

Aus dem Stadtrat verabschiedete Kunad sich 2016, jetzt muss auch der Museumsverein ohne ihn auskommen. Dafür gibt es einen gewichtigen Grund: Einer von Kunads Söhnen ist im März Vater von Drillingen geworden. Kunads Kommentar: "Das ist nix, wenn die Großeltern immer nur zu Besuch sind."

Nachdem es bisher schon ein Enkelkind in Coburg gab, machen Helmut Kunad und seine Frau jetzt also Nägel mit Köpfen - trotzdem sie ahnen, wie schwer es sein wird, in der fremden Stadt nochmals Kontakte knüpfen und im Vogtland alle bisherigen zurücklassen zu müssen. "So können wir die Enkel hautnah erleben und wir wissen auch, dass wir immer älter und vielleicht pflegebedürftig werden", begründet Kunad. Sein zweiter Sohn wohnt ebenfalls weit weg - in Hamburg.

Der erste Besuch in der alten Heimat ist unterdessen schon gebongt: Am 10. September wird die Postmeilensäule auf dem Auerbacher Altmarkt eingeweiht - ein Projekt der Museumsfreunde.

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