Vogtland-Euro: Was gegen und für ihn spricht

Ein Euro pro Einwohner soll in ein Programm fließen, aus dem das Ehrenamt unterstützt wird - so die Idee der CDU. Bei den anderen Parteien überwiegt die Skepsis.

Plauen/Auerbach.

Offiziell sei noch nichts beschlossen, betont CDU-Kreischef Sören Voigt. Doch am 1. Februar wird der Kreisparteitag der Christdemokraten vermutlich die Idee absegnen, wonach für jeden Einwohner des Kreises (aktuell 231.000) ein "Vogtland-Euro" in den Kreishaushalt 2021/22 eingestellt werden soll. Damit solle dann "bürgerschaftliches, gesellschaftliches Engagement" unterstützt werden. Außerdem plädierte Voigt auf dem Neujahrsempfang seiner Partei für eine "Ehrenamtsplattform" im Internet, die über entsprechende Angebote informieren könne. Dieser "Vogtland-Euro" soll Teil des CDU-Wahlprogramms werden. Die Resonanz auf seinen Vorschlag ist laut Voigt bisher positiv: "Wir wollen eine Diskussion anstoßen. Wenn sich andere Parteien dafür erwärmen, dann wäre das gut."

Momentan scheint bei den anderen jedoch Skepsis vorzuherrschen. Janina Pfau, Kreischefin der Linken, wundert sich über den Vorschlag: "Wenn die CDU etwas für Ehrenamtliche tun will, hätte sie im Landtag unserem Vorschlag für die Erhöhung des Ehrenamtsgeld auf 50 Euro monatlich zustimmen können", sagt sie. Doch die Christdemokraten hätten gegen die Initiative der Linken gestimmt - das passe nicht zum aktuellen Vorschlag.

Außerdem führt die CDU-Politik in Sachsen nach Pfaus Einschätzung seit vielen Jahren dazu, dass immer mehr Leute ins Ehrenamt "getrieben" würden, die bisher für ihre Arbeit "ordentlich bezahlt" worden seien, etwa in der Jugendarbeit. "Das trifft beispielsweise Jugendclubs, wo ständig mehr Stunden gekürzt werden." Es gebe viele Enthusiasten, die trotzdem die gleiche Arbeit weiterhin leisteten - dann eben ehrenamtlich. Sie hält es für sinnvoller, diese Kürzungen zu stoppen und möglichst zurückzunehmen, als über einen "Vogtland-Euro" fürs Ehrenamt zu diskutieren. Die angeregte Info-Plattform zum Ehrenamt könne zwar nicht schaden: "Aber bisher haben die Leute auch ohne die Politik ganz gut zusammengefunden."

Kay Burmeister, vogtländischer SPD-Kreisvorsitzender, meint: "Die Idee klingt gut, aber das ist natürlich Wahlkampf." Insgesamt sieht er den "Vogtland-Euro"-Vorschlag eher skeptisch. Zweckmäßiger zur Finanzierung des Ehrenamtes wäre aus seiner Sicht eine Stiftung, die Spendengelder einsammelt. "Eine Finanzierung allein aus dem Kreishaushalt würde ich ablehnen, das wäre unseriös."

Auch FDP-Kreisrat Dieter Käppel setzt eher auf eine Spendenfinanzierung, vor allem durch Firmen, "denen es gut geht". Dafür gebe es im Reichenbacher Land einige Beispiele, etwa das Café Leuchtturm. "Jedes Unternehmen, das auf sich hält und es sich leisten kann, sollte ehrenamtliches Engagement unterstützen", findet Käppel. Vielleicht könne der Vogtlandkreis dafür eine Plattform aufbauen. Eine Finanzierung allein aus dem Kreishaushalt hält der Liberale nicht für realistisch. Offiziell besprochen worden sei der Plan in seiner Fraktion nicht.

Die gemeinsame AfD/DSU-Fraktion hat sich nach Angaben ihres Chef Thomas Schädlich ebenfalls noch keine Meinung zur CDU-Idee gebildet, man wolle dies bei nächster Gelegenheit nachholen.

Für Steffen Raab, Fraktionschef der Freien Wähler und Bürgermeister von Weischlitz, ist der Vorschlag gleichfalls neu. Spontan meint er: "Man muss doch über alles reden können, da werden wir gerne mit diskutieren." Auf jeden Fall sei es ein guter Ansatz, das ehrenamtliche Engagement in der Region stärker zu würdigen: "Wir müssen die junge Generation an das Thema heranführen." Schwierigkeiten erwartet er vor allem bei der Verteilung des Geldes: "Wo fängt man an, wo hört man auf?" Es könne sein, dass Erwartungen geweckt würden, die am Ende nicht erfüllt werden könnten, man dürfe sich nicht verzetteln.

Welches Gremium am Ende über die Verteilung entscheiden würde, ob man nur Personen oder auch Investitionen fördere - man könne über alles reden, meint Sören Voigt. Am Ende müsse es darum gehen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Vogtlandkreis zu stärken.

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