Wahlen in Coronazeiten: Mit Stift und Maske in die Kabine

In drei Vogtlandkommunen finden am 20. September Bürgermeisterwahlen statt. Wegen des Pandemieschutzes ist der Aufwand beträchtlich.

Ellefeld/Heinsdorfergrund/Pöhl.

"Mit Bleistift und Lineal gehen wir zur Wahl" - das war zu DDR-Zeiten das Motto für alle, die die Kandidaten der Nationalen Front durchstreichen wollten und den Stiften in den Kabinen nicht trauten. Bei den diesjährigen Bürgermeisterwahlen in Ellefeld, Heinsdorfergrund und Pöhl wird offiziell aufgerufen, den eigenen Stift, diesmal einen Kugelschreiber, mitzubringen. Grund sind natürlich die Coronaauflagen, die den aktuellen Urnengängen ihren Stempel aufdrücken. Wer kein eigenes Schreibgerät mitbringt, dem werde "ein unbenutzter beziehungsweise desinfizierter Kugelschreiber ausgehändigt", erläutert Heike Keßler von der für die Wahl in Heinsdorfergrund zuständigen Stadtverwaltung Reichenbach.

Am liebsten wäre es den Organisatoren, wenn viele Bürger von der Briefwahl Gebrauch machen und so die kontaktärmste Variante wählen - und zugleich den doch beträchtlichen Aufwand für die Urnengänge am 20. September vermindern. Die Wähler in Ellefeld und Heinsdorfergrund können den erforderlichen Wahlschein auch über ein Online-Formular beantragen.

Am Eingang sind zunächst die Hände zu desinfizieren, im Gebäude müssen sowohl Wahlhelfer als auch Wähler einen Mund-Nase-Schutz tragen. Eine Identifikation der Wähler sei mit Wahlbenachrichtigungskarte und Personalausweis trotzdem möglich, versichert Heike Strauch-Laschewski vom Ellefelder Gemeindeamt. Selbstverständlich sind die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten.

Plexiglasscheiben werden Wähler und Wahlhelfer voneinander abschirmen, der Einwurf des Zettels in die Urne erfolgt durch eine Öffnung im Plexiglas. Alle Kontaktflächen sollen regelmäßig desinfiziert werden, für Pöhl wird konkret mitgeteilt, dies werde nach jeweils zehn Wählern geschehen.

In den Wahllokalen wird nur die vorgeschriebene Mindest-Anzahl von Helfern, nämlich fünf, zugegen sein. Sonst seien es oft sieben oder acht Helfer gewesen, heißt es aus Ellefeld. Trotzdem gehen die Verantwortlichen in den drei Kommunen davon aus, dass es zu keinen größeren Verzögerungen bei der Stimmauszählung kommt. Eher sei mit einigen Minuten Wartezeit vor der Stimmabgabe zu rechnen.

Bei der Auszählung soll trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gewährleistet werden, dass alle Interessierten (mit Maske und Abstand) teilnehmen können. Am Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl dürfe nicht gerüttelt werden, so die Vorgabe aus dem sächsischen Innenministerium. Spannend dürfte die Auszählung in Ellefeld und Heinsdorfergrund nicht werden: Es gibt jeweils nur einen Kandidaten, nämlich die bisherigen parteilosen Amtsinhaber. In Ellefeld ist das Jörg Kerber, in Heinsdorfergrund Marion Dick. Die Bürger haben jedoch die Chance, einen zusätzlichen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben und dadurch weitere Kandidaten ins Spiel zu bringen. In Bergen und in Hartmannsdorf sind auf diese Weise tatsächlich Bürgermeister gewählt worden, die gar nicht angetreten waren - dies war jedoch besonderen Konstellationen geschuldet und ist hier nicht zu erwarten.

Völlig anders liegen die Dinge in der Gemeinde Pöhl, wo nach einer fast unglaublichen Serie von Pech und Wahlpannen endlich ein Nachfolger für Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) gekürt werden soll. Zur Wahl stehen Erik Jung (Freie Wählervereinigung Pöhl) und Mirko Kutzer (Verein zum Erhalt des Naturraums Talsperre Pöhl).

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