Adorf lässt Ideen leuchten

Monatelang wurden Kürbisse für eine Festpremiere am 30. Oktober auf dem Markt gezogen. Warum das kein Halloween-Jux ist und wer dahintersteckt.

Adorf.

Einen Begriff wie eine Wundertüte hat Adorf in die Welt gesetzt: Möglichmacherei. "Ich hab mir den Begriff nicht ausgedacht und auch ein bissel damit gehadert", sagt Bianca Jahn. Doch die Adorferin hat in den fünf Monaten, seit sie mit der Anlaufstelle für Ehrenamtliche loslegte, viel Gefallen an ihrer Aufgabe gefunden. Spätestens jetzt wird ihre Arbeit greifbar: Sie vernetzt Ideen. Das Ergebnis ist am 30. Oktober auf dem Marktplatz zu erleben: Für das 1. Adorfer Kürbis-Leuchten stecken Bianca Jahn und die Kürbis-Mädels in den Vorbereitungen.

Dabei hat die Möglichmacherin - den Begriff erfand Klaus Zeitler von der in Adorf laufenden Demografiewerkstatt Kommunen - die Kürbis-Idee gar nicht ausgebrütet. Sie hörte sie, nahm sie auf, baute sie über das Dekorieren des Marktes aus - alles mit einem Team, das aus Frauen, vor allem Müttern mit Kindern besteht. Kita, Schulen, Seniorenheime, Vereine sind im Boot. Seit Monaten werden die Herbstfrüchte für das Kürbis-Leuchten gezogen. "Es ist eine schöne Idee, die wirklich in die Breite gegangen ist", meint Bianca Jahn.

Was sich aus Kürbis und Licht gestalten lässt, davon lassen sich die Kürbis-Mädels selbst überraschen. Unter dem Motto "Adorf leuchtet auch durch dich!" darf nach Herzenslust geschnitzt, zusammengesteckt, bemalt, gezaubert werden - bevor mit dem Kommando "Licht aus!" der abendliche Markt in eine besondere Herbststimmung getaucht wird. Für die Kürbis-Mädels steht fest, was der Treff nicht sein soll. "Es ist kein Halloween, kein Verkleiden und kein Umzug", betont Nicole Schmidt. Für jeden abgegebenen Kürbis gibt es ein Los. 300 sind davon da. Als Gewinn warten hochwertige, bei Sponsoren eingeworbene Preise bis zu Theater-Familienkarten - es ist kein Schrottwichteln. Ein Überraschungsgast übergibt zudem Pokale, und es wird auf einer großen Karte mit Pins abgesteckt, woher die Kürbisse kamen. Idee dahinter: Wenn die Kürbis-Fans aus Adorf und den Ortsteilen ihre Kürbis-Kreationen abends wieder mit nach Hause nehmen, sollen sie danach noch Stadt und Dörfer zieren - und so ab dem Reformationstag zum Spaziergang durch geschmückte Orte und zum Plauschen anregen.

Geplauscht wurde auch manches zur am 10. Mai gestalteten Möglichmacherei. Frotzeleien, ob sie es auch möglich machen könnte, Privatkonten zu füllen, kontert Bianca Jahn mit einem flotten Spruch. Neben Spott gab es auch Ist-Ja-Cool-Kommentare. Bianca Jahn hat nicht jede Einzelaktion in die Welt posaunt. "Es ist ein Uhrwerk, bei dem ein Rad ins nächste greift. Da ist vieles ist im Hintergrund gelaufen." Zum Beispiel: Es gibt die Idee, einen Schülertreff in Adorf zu etablieren. Zweites Beispiel: die neuen Mitmacher. Hier haben sich bisher in Vereinen nicht Engagierte gefunden. Ziel: ein Pool an Leuten, die freiwillig selbst entscheiden, ob und wie oft sie sich engagieren, wenn bei einem Verein jemand ausfällt und dieser um Hilfe bittet. Beim Sommernachtskino im August habe das super geklappt.

Rückenwind gibt die große Bürgerumfrage. Fast ein Viertel der Teilnehmer liebäugelt damit, sich neu ehrenamtlich zu engagieren. "Da ist viel Potenzial. An die Leute wollen wir ran", sagt Bianca Jahn.

Was die Möglichmacherei ist und was sie macht, dies erklärt Bianca Jahn am Montag, 28. Oktober, im Adorfer Stadtrat. Die öffentliche Sitzung beginnt 19 Uhr im Ratssaal.

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