Alte Mundi-Melodien neu aufpoliert

Dietmar Hummel aus Berlin ist einer der ersten Musiker, die zum Festival Mundharmonika live nach Klingenthal kamen - und ein begnadeter Tüftler.

Klingenthal/Berlin.

Es sind vielfach nur noch Bilder, die von der Tradition des Mundharmonikaspiels in Klingenthal zeugen - vor allem, was die große Zeit des kleinen Instruments in den 1920er Jahren betrifft. Man steht vor Aufnahmen wie dem Fabrikorchester Fortuna der Firma A. A. Schlott mit Mundharmonika, Akkordeon und Geige, oder dem Mundharmonika-Club Germania mit Mundharmonika, Bandoneon, Bass und Schlaginstrumenten, und überlegt, welche Musik man damals gemacht hat, und wie das damals wohl geklungen haben muss.

Einen Einblick in jene Zeit bietet eine CD mit Aufnahmen, die der Berliner Musiker Dietmar Hummel produziert hat. Er digitalisierte in mühevoller Schellackplatten mit Aufnahmen des Berliner Mundharmonika-Orchesters "Stern" aus dem Jahr 1928, und schuf und damit ein einzigartiges Tondokument. Ein Exemplar davon bekam nun das Harmonikamuseum Zwota.


Das Mundharmonika-Orchester war 1903 von Arthur Marquardt gegründet worden und bestand bis 1951. Bis zu 25 Musiker spielten dabei gleichzeitig, wobei jeder vor sich auf den weiß gedeckten Tischen bis zu 30 Mundharmonikas liegen hatte. Die heute verwendete Chromatische Mundharmonika mit dem Schieber zum Umschalten auf Halbtöne war damals noch nicht erfunden. "Mitunter mussten die Spieler das Instrument für einen einzigen Halbton wechseln", sagt Hummel. Das leichte Polstern zwischen der Musik, das auf den Aufnahmen zu hören ist, stammt vom Ablegen der Instrumente auf den Tischen.

Die Originalaufnahmen, die Hummel nutzen konnte, stammen von Schellack-Platten mit 78 Umdrehungen pro Minute, für die es heute keine Geräte mehr gibt. Allein die technische Tüftelei, die nötig war, um sie wieder abspielen zu können, bietet Stoff für ein abendfüllendes Programm. Hinzu kam, dass die Aufnahmen für die Platten mit nur einem Mikrofon gemacht worden waren. Dietmar Hummel hat es jedenfalls geschafft, ein Stück Musikgeschichte hörbar zu machen. 12 Titel sind auf der CD zu hören.

Der Berliner, inzwischen über Jahre 80 alt, ist nicht nur Musiker und Tüftler, er sammelt auch Instrumente. Beim Sammlertreff 2013 in Klingenthal zeigte er eine Akkord-Mundharmonika, die in der Vermona - heute ist es wieder die Manufaktur C. A. Seydel Söhne - in Klingenthal gebaut wurde. "Ich habe in Klingenthal einige Spuren hinterlassen", ist Hummel überzeugt. Mit der CD hat er sich nun auch einen Platz im Harmonikamuseum Zwota gesichert.

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