Bad Brambacher Wähler setzen Vertrauen in einen Neuling

Maik Schüller gelingt bei der Bürgermeisterwahl ein klarer Sieg. Dem Quereinsteiger hatte kaum einer so einen Erfolg zugetraut.

Bad Brambach.

Die Wähler haben entschieden - und Bad Brambachs neuen Bürgermeister Maik Schüller einen großen Vertrauensvorschuss gegeben. Der Berufssoldat errang im zweiten Wahlgang mit 51,5 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit. "Freie Presse" hörte sich um.

Maik Schüller hat den Wahlsieg gar nicht feiern können - er musste zeitig ins Bett. Halb vier klingelte der Wecker, der Berufssoldat musste zum Stationierungsort in die Oberpfalz. "Schlafen konnte ich nicht. Das muss man erst mal verdauen. Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Ganz besonders habe ich mich über die Bad Brambacher gefreut, dass sie mich gewählt haben." Gerechnet hatte er mit so einem klaren Sieg nie, gehofft "dass ich oder Schnurre gewinnen, um aus der alten Fahrspur hier herauszukommen." Den Rest der Woche hat Schüller frei bekommen, konnte so gestern das Feiern nachholen.

Jürgen Lenk ist ob seines Ergebnisses (25,2 Prozent) nicht am Boden zerstört. "Mein Leben geht ganz normal weiter. Für mich ändert sich grundsätzlich erst mal nix", sagte er. Dass Schüller mehr als die Hälfte der Stimmen holt, überraschte ihn, gibt er zu. Lenk sah sich selbst nicht als Favorit, hat auch keinen Trend gespürt, der sich im deutlichen Ausgang ablesen lässt. "Ich strecke die Hand aus für gute Zusammenarbeit im Gemeinderat. Es geht um Bad Brambach", so sein Angebot an den Wahlsieger. Er findet, "man muss im Leben auch mal verlieren können".

Torsten Schnurre zeigte sich vom Abstand der Bewerber im Wahlergebnis überrascht - sein Abschneiden (23,3 Prozent) entmutige ihn aber nicht. "Ganz viele glauben an meine Ideen für Bad Brambach" - deswegen werde er an seinen Ideen dranbleiben, geknüpfte Kontakte nicht einfach liegen lassen. Wie seine Arbeit für den Kurort konkret aussehe, werde sich in den nächsten Wochen zeigen - es gehe um die Gemeinde, nicht um Posten. Dem neuen Bürgermeister wünscht Schnurre, dass er das Gesagte umsetzt und die Gemeinde weiter entwickelt.

Altbürgermeister Helmut Wolfram hatte einen Trend in Richtung Schüller gespürt. "Aber dass er über 50 Prozent erhält, hätte ich nicht erwartet. Wir können nun bloß darauf hoffen, dass er was draus macht", sagte der 65-Jährige. Warum sein Nachfolger im Vergleich zum 9. September so viele Stimmen mehr zog, sei schwer zu deuten. Es seien sicher mehrere Faktoren - einer sei die Abneigung gegen etablierte Parteien.

CDU-Kreischef Sören Voigt nahm das Ergebnis "sehr verwundert" auf. Es sei "schade, dass die CDU das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters nicht mehr besetzen kann - es ist der Wille des Wählers, das muss man akzeptieren". Offensichtlich sei es Schüller seit Runde 1 am 9. September am besten gelungen, Themen zu besetzen, die den Menschen am wichtigsten seien. "Er hat den Nerv getroffen." Schüller habe viele Dinge versprochen - man werde darauf achten, was umgesetzt wird. Einen Trend gegen die CDU in der Wahl kann Voigt nicht erkennen.

SPD-Gemeinderat Bernhard Langnau bewertet den Wahlausgang als zwar nicht unerwartet - aber die Deutlichkeit überrascht auch ihn, "Mich freut sehr, dass die Wahlbeteiligung nochmals um zwei Prozent gestiegen ist. Ich werde mein Bestes geben, mit ihm zusammenarbeiten." Dem sehr klaren Votum der Wähler im Kurort und den Ortsteilen müsse sich der Gemeinderat stellen, schätzt der Abgeordnete ein.


Kommentar: Es wirdspannend

Die Wähler in Bad Brambach und seinen Ortsteilen schicken ihren neuen Bürgermeister mit einem großen Vertrauensvorschuss ins neue Amt. Mehr als 50 Prozent für Maik Schüller gegen zwei Mitbewerber - den Sieg in dieser Deutlichkeit hatte so kaum einer erwartet. Der neue Chef im Rathaus hat die Ruhe bewahrt, als andere schon für ihre Kandidatur trommelten - und er hat mit klarer Sprache gepunktet. Für viele war er der klare Gewinner des Forums der "Freien Presse" Ende August, als alle drei Kandidaten gemeinsam auf dem Podium saßen. Es wird spannend, wie sich Maik Schüllers Vorstellungen mit manch Zwängen des neuen Amtes vereinen lassen, wie der "Neue" und der in großen Teilen alteingesessene Gemeinderat zusammenfinden. Schüller hat einiges angekündigt - er wird daran gemessen werden, was er umsetzen kann. Eins ist klar: Die Wähler wollten den Neuanfang - ohne Partei im Rücken.

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