Bahn stemmt Kraftakt: Ein Gleis nach Adorf ab morgen frei

Der heftige Regen Ende Mai und Anfang Juni hat schwere Schäden an Gleisen, Unterbau und Signaltechnik verursacht. Was die Bauarbeiten an der Strecke so knifflig macht.

Leubetha.

Das fällt ins Auge: Die Terrassen, die zurzeit am Elsterhang südlich von Leubetha entstehen, sieht jeder Autofahrer, der auf der B 92 Richtung Adorf fährt. Die Dammbauwerke sind das sichtbare Zeichen einer großen Baustelle der Deutschen Bahn zwischen Oelsnitz und Adorf, die durch die Starkregenfälle vom 24. Mai und 9. Juni ausgelöst worden ist. Nach den gravierenden Schäden ist ein wichtiges Etappenziel erreicht. Nach drei Monaten Sperrung kann ab morgen das rechte Gleis Richtung Adorf wieder mit verminderter Geschwindigkeit von 50 km/h befahren werden. "Möglich ist das nur durch einen Riesenkraftakt aller Beteiligten, Mitarbeiter der Bahn, Planer, Baufirmen und Genehmigungsbehörden", sagt Elke Hering, bei der Bahn-Tochter DB Engineering & Consulting für das Projekt verantwortlich.

Das Ausmaß der Schäden an den Bahnanlagen durch die Hochwasser-Ereignisse im oberen Vogtland ist immens, die Schadenssumme derzeit noch nicht zu beziffern. Verschobene Gleise, beschädigte Brücken, umgestürzte Bäume, unterspülte Signaltechnik, Dammrutschungen auf erheblicher Länge, dazu jede Menge Schwemmgut - allein 1000 Tonnen im Bahnhof Oelsnitz, der am 24. Mai komplett unter Wasser stand: Es ist eine Bilanz des Schreckens, die Elke Hering gestern Vormittag bei einem Ortstermin an der Bahnstrecke bei Leubetha vortrug. Besonders hart traf es den 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen Oelsnitz und Adorf. Während zwischen Plauen und Oelsnitz bereits Anfang/Mitte Juni Personen- und Güterverkehr nach Schadensbeseitigung wieder aufgenommen werden konnte und auch südlich von Adorf die Probleme behoben sind, gibt es in diesem Bereich des Elstertals noch viel zu tun. Dazu kommen mehrere Herausforderungen: Die Elsterauen standen lang unter Wasser, erst im Juni konnte bei trockenem Untergrund die ein Kilometer lange Baustraße von der Kreisstraße bei Leubetha zur Baustelle verlegt werden, wo 6000 Tonnen Material in der Böschung verbaut wurden. Zudem baut die Bahn hier in einem sensiblen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet. "Wir haben sofort eine ökologische Bauüberwachung beauftragt und einen Artenschutzgutachter da. Wir legen da sehr großen Wert darauf, dass alles mit rechten Dingen zugeht", betont Elke Hering. Ab 5. Oktober soll eingleisig mit 80 km/h zwischen Oelsnitz und Adorf gefahren werden, der Betrieb geschieht in beiden Richtungen per Ersatzsignal. Das zeitweilige Tempolimit liegt an der Art des Bauverfahrens, so Matthias Sommerfeld vom DB-Regionalnetz Mittelsachsen.

Gehen die Bahnpläne auf, dauern die Arbeiten bis zur Rückkehr zum Normalbetrieb bis April. Voraussichtlich ab Dezember gibt es nördlich von Rebersreuth eine besondere Herausforderung. Wegen des parallelen Wirtschaftswegs ist hier eine Stützmauer nötig, Planrechtsverfahren inklusive. Elke Hering: "Wir sind uns bewusst, was es heißt, im vogtländischen Winter zu bauen."

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