Bahnausbau: Kurort Bam Brambach sieht Pläne als Gefahr

Die Gemeinde setzt auf Worte des Landrats, alle auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen. Viele Räte neigen zum Nein zu den Erweiterungsplänen.

Bad Brambach.

Nur Bahnhof verstand Bad Brambachs Bürgermeister Maik Schüller (parteilos) bisweilen, als vor wenigen Tagen Landrat Rolf Keil (CDU) die Bürgermeister der Orte an der Elsterbahnlinie Plauen-Bad Brambach-Eger traf. Stichwort: Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau der Trasse. Es sei deutlich geworden, dass die Kenntnis über die Pläne höchst unterschiedlich sei, sagte Schüller im Gemeinderat. Er begrüßte daher, dass Keil den Wissensstand zusammenfassen lassen und auch an die Medien geben wolle. "Diesen Informationsstand brauchen wir erst mal", so Schüller. Der Antrag von Gemeinderat Andreas Zuber (Zukunft für Bad Brambach), dass sich der Rat gegen Elektrifizierung und zweigleisigen Ausbau ausspricht, wurde daher vertagt.

Für den Antrag von Zuber gab es gleichwohl viel Sympathie. "Ohne Elektrifizierung wird die Strecke wahrscheinlich eingehen", schätzte Otto Fischer (CDU) ein, betrachtet den Ausbau aber als "wirtschaftlichen Wahnsinn. Ich sehe keinen Nutzen. Was wird im Vogtland produziert, dass auf der Bahn transportiert wird?", fragte Fischer. Keils Argument, durch die Elektrifizierung ein Angebot für Touristen zu schaffen, mit der Bahn ins Vogtland zu fahren, zieht für Torsten Schnurre (FDP) nicht. "Ich sehe Gefahren für Bad Brambach. Wenn es mehr Züge gibt, dann Durchgangsverkehr. Ich sehe nicht die Massen an Touristen, die hier aussteigen", erklärte er und verwies auf Folgekosten sowie Themen wie Kurortprädikat, Lärm- und Heilquellenschutz. "Mir tut es um unsere Landschaft leid. Es macht den Kurbereich kaputt und frisst zuviel Landschaftsschutzgebiet." Der nicht ausgesprochene Verdacht: Die Strecke rechnet sich nur, wenn sie intensiv von Güterverkehr frequentiert wird. Die Hoffnungen auf mehr Fahrgäste mit einer erweiterten, modernisierten Trasse - für Zuber eine Milchmädchenrechnung. "Wir haben hier keinen überregionalen Personenverkehr. Wir kriegen ihn auch nicht. Plauen hängt nicht am überregionalen Fernverkehr. Ich sehe den Sinn für den gesamten Vogtlandkreis nicht, bin aber kompromissbereit - wenn mir jemand den Sinn auseinandersetzt." Auseinandersetzen wollen sich die Räte auch mit Beiträgen, die die Bürgerinitiative gegen den Ausbau der Bahnstrecke Plauen-Eger (BI Elstertal) seit kurzem im Internet veröffentlicht.

Trotz der Vertagung des Beschlusses soll der Standpunkt der Gemeinde in absehbarer Zeit klar sein. "Die Öffentlichkeit soll wissen, wie wir uns positionieren. Und je früher wir dran sind, desto eher haben wir Einflussmöglichkeiten", argumentierte Zuber. Das gelte auch für eine zweite Frage, in der der Gemeinderat einen Extra-Beschluss fassen will: Die geplante Straße von der B 92 über Oberreuth/Horni Paseký nach Asch als Anschluss an die am 21. November eröffnete Verbindung Fleißen/ Plesná-Bad Brambach. Hier hatte Zuber einen Antrag formuliert, der Gemeinderat lehne den zweiten Bauabschnitt "unter Zugrundelegung des aktuellen Kenntnisstandes" ab. Der Antrag ist vertagt, aber nicht vom Tisch. Die Räte wollen Einblick in aktuelle Planungsunterlagen auf deutscher Seite und sich in der Natur umsehen, wo die Straße verlaufen könnte. Knackpunkt ist die Tonnage. Auf tschechischer Seite zeichnet sich nach Einsprüchen Betroffener ein Versuch ab, die Straße auf vorhandener Trasse mit 3,5 Tonnen auszubauen. Damit werde es auf deutscher Seite wohl nichts, wenigstens 7,5 Tonnen für Lieferverkehr wären realistisch, meint Fischer. "Es geht bloß darum, die Straße kleinzuhalten", so Zuber. Er will keinen dritten Lkw-fähigen Übergang auf Bad Brambacher Gebiet - etwa mit großer Brücke über die dann womöglich zweigleisige Bahnstrecke. "Das wird ein Klopper", befürchtet er.

14Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    1
    Zeitungss
    vor 4 Stunden

    @Glücksritter: Der Tunnel als Variante ist bei den "Fachleuten" bekannt. Nach Ihren Worten hat das Haus demnach schon richtigen Bahnbetrieb überstanden, als Güterzüge Tag und Nacht mit 3 Dampf- bzw. Dieselloks durch Ihr "Wohnzimmer" Richtung DBM (Brambach) fuhren. Die Verkehrswende nach der Wende war für Sie demnach der Glücksbringer. Um die damalige Fehlentscheidung zu korrigieren, darf JEDER etwas dazu beitragen, die Annehmlichkeiten der Rundumversorgung mit allen Gütern und die Mobilität möchten Sie sicherlich nicht vermissen. Genau aus diesem Grund müssen andere Bürger viel größere Belastungen ertragen, aber bitte wir als Bergvolk nicht. Es reicht, wenn die Güter auf anderen Wegen geräuschlos bei uns ankommen.
    Noch ein kleiner Zusatz. Die Bezeichnung Bergvolk war unvollständig und hätte richtigerweise zänkisches Bergvolk heißen müssen. Für diese Unachtsamkeit bitte ich vielmals um Vergebung.

  • 1
    2
    Glücksritter
    03.12.2019

    Es gibt Planungen zu einem Tunnel, das sollten die zwei Fachleute eigentlich wissen. Weiter existiert mein Haus länger als die Bahntrasse also ist das dummes Gerede. Übrigens verstehe ich nicht was Sie ständig haben mit ihrer Aussage das wir zu bequem sind. Ich bin Besitzer einer BC 50 und habe nichteinmal ein Auto. Ich wette da bin ich ihnen beiden weit vorraus.
    Und hei kann ich nur gratulieren das man glaubt man habe etwas zu "sagen".
    Bei Zeitungss stelle ich mir die Frage, warum Sie ständig die Bezeichnung als Bergvolk benutzen?
    Wenn das Bergvolk etwas gelernt hat ist es folgendes:
    Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm,
    bei manchem ist es anders rum.

  • 2
    1
    hei
    02.12.2019

    Ps
    Wer regt sich denn auf?
    Ich als direkter Trassenanwohner sowie meine Nachbarn nicht!
    Die sich aufregen sind solche Menschen, die sonst schon absolut nichts zu sagen haben!

  • 3
    2
    Zeitungss
    30.11.2019

    @Glücksritter: Neben Ihren denkmalgeschützten Haus besteht die Bahntrasse mit Sicherheit länger als Sie diesen Erdball bevölkern. Man hat sich seit der Wende daran gewöhnt, dass die Güterzüge heute auf der rechten Spur der BAB verkehren und diese reicht gelegentlich nicht einmal. Das Elbtal ist weit weg und man möchte seine Ruhe haben, wäre die richtige und denkmalgeschützte Antwort gewesen.
    Einen Tunnel wird man wegen Ihnen nicht graben, schon wegen der Erschütterung beim Bau am besagten Haus, was der nächste Punkt wäre. Und nach (Bad) Maschen kommt man eher mit modernen Verkehrsmitteln als zum Bergvolk.

  • 1
    3
    Glücksritter
    30.11.2019

    Achso ich wusste nicht das alle osteuropäischen Eisenbahnverkehrsunternehmen jetzt ihren Waggonpark umstellen. Leider ist mir auch nicht bewusst gewesen das Deutachland solch ein hervorragende Lärmschutzverordnung hat. Da frage ich mich wieso sich die Anwohner an der Elbtrasse aufregen?
    Vielleicht sind dies auch alles nur Querulanten die keine Ahnung haben.
    Hoffentlich glaubt keiner diese Märchen. Wo sie recht haben ist, das ich keine Güterzugtrasse 50m neben meinem denkmalgeschütztem Haus haben möchte. Es gibt ja bereits Alternativen aber da können "Eisenbahnfreunde" halt keine Fotos machen. Ich empfehle den nächsten Kururlaub nicht in Bad Brambach zu machen, sondern in Maschen.

  • 4
    1
    Zeitungss
    29.11.2019

    @Glücksritter: Die ES64 (BR189) und deren Nachfolger besitzen eine leistungsfähige elektrische Bremse mit Netzrückspeisung welche die Nutzung der Druckluftbremse bei trockenen Wetter auf ein Minimum beschränkt. Der Wagenpark befindet sich z.Z. in der Umstellung von Grauguss- auf Kunststoffsohlen, den Rest erledigt der örtliche Schallschutz in der heutigen Zeit. Die alten sächsischen Abteilwagen mit Dampfheizung gehören inzwischen auch de Vergangenheit an.
    Mit anderen Worten, man möchte im Oberland nicht gestört werden, das Verkehrsleid in Deutschland sollen andere ertragen, es langt wenn wir bei Bedarf ungehindert von A nach B kommen. Der letzte Satz findet sicher Ihre Zustimmung.

  • 2
    1
    hei
    29.11.2019

    Ich sag ja:
    Die Vergangenheit!
    Wir nutzen schon lange keine Klötze mehr!

  • 1
    5
    Glücksritter
    29.11.2019

    @hei
    Ja sie haben recht das E-Loks und auch elektrische Triebwagen leiser sind. Aber wenn zum Beispiel an einer Siemens ES64 35 Güterzugwaggons hängen und diese klotzgebremst sind ist es aus mit dem Märchen des leisen Güterverkehrs.
    Und natürlich musste Bad Brambach einen riesigen Eigenteil damals aufbringen.
    Aber zum Glück haben Sie ja Ahnung und wissen wovon Sie reden und andere nicht.
    Nicht jeder mit einer Modelleisenbahn ist ein qualifizierter Eisenbahner. In diesem Sinne Hp1 und Gute Fahrt

  • 3
    1
    hei
    29.11.2019

    Ps:
    Ich fahre mehrmals im Monat die genannte Strecke! Ihre Zeiten sind Traumzeiten, welche nur auf dem Papier stehen!
    Desweiteren wohne ich an der Trasse Plauen-Bad Brambach! Ja, die E-Loks und E-Züge sind viel leiser als die Dieselzpge von Stadler und Co! Und sind auch zügiger unterwegs! Nebenbei weiss ich, wovon ich rede!

  • 3
    1
    hei
    29.11.2019

    @Glücksritter:
    Viel Spaß beim Weiterträumen!
    Sie widersprechen sich schon in Punkto CO²-Ausstoß!
    Auch sind Bahnübergänge Bahn- und nicht Komunalsache! Des Weiteren sind Sie mit 100%-iger Sicherheit Einer der ersten Rumheuler, wenn diese Bahnübergänge nicht im ordentlichen Zustand und NICHT ordentlich gesichert sind!
    Sie sind echt ein Held der Realität und haben mich heute schon zum Lachen gebracht! Danke dafür!
    Und bleiben Sie immer schön in der Vergangenheit stecken, stellen sich bitte keinen Neuerungen!

  • 4
    2
    ChWtr
    29.11.2019

    Ergo, @Zeitungss: großes Museum Vogtland! (incl. sich darin befindliche Lebewesen)

  • 5
    4
    Zeitungss
    29.11.2019

    Gebt dem Bergvolk die Faustkeile wieder und koppelt sie von der Energieversorgung ab. Hamsterräder werden den Kurbetrieb nicht stören und die Betreiber kommen auf andere Gedanken. An die Ortseingangstafeln jeweils ein Schild "Denkmal".

  • 1
    6
    Glücksritter
    29.11.2019

    @hei

    Oelsnitz nach Nürnberg: 3 Stunden 13 Minuten, darin enthalten 44 Minuten Umsteigezeit

    Bei einer Elektrifizierung der besagten Strecke bringt es dem Personenverkehr keinen Mehrwert, zum Beispiel schnellere Fahrzeiten.
    Weiter kann ich mir gut vorstellen das Bad Brambach heute noch die Kredite für die Bahnübergänge abzahlen muss, welche vor einigen Jahren saniert werden mussten.
    Die Aufgabe gewählter Gemeindevertreter ist es die Interessen der Bürger zu vertreten und sich nicht einen Kopf über den Co2-Ausstoß zu machen.
    Diese Strecke für den Güterverkehr auszubauen wäre das schlechteste was den anliegenden Gemeinden und ihren Einwohnern passieren kann.

  • 5
    2
    hei
    29.11.2019

    Immer noch nichts kappiert!
    Viele heulen Rum wegen zuviel CO², vollen Straßen und vor allem wegen den vielen LKW's auf Autobahnen und sonstigen Straßen! Selbst zu sogenannten Sozialismuszeiten war schon mehr Güterverkehr auf der Gleistrasse als Ausgleich- und Parallelstrecke zum Elbsandsteingebirge!
    Aber lieber verschläft man mal wieder ein paar Dinge, denn bahntechnich ist schon länger Schicht im Schacht im Vogtland (von Fahrzeiten und Plänen des ich lieber nicht, von Oelsnitz bis Nürnberg braucht man mittlerweile über 4 Stunden mit dem Zug, was das Auto sinnvoller macht!)x



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...