"Bomben-Typ" erklärt Sprengkörper

Zum Tag des offenen Denkmals hatten Gert Müller vom Bergknappenverein und Thomas Langer, Kampfmittel-Fachmann aus Dresden, eine zündende Idee.

Plauen.

Obwohl er in Dresden geboren ist, sei Thomas Langer eigentlich ein Plauener - "so oft wie ich in den letzten 35 Jahren hier gewesen bin". In Plauen hatte der Sprengmeister und Chef des sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) deshalb derart viel zu tun, weil es sich um eine "Bombenstadt" handele. Vor dem Luftschutzmuseum legten Langer und sein Team dar, wie eine Fliegerbombe funktioniert und warum ein Fünf-Tonnen-Sprengkörper heute erst recht mit Samthandschuhen angefasst werden muss: "Je älter, umso gefährlicher." Korrosion sei es vor allem, die für Komplikationen bei der Bergung und Unschädlichmachung sorgt.

"14 Angriffe hat es im Zweiten Weltkrieg gegeben, 76 Prozent der Stadt sind zerstört worden", führte Gert Müller vom Bergknappenverein und ausgesprochener Kenner der Luftschutzkeller aus. Die vergleichsweise wenigen Toten - um die 2000 dennoch - seien den ehemaligen Bierkellern zu verdanken. Diese boten Schutz bei Fliegeralarm.

"Es ist bedrückend, man kann sich vorstellen, wie eng, nass und dunkel es gewesen sein muss", sagte Uwe Bergmann aus dem bayerischen Schnaittenbach. Der Lehrer war bereits zwei Mal mit Schülern in dem Museum gewesen. Diesmal hatte er interessierte Bürger seines Ortes mitgebracht. Ein Teil der Reisegruppe schaute sich in der Schaustickerei am Obstgartenweg um. Auf dem Heimweg wurde ein Abstecher im Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth gemacht.

Auch die Bayern löcherten Thomas Langer mit Fragen. Der Kettenraucher antwortete geduldig, erklärte anschaulich, wie das sei, wenn die Druckwelle eine Fünf-Zentner-Bombe Häuser einfach so zur Seite drücke und sich Splitter des Ungetüms ins Straßenpflaster bohrte als wäre es aus Knete. Solche Bombenrudimente sind im Museum unter Tage ausgestellt. Ein Kunstwerk zum Nachdenken ist der Splitter-Teppich von Peter Luban - eine Installation, die 125 Metalteile an Seilen miteinander verbindet. "Das waren zwei Kisten voll. Furchtbare Relikte", schüttelt Gert Müller den Kopf.

Die Blindgänger aus dem Krieg sind Plauens Vermächtnis an Langer und seine Mannen. Er wird wiederkommen müssen. Vielleicht mit Munitionsbergungsarbeiter Sven Redmer. Der ist seit zwei Jahren im Team des KMBD. Die bei der sächsischen Polizei angegliederte staatliche Behörde hat pro Jahr mit bis zu 400 Tonnen Kampfmitteln zu tun.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...